EXPEDITION YARO


Peru 1989
Teil 19

„Die roten Spiralen“

Meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele, erlebte in dieser Nacht einen Glanzpunkt.
In extasischer Trance sahen wir tanzende, nackte Geister, die uns immer wieder beflügelten.
Als ich am frühen Morgen aufwachte, war ich mit Luana Seelenverwandt. Noch im benommenen Zustand, stand ich leise auf, ging zur Tür hinaus und glaubte Monster zusehen. Ich wischte über meine Augen und schüttelte mein Kopf, dann sah ich Rudi, der geile Hahn, vor mir stehen. Sein Gefolge pickte über den Lehmboden. 
Du schon wieder! Rief ich. Er drehte sich um und…. äh äh ähh äähhhtsch.
Es war ein kühler, klarer Morgen. Die grünen, viertausend Meter hohen Berge und der tiefblaue Himmel, ergaben eine kontrastreiche Schnittstelle.
Luana lachte hinter mir. Sie stand nackt in der Tür und rief:
Mach dich frisch, das kalte Wasser wird dir gut tun, ich mache uns derweil Kaffee und Frühstück!
Ich liebte diese Frau, diese Schamanin und ihre erotische Seele.
Das kalte Wasser aus der Zisterne, weckte meine Geister. Schnell ging ich zurück, wäre beinahe über ein Meerschweinchen gestolpert, das erschrocken davon rannte. Ich zog meine Klamotten an und ging in die Küche. Luana war am Kaffee kochen. Lächelnd sah sie mich an.
Irgendwas war anders.
Es waren nicht die steifen Nippeln ihrer festen Brüste, die der kühle Morgen noch geiler machten. Es waren die roten Spiralmotive in ihrem Gesicht. Als ich schlief, hatte sie die Farben gewechselt.
Luana zog sich ihr braunes Kleid über ihren lustvollen Körper. Wir setzten uns ans Feuer und frühstückten mit schwarzem, peruanischem Kaffee, mit Fladenbrot und Marmelade.
Was bedeuten die roten Spiralmotive? Fragte ich sie.
Sie streichelte mein Oberschenkel und antwortete:
Das ist das Symbol unserer immer wiederkehrenden, erotischen Seelen, mit denen wir uns in der Nacht vereinten. Wir werden ewig verbunden sein, bis über den Tod hinaus.
Wenn du zu Hause bist, gehst du auf ein Berg und rufst die Geister, meine erotische Seele wird kommen, wird dich umkreisen und in dich eindringen. Ich bin der Wind in deinen Haaren, ich bin die Regentropfen auf deiner Haut, ich bin die Sonnenstrahlen, die dich streicheln und dich wärmen.
Luana schaute nachdenklich in das Feuer und legte etwas Holz nach.
Ihr Blick war konzentriert, auf einen Punkt gerichtet.
Der Schein der Flamme flackerte in ihrem braunen Gesicht und die roten Spiralen blinkten wie Blitze. Leise murmelte sie etwas in Quechúa, es klang wie ein verhaltener Gesang.
Ich sah sie fragend an.
Keine Antwort. Stille.
Wahrscheinlich eine Verbindung mit den Geistern.
Nach einer Weile stocherte sie mit dem Feuerhaken in der Glut herum und fragte:
Kennst du dich mit Pferden aus? Kannst du reiten?
Ja, schon, sagte ich. Ich war als Kind in einer Voltegiergruppe und später hatte ich noch ein paar Reitstunden gehabt.
Was ist eine Voltegiergruppe? Fragte sie mich. Und ich fing an zu erzählen:
Das Voltegieren ist ein Sport. Ein Mensch, Mann oder Frau, führt ein Pferd an der Longe im Kreis. Das Pferd galoppiert und die Kinder springen auf und machen akrobatische Kunststücke. Drei Jahre lang war ich dabei, bis ich bei einem Saldo rückwärts mein Arm gebrochen habe.
Und was ist mit den Reitstunden? Fragte sie weiter.
>>Oh ja, die Reitstunden, dachte ich. Wie war das noch, damals, mit Sandra, meiner Reitlehrerin? Ich kann mich noch gut erinnern:
Sie war so um die 40 Jahre alt, stand in der Mitte des Reitplatzes und hatte die Peitsche in der Hand.
Es war im Sommer 1975. Die Sonne hatte tagsüber den Sand des Platzes aufgeheizt. Es staubte.
Ihre roten Haare hatte sie zum Zopf gebunden. Ihre hautengen Reithosen, die ihre erotische Figur stark betonte, ihr enges T-Shirt mit dem tiefen Ausschnitt und der Aufschrift „Reiten macht Spaß“. Ich konnte mich nicht auf ihre strengen Kommandos konzentrieren. Ich war Abteilungsreiter, das heißt, ich war in einer Gruppe von fünf Reitern und ich war der einzige Mann.
Einmal die Woche, den ganzen Sommer lang, war ich beim Reitunterricht. Nach jeder Reitstunde mussten wir unser Pferd absatteln und striegeln. Und als die anderen Frauen weg waren, kam Sandra zu mir und sagte:
Ach Walter, kannst du mir mal helfen, ich hab da ein Problem!
Dann verschwanden wir im Stroh. Ich war verrückt nach ihrem schwitzendem Körper, nach ihrer geilen Reife. Ihre strengen Kommandos habe ich immer befolgt. Sie war die perfekte Lehrerin seiner Zeit.<<
Ja, die Reitstunden. Also, ich kann reiten und kenne mich bestens mit Pferden aus, sagte ich und lächelte.
Dann nehmen wir doch die Pferde zum „Cerro Celmin“, mein Onkel hat welche. Ich bin mir sicher, dass wir zwei bekommen können, für eine Zeit lang, meinte sie.
Ja klar, erwiderte ich. Wir sind schneller und es ist nicht so anstrengend, als in der Höhe zu laufen.
Luana küsste mich sanft und sagte:
Mach dich fertig, ich räume hier weg, packe paar Sachen ein, dann gehen wir zu meinem Onkel.

Und das, ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 18

„Ruf der Geister“

Die Dunkelheit brach schnell herein. Es wurde kühl. Ich stand im Hof und lauschte den Geräuschen der sternenklaren Nacht. Im Hühnerstall flatterte es.
Rudi, der Hahn, hatte sich zum schlafen auf die Stange gesetzt. In einer Ecke lagen die Meerschweinchen eng aneinander gekuschelt auf Stroh und Luana sang leise ein Lied in der Küche. Es klang geheimnisvoll, exotisch in ihrer Sprache.
Ich beobachtete sie eine weile durch die offene Tür.
Die schwarzen Haare hatte sie mit einem roten Tuch zusammen gebunden. Ihre erotische Rundungen versteckte sie unter einem langen, braunen Wollkleid, dazu Wollstrümpfe und braune Mokassins.
Ich Iiebte diese Umwandlung, dieses indigene Keusche nach aussen und ihre erotische Seele, das Geile darunter. Ein indianisches Paradoxon, das mich immer mehr faszinierte.
Sie bewegte sich gelassen, kontrolliert und ruhig am Feuer, schamanisch, wie in bestimmten Ritualen. Als sie mich bemerkte, rief sie mich rein. Komm setz dich her ans Feuer, du brauchst keine Angst haben, wir sind alleine. Ich bin gleich soweit, du kannst auch hier essen, meinte sie.
Ich setzte mich auf einen Stein neben das Feuer. Ein Topf stand in der Glut, ein anderer hing an einer Kette über der Flamme. Eine Kanne stand weiter hinten. Es kochte, es zischte und es rauchte. Sie sah mich an und lächelte. Ohh! Rief ich. Habe ich dich gestört?
Ihr Gesicht war seltsam angemalt. Auf ihrer Stirn waren fünf senkrechte, blaue Striche aufgemalt. Ihre Wangen zeigten zwei schwarze Spiralmotive, das gleiche Motiv wie in Piruro, und an ihrem Kinn war ein breiter, grüner Querstrich.
Nein nein, sagte sie, ich habe gern deine Nähe.
Weißt du, beim kochen, meditiere ich oft. Das habe ich von meinem Vater geerbt, er war ein Schamane und kam aus dem Tiefland.
Mit der einen Hand rührte sie mit einem Löffel im Topf  und mit der anderen Hand streichelte sie mein Oberschenkel.
Das Essen ist fertig, ich hole dir ein Teller, sagte sie und stand auf.
Es gab Nudeln mit Fleisch und Soße. Es war so köstlich.
Sie reichte mir eine Tasse Tee.
Was für ein Tee ist das? Fragte ich sie.
Das ist ein Koka Tee mit einer Kräutermischung, sagte sie. Trink, es wird dir gut tun.
Sie stand auf, trug das Geschirr in den Waschtrog, kam zurück und setzte sich, mit einer Tasse Tee, zu mir ans Feuer.
Welche Bedeutung hat die Malerei in deinem Gesicht?
Fragte ich.
Sie sah mich an und meinte:
Die blauen Streifen an meiner Stirn, steht für den Himmel (el Cielo), der grüne Strich an meinem Kinn, steht für die Muttererde (Pachamama) und das schwarze Spiralmotiv an meinen Wangen, das sind die immer wiederkehrenden, schwarzen Seelen der Terroristen, die ich in meinen Ritualen bekämpfe. Es sind furchtbare Bestien, die meine Eltern getötet haben, sagte sie mit erhobener Stimme.
Sie stand wieder auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach.
Komm doch mit in mein Zimmer, da ist es gemütlicher, sagte sie.
Ich betrat das erste mal ein Raum einer Schamanin.
Im Kerzenlicht sah ich den Federschmuck, der von der Decke herunterhing. Selbst- gebastelte Traumfänger, Trommeln und Rasseln zierten die Wände. In der Mitte des Zimmers, eine runde Erhöhung mit grünen und blauen Decken aus Lama Wolle, es war die Schlaf-Insel. Was mich zum Staunen brachte, stand in der Ecke auf einem Holzregal, ein echter Schrumpfkopf.
Luana kam zu mir und legte ihren Arm um meine Hüfte. Das, sagte sie, ist mein Großvater, er war auch Schamane, den habe ich von meinem Vater geerbt.
Das Licht der acht Kerzen warf geheimnisvolle Schatten, die sich drehten, an die Wände und den hellen Lehmboden.
Wir stellten unsere Tassen auf einen kleinen, niederen Tisch und Luana legte etwas Holz nach in dem kleinen Kaminfeuer. Der Tee hatte eine berauschende Wirkung auf uns. Wir setzten uns auf die Schlaf-Insel und Luana fing an zu erzählen:
>>Ich war 15 Jahre alt, als meine Eltern von den Terroristen verschleppt und ermordet wurden, es war eine grauenhafte Nacht. Ein Jahr später habe ich geheiratet, meine Tanten hatten das in die Wege geleitet, damit das kleine Mädchen versorgt war. Einen fast 30 Jahre älteren Mann.
Das Wissen und die Praktiken des Schamanismus, hat mir mein Vater beigebracht. Ich war immer bei rituellen Zeremonien dabei. Er hat mich auch zu den Ritualen im Tiefland mitgenommen.
Und einmal waren wir bei dem Sonnenfest der Inkas, dem „Inti Raymi“, in Cuzco dabei, es war traumhaft.
Vor vier Jahren hatte uns mein Schwager aus der Schweiz besucht und hat uns zwei Flugtickets mitgebracht. Wir sollten ihn mal besuchen kommen.
Ein Jahr später sind wir nach Zürich geflogen. Ich war das erste Mal den Himmelsgeistern so nah.
In Zürich, das war ein Schock. So viel Beton, so viele Lichter, so eine Hektik und der Verkehr, demasiado para mi, es war zuviel für mich.
Wir wohnten bei meinem Schwager und seiner Frau, sie haben ein großes, altes Haus an einem Fluss, ich glaube „Limmat“ heißt er. Die Frau meines Schwagers war in dieser Zeit gar nicht da. Sie ist Archäologin und war mit einer französischen Expedition in Südamerika unterwegs.
Jeden Abend gingen mein Mann und sein Bruder aus dem Haus, mich ließen sie in der Wohnung zurück.
Mein Schwager sagte zu mir:
Wir ziehen mal um die Häuser und sind bald wieder da!
Als sie dann spät in der Nacht zurück kamen, waren sie immer stockbesoffen.<<
Luana stand auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach. Sie ging in die Hocke vor mir, gab mir eine Tasse und sagte:
Schön dass du hier bist, Walter, komm, trinken wir unseren Tee, so lange er heiß ist.
Wir lächelten uns an und tranken den Tee.
Es war eine besondere Mischung mit den Blättern der Koka Pflanze und der Engelstrompete, die hier an jeder Ecke wächst. Die berauschende Wirkung macht unruhig, redselig, der Pulsschlag erhöht sich und die sexuelle Lust wird verstärkt.
Wir tranken die Tassen leer. Luana stellte sie auf den kleinen Tisch, kam zu mir, kuschelte sich an mich und erzählte weiter:
>>Eines Abends kamen sie früher zurück, waren aber nicht alleine. Sie hatten zwei junge Frauen dabei.
Ich war im oberen Stockwerk, hatte sie kommen hören und mich schlafend gestellt. Nach einer Weile schleichte ich die Treppe hinunter. Aus einem Zimmer hörte ich leise Musik. Ich schaute durchs Schlüsselloch. In rotem Licht sah ich die vier nackt auf dem Bett liegen.
Sie küssten sich an ihren intimsten Stellen. Das Luststöhnen der Frauen war nicht zu überhören. Ich klopfte an die Tür. Es dauerte eine Zeit, dann ging die Tür einen Spalt breit auf und mein Mann lallte mich leise an:
Was willst du? Geh nach oben, ich komme bald zu dir. Er schloss wieder die Tür. Das Schlüsselloch hatte er mit irgendwas zu gehängt.
Heulend, traurig und wütend ging ich nach oben und legte mich ins Bett. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich war in einem fremden Land und kannte mich nicht aus.
Mein Mann war so verändert in der Schweiz, er kam mir so fremd vor. Ich hatte ihn geheiratet, damit ich versorgt war. Für mich war er eine Respektsperson. Wir hatten nie Sex miteinander.
Ich hatte mich nach Sex gesehnt, aber nicht mit diesem Mann.
Spät in der Nacht muß er gekommen sein, ich war eingeschlafen und habe ihn nicht kommen hören.
Morgens beim Frühstück hatte ich sie gefragt:
Was habt ihr gemacht? Ich habe euch gesehen mit diesen jungen Frauen!
Mein Mann saß da, starrte in die Ecke und sagte nichts. Mein Schwager herrschte mich an:
Wenn du was erzählst, töte ich dich!
Ja, so ist mein Schwager, immer Gewaltbereit.
Mein Mann sagte nur:
Lass gut sein Carlos, sie erzählt nichts.
Er sah mich mit ernster Miene an und meinte: Sei ruhig jetzt, Luana, es reicht!
Ich war wütend, still und hatte nichts erzählt.
Meinem Mann hatte ich verziehen, er war nur Mitläufer mit seinem besoffenen Kopf, aber den Respekt ihm gegenüber, den habe ich verloren.
Ich habe verziehen und Rache geschworen.<<
Luana stand auf, nahm die Teekanne und schenkte uns wieder nach. Sie gab mir eine Tasse und sagte:
Trink mein lieber Fremder, die Zeit der Rache ist gekommen. Sie kniete sich vor mir, streichelte mein Bart, stand wieder auf und legte Holz im Feuer nach. Sie erzählte weiter:
  >> Auf dem Rückflug nach Lima hatte ich, in einem kleinen Ritual, kontakt mit den Geistern aufgenommen und mit ihnen kommuniziert. Sie hatten mir dazu geraten Rache zunehmen, ich würde mich danach besser fühlen. Vor 14 Tagen habe ich, in einer heiligen Zeremonie, die Geister erneut gerufen. Sie sollten mir endlich jemand schicken, die meinen Rachegelüsten gerecht werden. Dann bist du gekommen, die Geister haben dich zu mir gebracht. <<
Ich war berauscht und verwundert. Luana zog ihr Kleid aus. Nackt kam sie zu mir, knöpfte mein Hemd auf und meinte:
Heute Nacht gehen wir auf eine Seelenreise, unsere erotischen Seelen werden sich vereinen.

Wie es weiter geht, das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 17

„Erotische Eskapaden“

Die getrockneten Kuhfladen knisterten im Feuer und die Hütte wurde schnell warm. Luana legte unsere Klamotten zum trocknen auf die Steine neben das Feuer. Wir waren nackt.
Draußen prasselte der nächste Regenschauer auf das Ichú-Gras Dach und der Wind peitschte über die Steinmauern. Ich hatte nie gedacht, dass ein Naturdach aus Gras, so dicht sein kann.
Luana reichte mir ein Fladenbrot mit Käse und  gesüßten Koka Tee.
Komm, setz dich auf die Decke! Sagte sie.
Das Feuer spiegelte sich in ihren Augen und auf ihrer Haut. Die Alpaka-Wolle ist viel rauer als Lama-Wolle und massierte mein Hinterteil mit kleinen Nadelstichen. Luana setzte sich neben mich und meinte:
Später müssen wir noch die Kühe melken!
Kühe melken, ich habe noch nie eine Kuh gemolken! Sagte ich und grinste sie an.
Keine Sorge, meinte sie, ich zeige dir wie das geht und griff in mein Schritt. Ohhh! Rief sie und lachte, die Euter der Kühe sind aber viel kleiner und weicher, du wirst sehen, es ist ganz einfach. Ihre weißen Zähne leuchteten im Schein der Flamme. Sie stand auf, legte ein paar trockene Kuhfladen ins Feuer und setzte sich rückwärts auf mein Schoß.
Ich umklammerte sie, küsste zärtlich ihren Rücken und massierte ihre erogenen Zonen. Sie griff nach unten, stimulierte gleichzeitig ihre Lustzentrale und passte auf, damit nichts rausrutschen konnte. Der Wind säuselte die Geilheit durch die Hütte, der Regen spielte uns ein Liebeslied und wir schaukelten uns in eine Ekstase der  Leidenschaft . Oh mein Gott, dachte ich, die Reise durch ihre erotische Seele von Höhepunkt zu Höhepunkt ist so aufregend, geil und wird nie enden.
Die Begierde ließ uns die Kühe und die Zeit vergessen. Ab und zu stockte ihr Atem und entkrampfte sich in ein stilles stöhnen. Wir verfielen in ein Taumel der Lust. Wenn das Feuer drohte auszugehen, löste sie sich von mir, legte das trockene Zeug nach, streute ein paar Kokablätter darüber und kam wieder zu mir. Die Stimmung hatte sie angeheizt und das erotische Spiel fing von vorne an. Sie hatte das unglaubliche Talent mich immer wieder hochzubringen und standhaft zu bleiben. Oder war es vielleicht die Wirkung des Tees? Durch die Süsse habe ich die Stärke nicht wahrgenommen. Oder hatte sie uns noch was anderes untergemischt. Die Blätter im Feuer taten das übrige. Wir flogen durch die traumhafte Glückseligkeit der Zeit.
Erst am späten Nachmittag gingen wir zu den Kühen.
Wegen dem Regen hatten sie sich in ein Unterstand aus Wellblech gestellt.
Gute Gelegenheit, meinte Luana, so müssen wir die Rinder nicht  zusammen treiben. Sie gab mir den zweiten Hocker und sagte:
Komm setz dich da hin und fang an, du weißt ja wie das geht, ich habe es dir paar mal gezeigt heute Mittag.
Luana war die beste Lehrerin in dieser Sache.
Ich saß neben der Kuh, griff zum Euter und die Milch spritzte in den Eimer.
Plötzlich sprang Luana auf, rannte in die Hütte, kam mit einer Wolldecke zurück und legte sie um mich wie ein Poncho. Sei still und mach weiter, flüsterte sie. Da kommen drei Männer, ich werde mal vorgehen und versuche sie aufzuhalten. Luana ging den dreien entgegen. Zwischen Hut und Decke blickte ich rüber und beobachtete die Szene. Es waren die Männer, vor denen ich mich in Piruro versteckt hatte. Sie hatten ihre Gewehre im Anschlag, aber nach unten gerichtet.
Angespannt melkte ich die Kuh weiter. Ich hörte eine heftige Diskussion. Sie sprachen Quechúa und nach Luanas Gestik, ging es wohl um mich. In gebückter Haltung unter der Wolldecke, versteckte ich mein Aussehen, aber die Tiere spürten meine innere Anspannung und bewegten sich etwas. Jetzt bloß nicht ausbrechen, dachte ich, streichelte den Bauch meiner Kuh und rief leise „hoooo hoooo“. Die Gruppe beruhigte sich wieder und Luana kam zurück.
Und was war? Fragte ich ängstlich.
Es waren Senderos auf einem Kontrollgang, ich habe gesagt, dass du mein Knecht bist und mir hilfst die Kühe zu melken.
Ja, ich war Luanas Knecht, ich tat was sie verlangte.
Und sie erzählte weiter:
Die Terroristen haben unser Dorf untergraben, viele wurden Anhänger der Senderos und hofften auf ein besseres Leben. Stattdessen gab es, Entführungen, Vergewaltigungen und es wird getötet, sowie der Bürgermeister letzte Nacht.
Ihr Blick war traurig und machte mich sprachlos.
Komm lass uns weitermachen, dass wir fertig werden, sagte sie, es wird bald dunkel und in der Nacht sollte man nicht mehr auf der Straße sein.
Schnell hatten wir die Rinder durchgemolken und gingen mit den zwei Eimer voll Milch zurück nach Tantamayo. Es dämmerte schon, als wir durch das Hoftor gingen. Rudi der Hahn hatte gerade ein Huhn vergewaltigt, das danach flatternd durch den Hof rannte. Rudi hetzte hinter ihm her, blieb dann vor mir erschrocken stehen, sah mich an und äh äh ähh äähhhtsch.
Oh Rudi, du geiler Gockel, was du für Sachen machst, sagte ich. Luana lachte, ich glaube er versteht dich. Du hast Talent mit den Tieren zu reden. Ich habe gesehen, wie du die Rinder beruhigt hast. Du bist ein Brujo, ein Zauberer. Du verzauberst die Tiere und du hast mich verzaubert. Nein nein, sagte ich, ich habe dich nicht verzaubert, unsere Leidenschaft hat uns zusammen geführt, sagen wir mal, es war göttliche Vorsehung. Mit ihren tiefbraunen, erotischen Augen sah sie mich an, küsste mich und meinte:
Mach dich frisch, ich komme später zu dir und bringe dir was zu essen.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte

Mein erstes Urwald-Abenteuer

Mexiko 1985.
Teil 2.) „El Gringo, und der Flug in den Urwald“.
Reges treiben beherrschte das Strassenbild, als ich schläfrig und schwach und vollgepumpt mit Kohletabletten das Hotel verliess und zum Stadtrand schlenderte, wo der Flugplatz lag. Es war sonnig, nur am südlichen Horizont waren Schönwetterwolken zu sehen. Ein alter Mann, mit Hut und einem Stock in der Hand, begegnete mir. Schwer trug er ein Plastiksack auf dem Rücken. Er blieb stehen und rief mir nach, „Hola Gringo boracho“!(Hallo betrunkener Fremder). Ja, durch das Fieber und den enormen Wasserverlust, den mir die „Rache Moctezumas“ bescherte, war ich ganz schön wacklig auf den Beinen. Ich beachtete ihn nicht, lief einfach weiter und war froh, als ich nach einer halben Stunde den Flugplatz erreichte.
Dieser Provinz-Flugplatz entsprach meinen Vorstellungen eines abenteuerlichen Unternehmens. Eine kurze Asphaltpiste mit Schotter umgrenzt. Ein Gebäude aus Steinen, mit einem Dach aus Wellblech. Und ein Hallen-Anbau aus Wellblech mit provisorischen Fenstern. Das Hallentor stand offen und ich sah, in ungeordneterweise, drei Einmotorige Propellerflugzeuge stehen. Neben dem Hallentor lagen verrostete Propeller herum und ein Mann, in einem blauen Overall, beugte sich über einen ölverschmierten Motor. Auf seinem Rücken stand die Aufschrift „Aero Chiapas“.
„Caramba“! fluchte er, lies ein Schraubenschlüssel fallen und putzte seine blutenden und ölverschmierten Finger an einem Wollkneuel ab. Mit einem zornigen „Buenos Dias“! huschte er an mir vorbei und verschwand in der Halle.
Ich ging zu einer Tür an der ein Pappschild hing mit der Aufschrift „Administración“. Ich klopfte Einmal, Zweimal, Dreimal, keine Antwort. Ich wartete noch ein weilchen und klopfte ein Viertes mal an die Tür und öffnete sie, und da stand auch schon der blaue Overall hinter mir, mit einem etwas freundlicheren Gesicht. Seine Finger bluteten noch.
Buenos Días Señor! Sagte ich.
Er reichte mir seine Hand und sagte noch einmal, in einem freundlicheren Ton, „Buenos Dias“!
Ich zeigte ihm mein Flugticket und da meinte er,
„Es ist noch etwas Zeit“.
Aber der Flug ist für Acht Uhr angesetzt, sagte ich!
Ja ja! Raunte er, der Pilot wird gleich kommen!
Und in seiner deutlichen Aussprache, die ich sehr gut verstand, sagte er noch:
„Falta tres Americanos todavia“!
(es fehlen noch drei Amerikaner)
Zusammen gingen wir in sein Büro.
Es war ein kahler Raum ohne Tapeten, ein alter Schreibtisch und drei Plastikstühle standen da.
Was ist mit dir, „Gringo“? Du siehst so blass aus? Fragte er mich, während er seine blutigen Finger verband.
Ich habe heute Nacht nicht viel geschlafen und Durchfall habe ich auch ein wenig! sagte ich.
Ahaa! grienste er, die „Rache Moctezumas“!
Aber setz dich doch,“Gringo“, und ruh dich aus, bis die Americanos kommen! Rief er mir zu und ging wieder nach draussen.
Fast eine Stunde lang döste ich auf einem der Plastikstühle herum und zweimal verschwand ich in die Toilette, bis endlich eine Frau mit einem Strohhut herein kam. Ihr folgten zwei Dollarschwere Amerikaner mit Cowboy-Hüten. Die Männer beachteten mich nicht, doch die Frau erkannte sofort die Situation. In einem typischen Südstaaten-Akzent fragte sie mich:
Hey Man, you are sick?
Naja! Durchfall habe ich und geschlafen habe ich auch nicht viel! Sagte ich.
Nach amerikanischer Art bot sie mir gleich zwei Tabletten an und sagte:
Ahaa, die Rache Moctezumas! Hier nehmen sie die, das hilft!
Dankend nahm ich sie an und bat sie: „Aber jetzt blos kein Aufstand machen, mit dem Kaiser der Azteken kämpfe ich selbst“!
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Pilot kam und wir endlich in das Flugzeug einsteigen konnten. Ich bekam den hintersten Sitzplatz. Das hatte was Gutes und was Schlechtes. Das Gute war, ich hatte zu beiden Seiten freie Sicht. Und das Schlechte war, ich sass eingequetscht wie in einem prall gefüllten Rollmopsglas. Doch in meiner Situation war das ein Vorteil für mich, denn in dieser Stellung konnte die „Rache Moctezumas“ nichts ausrichten.
Der Pilot ließ das Flugzeug bis zum Anfang der Piste rollen. Er drehte sich nochmal um, sah uns an und rief in spanischem Akzent: „ready for take off“? Wir nickten alle, dann heulte der Motor auf und ich bekam einen sanften Druck ins Kreuz. Unter mir begann es rasant zu poltern. Kurz vor dem Ende der Piste zog er die Maschine hoch. Wir flogen rechts an den Hügeln vorbei und nahmen westlichen Kurs in Richtung Bonampak.
Es war ein ruhiger Sichtflug. Der Pilot flog nach Kompass, keine GPS Signale, keine digitale Anzeigen, alles nur runde, analoge Mess-Instrumente. Und kein Funkspruch mit Irgendeinem Tower. Wir flogen nicht hoch, so dass man eine gute Sicht auf die Landschaft hatte und es wurde immer grüner. Ich machte ein paar Bilder und konzentrierte mich dann auf mein Innenleben,“ohh ohh“!
Nach gut einer Stunde meinte der Pilot: „Wir gehen jetzt runter“! Ich dachte „wo will der jetzt landen“? Er steuerte ein kleines grünes Band an, in mitten der grünen Hölle und begann mit dem Landeanflug.
Bremsklappen, Motorgeräusche, leichter Schrägflug, dann setzte er die Maschine sicher auf die Piste.
Bremsend liess er sie bis zum Ende auslaufen, drehte um, fuhr zurück zum Startplatz und parkte sie direkt neben dem dichten Dschungel.
Wir stiegen aus. Die feuchte Wärme, die wie eine Glocke über dem Urwald hing, hatte ich im Flugzeug schon gespürt. Der Pilot und die drei Americanos gingen zu den Ruinen und ich verschwand im Dschungel. Ich war meinem Magen und Darm gefolgt. Die Geräuschkulisse des Urwaldes war überwältigend. Ich musste sehr aufpassen, dass ich keiner Schlange oder Spinne in die Quere kam und dass mich die Blattschneider Ameisen nicht überfielem.
Etwas später folgte ich den anderen zu den Ruinen, legte mich auf einen Stein der Maya und habe den einstündigen Aufenthalt in den Maya-Ruinen von Bonampak regelrecht verschlafen. Ich war ziemlich kaputt.
Der Pilot weckte mich zum Weiterflug nach Yaxchilán.
Der Start und die Landung war das aufregendste während des kurzen Fluges. Die Maya-Ruinen von Yaxchilán liegen direkt am Río Usumacinta, der die natürliche Grenze zu Guatemala bildet. Hier ging es mir etwas besser, so dass ich den Rundgang durch die Ruinen mitmachen konnte. Nur einmal musste ich aufpassen, dass ich keinem Krokodil in den Weg kam, denn ich folgte meinem Magen und Darm bis runter zum Fluß.
Nach einer guten Stunde bestiegen wir wieder die fliegende Blechkiste und starteten zum Rückflug. Wieder saß ich eingequetscht auf meinem einsamen Sitzplatz im hinteren Teil und schaute auf diese abenteuerliche Piste. Und ich sah diese Urwald-Riesen, die weit über dreißig Meter hohen Bäume, am Ende der Piste.
Wie will er das schaffen?
Der Pilot schaute uns an, lächelte und meinte:
Ready for take off?
Wir alle lächelten und ich sagte in einem kleinlauten Ton:
Si hombre vámonos!
Ich bekam jetzt einen stärkeren Druck ins Kreuz.
Rasant nahmen wir Geschwindigkeit auf und rasten den Urwald-Riesen entgegen. Kurz nach dem die Maschine abhob, flog er links an den Riesen Bäumen vorbei, über den Fluss und zog die Kiste hoch. Die Amerikaner klatschten und ich dachte: „Was für ein Teufelskerl“!
Ich war verdammt nochmal sehr beeindruckt. Wir nahmen dann den östlichen Kurs in Richtung San Christobal, dem Heimatflughafen entgegen.
Hier, bei dem Fliegen in dieser Region, gibt es keine Regeln. Was hier zählt sind Erfahrungswerte. Solche Busch-Piloten sind meist auf sich selbst gestellt und es sind „Zauberer der Lüfte“.
Und genau so einen Piloten, er war nicht nur Buschpilot, er war Bildhauer, Photograph, Buchautor und Abenteurer, genau so einen, habe ich Jahre später bei einem Abendessen in Zürich kennengelernt.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Mein erstes Urwald-Abenteuer

Mexiko 1985.
Teil 1.) „Moctezumas Rache“
Umringt von sanften Hügeln, liegt die Kleinstadt „San Christobal de las Casas“ im kühlen Hochland von Chiapas, im südlichen Mexiko. Es war später Nachmittag, als ich mein billiges Hotelzimmer verließ. Die Strassen waren knöcheltief unter Wasser. Ich war in der Trockenzeit unterwegs, doch hier unten im Süden, in Zweitausenmeter Höhe, ist es nicht selten, wenn mal ein Platzregen niedergeht. Der Regen spülte die Luft klar und rein, und da es hier keine Kanalisation gab, bahnte sich das Wasser seinen Weg irgendwohin.
Der Hunger trieb mich in die überschwemmten Strassen und gut gelaunt sprang ich, in zwei drei Sätzen, von Bürgersteig zu Bürgersteig. Barfüssige Männer mit alten Strohhüten und zerfranzten Ponchos begegneten mir.
Ich freute mich auf den nächsten Tag, denn Vormittags kaufte ich mir ein Flugticket für 110 US-Dollar, damals waren das Vierhundert Mark. Fast ein kleines Vermögen, wenn man überlegt, für wie lange das zum Leben In diesem billigen Land gereicht hätte. Doch für mein erstes Urwaldabenteuer, für einen Flug in die Selva Lacoandona, zu den Maya-Ruinen von Bonampak und Yaxchilan, war es mit wert.
Nach ein paar hüpfenden Balance Akten erreichte ich den von Indigenas belebten Markt, der das kurze, aber heftige Unwetter relativ trocken überstand.
Da lagen sie nun, die süssen Früchten aus dem tropischen Tiefland. Genüsslich schlug ich mein Bauch voll mit Mangos, Papayas, Orangen und Bananen. die Fressorgie schloss ich ab mit einem zähen Stück Fleisch, das an einem keinen Marktstand als „Bistek“ verkauft wurde. Als Beilage gab es Bohnen, die dunklen versteht sich.
Während ich diese gebackene Schuhsohle zwischen meine Zähne schob, schaute mir ein kleiner Junge zu, der in einer Ecke neben Holzkisten und Plastikeimern saß. In der einbrechenden Abenddämmerung leuchteten seine schwarzen Augen, im düsteren Petroleumlicht, wie zwei Austern Perlen. Mit seinen weissen, lückenhaften Zähnen, lächelte er mir zu. Ich lächelte zurück und wusste sofort, ohne zu fragen, was er wollte. Ich gab ihm ein paar Bohnen und ein Stück von der sogenannten Schuhsohle. Ein dankbares schmunzeln kam über sein schmutziges Gesicht. Schweigend bezahlte ich ein paar Pesos der alten Frau, die den Marktstand führte und hopste wieder über die, mit Pfützen übersäten und glänzenden Strassen, zurück in mein Hotel.
Mit einer inneren Spannung,aber glücklich und zufrieden, lag ich auf der Holzpritsche und blätterte und schrieb in meinem Tagebuch. Kakerlaken krochen ab und zu aus den Holzritzen hervor, die aber gleichdrauf wieder verschwanden, weil ich ihnen irgendetwas entgegen warf. Diese vier bis fünf Zentimeter langen Käfer, die leider nicht vom Aussterben bedroht sind, warteten wohl nur drauf, bis ich meine Kerze ausblies, um dann über irgendetwas Fressbares herzufallen. Doch nach einer weile tat ich ihnen den Gefallen. Mit dem Lied „La Cucaracha“ summend, kroch ich in mein Schlafsack und fiel auch bald in träumenden Schlummer.
Die Nacht dauerte nur drei Stunden. Nicht wegen den Kakerlaken, und schon garnicht wegen dem leichten Schlaf, den ich mir unterwegs angewöhnt hatte. Mein Magen drückte und mir war es Übel, zum kotzen schlecht. Schnell öffnete ich mein Schlafsack, griff zur Taschenlampe,die neben mir lag und rannte aus dem Zimmer, stürzte sogleich über den Patio zur Toilette, reisste die Tür auf und, aahhhhh. Da kamen sie alle wieder. Die süssen Mangos, Papayas, Orangen und Bananen, und die gebackene Schuhsohle, weich und zart, in einem unaussprechlichen, braunen Gemisch.
Es gibt viele Namen für diese Situation: „Griechischer Galopp, Basar Bauch, Puna Pfiff, Jordan Jodler“. In diesem Teil der Welt heißt es „Moctezumas Rache“. Minuten dauerte es noch, bis ich mich einigermaßen Sicher fühlte, um wieder in mein Schlafsack zu schlüpfen.
In der Nacht fand ich keinen Schlaf mehr. Noch etwa Zwanzig mal stürzte ich über den Patio zur Toilette und Stunde um Stunde wurden meine Sorgen größer. Konnte ich den Flug in den Urwald noch wagen? Zudem quälten mich noch Fieber, Schüttelfrost und Erbrechen, ein Fressen für die Kakerlaken. Im Morgengrauen traf ich den Entschluss. Ich wollte unbedingt mitfliegen, egal wie.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.