EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 23

„Der Auftrag“

Luana hatte den Schrumpfkopf in der Hand und murmelte still vor sich hin, als ich in ihr Zimmer kam, es klang wie ein leises Lied, eine geheimnisvolle Zeremonie. »Kommunizierte sie über die Geister mit ihrem Großvater?«, fragte ich mich.
„Mein Großvater war ein kluger Mann!“, sagte sie mit verhaltener Stimme und stellte das mysteriöse Gebilde zurück aufs Regal.
Sie drehte sich um, lächelte und erzählte:
„Eines Tages fragte ich meine Mutter, was wichtiger ist;“ Lieben oder geliebt zu werden?
Und sie antwortete:
„Kind, dein Großvater hätte gesagt; Welchen Flügel braucht der Condor zum fliegen, den rechten oder den linken?“
„Ein so kluger und aufrichtiger Mann, mein Großvater!“
Luana war nackt, bis auf ein grünes Tuch, das sie um ihre Hüfte gebunden hatte. Sie hatte sich wieder bemalt, mit den blauen Streifen an ihrer Stirn, den roten Spiralen an ihren Wangen und der grüne, breite Strich an ihrem Kinn. Ihr Dekolleté zeigte ein blaues Gewirr, das wie ein Spinnennetz aussah. Drei dimensionale, rote Spiralen die ihre geilen Brüste hervor hoben und ihre erregten Nippeln waren blau wie der Himmel. Ein rotes Hexagramm zierte ihren Bauch. Im Zentrum ihr Nabel als die Sonne, das Lebenslicht.
Sie ging zum Feuer, nahm die Kanne, goss uns Tee in die Tassen und sagte:
„Komm setz dich und trinke ein Tee mit mir, er wird uns gut tun und unsere Seelen öffnen!“
Ich setzte mich zu Luana, trank zwei Schluck des heißen, süßlich herben Tees. Ich spürte sofort diese Mischung aus Kräuter und Alkohol. Ich nahm gleich noch ein Schluck und fragte sie neugierig:
Und wo ist dein Mann jetzt?
„Seit seiner Affäre in Zürich schlafen wir getrennt!“, antwortete sie, dieses Zimmer ist für ihn tabu, aber  wir können die Tür auch abschließen, wenn es dir lieber ist!
Im Schein des Feuers tranken wir unsere Tassen leer. Luana stand auf, ging tänzelnd zur Tür und verschloss sie mit einem Haken. Sie kam zu mir, stellte sich vor mich, nahm mein Kopf in ihre Hände und drückte mein Gesicht gegen ihren Bauch, gegen das Hexagramm.
»Das Hexagramm sagt in der Gegenwart aus, dass man etwas Erwünschtes bekommt, dass es einem durch die eigene Persönlichkeit zuteil wird. Weil man gerade Erwünschtes anzieht und der Mensch das spürt und unterstützt. Kann auch daran liegen, dass man mit seiner Charisma den anderen Mensch beeinflusst.«
Luanas Erwünschtes war die Erotik, ihr Charisma faszinierte mich und der Tee beflügelte uns. Sie hielt mein Kopf fest, ich umfasste ihre Hüften, schob meine Hände unter das Tuch und streichelte ihre Pobacken.
„Und was ist mit der Massage?“ Ich war schon im Liebesrausch.
Sie griff nach hinten und drückte meine Hände fester gegen ihre Pobacken. „Oh ja bitte, da musst du was tun, ich bin total verspannt!“
Plötzlich hörten wir Geräusche, sie kamen von draußen. Luana löste sich aus meiner erotischen Umklammerung, ging zur Tür und lauschte. Sie schaute mich an, drückte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und sagte leise:
Die Pferde sind unruhig, du bist noch angezogen, schau mal nach ihnen bitte;
„Ja klar!“, ich lächelte, stand auf und ging zur Tür.
„Da, nimm die Laterne mit und-!“, sie ging zu ihrem Rucksack und holte den Revolver raus, den sie von Don Pedro bekam; „-da, nimm den mit!“
»Es war eine „44er Magnum, Smith & Wesson“«
„Was soll ich mit dem Revolver, soll ich ein Pferd erschießen oder vielleicht ein Meerschweinchen?“, fragte ich ironisch und erschrocken.
„Nimm ihn bitte, es ist zu deinem eigenen Schutz!“, sagte sie besorgt, „du weißt nicht was draußen los ist.
In der Dunkelheit ist es zu gefährlich, unbewaffnet zu sein!“
„Gut, zu deiner Beruhigung, aber die Laterne lasse ich
da!“, ich steckte den Revolver hinten in mein Gürtel, mein Hemd hatte ihn verdeckt.
Ich setzte mein Hut auf, öffnete leise die Tür und ging nach draußen in die Sternenklare Nacht.
Bei Rudi im Hühnerstall war es ruhig und die Meerschweinchen lagen zusammengekauert in der Ecke und schliefen. Nur hinter dem Waschplatz, im Stall bei den Pferden, da war es unruhig. Ich schlich am Waschtrog vorbei. Von rechts hinten hörte ich Schritte, die langsam näher kamen. Meine Hand hatte ich schon am Revolver, als plötzlich ein Schatten vor mir stand. Es war Señor Ortéga.
„Hola, Don Waltero, können sie auch nicht schlafen?“, fragte er mich mit verhaltener Stimme.
„Nein, die Pferde sind so unruhig, ich wollte mal nach ihnen schauen!“, meine Hand hatte ich noch am Revolver.
„Gut, dann kommen sie mit!“, sagte er leise.
Als wir näher zu den Pferden kamen, rannte ein größeres Tier aus dem Stall, kletterte über die Mauer und verschwand in der Dunkelheit.
„Das war ein Opossum, sagte Señor Ortéga, nichts ungewöhnliches!“
Langsam bekam ich das Vertrauen zurück und nahm meine Hand vom Revolver.
»Es war eine Zeit, in der ich keine Skrupel hatte abzudrücken, zu schießen, um mich zu verteidigen. Es war eine wilde Zeit.«
Wir wollten gerade ins Haus gehen, da hörten wir Schritte und leises Gemurmel von der Straße her.
„Die schon wieder, wen werden sie jetzt abholen?“ Señor Ortéga ging wütend zum Hoftor. „Erst vor zwei Tagen haben sie den Bürgermeister erschossen!“, sagte er leise, wir schauten durch die Ritze.
„Ja, Señor Ortéga, ich weiß, ich stand fast daneben!“, sagte ich und erzählte ihm das Erlebnis meiner nächtlichen Aktion.
„Vermummte waren in das Haus eingedrungen und einer von denen hatten ihn erschossen!“, erzählte ich leise, während die Rebellen an uns vorrüber gingen.
„Sie sind sehr mutig!“, er sah mich mit sorgenvoller Miene an.
„Nein Señor, mutig ist das falsche Wort, neugierig trifft eher zu!“, ich öffnete leise das Tor.
„Kommen sie mit, wir sehen mal nach wohin sie gehen!“, ich war skeptisch, ob er mit ging, aber doch, zusammen gingen wir den Rebellen in einem sicheren Abstand hinterher.
An einer Ecke blieben wir stehen.
„Kommen sie, Don Waltero, wir gehen wieder zurück ins Haus, es ist zu gefährlich hier draußen, ich weiß auch wo die hingehen, die gehen zum örtlichen Lehrer!“, sagte er aufgeregt.
„Da schauen sie, jetzt gehen sie ins Haus!“, er war sehr aufgebracht, zittrig.
In der Dunkelheit konnte ich nur ein paar Schatten erkennen, die in ein Haus gingen, aber er kannte sich aus, er wußte, welches Haus es war.
Dann viel ein Schuss und noch ein Schuss.
„Jetzt mußte auch ‘Jorge’, mein Freund, dran glauben; Gott habe ihn selig!“, er zog sein Hut und murmelte leise vor sich hin, er betete.
»Es war damals eine schlimme Zeit, in der jede wichtige Person verschleppt oder getötet wurde, es waren alle dran, keiner wurde verschont.«
“ ‘Diese Tiere’, kommen sie endlich, wenn sie uns entdecken, sind wir auch dran!“, erzürnt setzte er sein Hut auf und geduckt rannten wir zurück in die Sicherheit.
Im Hof hatten wir uns noch ein wenig unterhalten. Ich erzählte ihm vom Cerro Celmin und von Don Pedro und dass Frau Sánchez (Luana) eine gute Führerin ist.
„Oh ja, meine Frau kennt sich gut aus!“, sagte er.
„Gut, dann gehen wir mal schlafen, nach der aufregenden Zeit!“, er wollte gerade in sein Zimmer gehen, kam aber zurück und meinte:
„Ach, Don Waltero, könnten sie meine Frau nach ‘Monzón’ begleiten?
Sie hat was dringendes zu erledigen, das nicht aufgeschoben werden kann.
Eigentlich wollte ich das selbst machen, aber durch diese Aktion heute Abend, muss ich morgen nach Huánuco. Ihr könnt die Pferde nehmen, es dauert etwa drei Tage. Frau Sánchez  weiß, wo ihr übernachten könnt. Es ist der Sicherheit wegen, und sie können unsere Gegend noch besser kennenlernen, ich will sie nicht alleine los schicken.“
„Hm, das hört sich gut an, ja klar, das mache ich gerne!“,
ich überlegte nicht lange und stimmte zu.
„Gut, dann bis morgen früh. Buenas Noches Don Waltero, schlafen sie gut!“, sagte er.
Ich wartete kurz bis Señor Ortéga in seinem Zimmer war, dann ging ich zu Luana.
„Wo bleibst du denn, du solltest doch nur nach den Pferden schauen, ich machte mir große Sorgen!“, sie reichte mir erregt einen Tee.
Ich gab ihr den Revolver zurück, erzählte von ihrem Mann und dass der Lehrer erschossen wurde. Sie war entsetzt. Im Schein des Feuers blitzten ihre Tränen wie Perlen. Sie kullerten über ihre Wangen und durch die roten Spiralen sah es aus wie Blut.
„Bleib bei mir heute Nacht, ich will nicht alleine sein!“,  langsam zog sie mich aus.
Ich nahm ihr das grüne Tuch von den Hüften und küsste ihre farbigen, geilen Brüste.
„Du willst doch eine Massage, komm leg dich  hin!“, sagte ich leise, ich konnte meine Hände nicht von ihr lassen……..
Der Tee zeigte seine erotische Wirkung.
In der Nacht flogen unsere Seelen bis zu den Sternen und wieder zurück.
Erst früh morgens ging ich in mein Zimmer und ruhte mich etwas aus, für den Ritt nach Monzón, von dem Luana noch nichts wusste.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 21

„BRASILIANISCHES  LIEBESSPIEL“

Schau mal der Hengst!, rief sie und deutete auf den Schwarzen. Er schnaubte, wieherte und trabte mit gebogenem Hals um eine Stute herum. Luana und ich saßen auf der Steinmauer und beobachteten die sieben Pferde im Corral. Es waren „Criollos“, eine begehrte, südamerikanische Rasse im peruanischen Hochland, ruhige Arbeits- und Reitpferde.
Ich saß eng hinter ihr und hatte meine Beine um ihre Hüfte geschlagen. Ihr Haar roch süßlich herb, es war der Duft der letzten Nacht. Ich umfasste ihren geilen Körper, drückte ihn ganz fest an mich. Sie legte ihren Kopf nach hinten auf meine Schulter und ich knabberte an ihrem Ohrläppchen.
»Ihr leises Lustkichern höre ich heute noch in meinen Träumen«. Wir genossen diese Morgengeilheit und die wärmenden Sonnenstrahlen des frühen Tages.
Sie hob ihren Kopf. „Da schau  doch“!, rief sie, der Schwarze, er besteigt die Stute, er begattet sie! Ich glaube, das gibt demnächst ein Fohlen. „Also den Schwarzen nehme ich, ich liebe Hengste!“, sagte sie.
Dann nehme ich die Stute, flüsterte ich ihr ins Ohr.
Gut, meinte sie, wir warten bis das Liebesspiel zu Ende ist, dann hole ich sie. Du wartest hier an der Mauer.
Luana genoss derweil meine Hände, meine Liebkosungen und mein Liebesgeflüster.
Es dauerte eine Weile, bis sich die Pferde beruhigten,
ganz im Gegenteil zu uns. Wir schaukelten uns gegenseitig in die Erregung. Aber dann löste sich Luana aus meiner erotischen Umklammerung, nahm das Seil und ging langsam von der Seite auf den Hengst zu.
Er schnaubte, scharrte mit dem rechten Huf und brach nach vorne aus.
„Wenn du den Hengst willst, mußt du ihn einfangen!“, rief ich ihr zu. Sie lächelte und probierte es noch einmal.
Wieder ging sie auf den Schwarzen zu, blieb auf halber Strecke stehn und streckte ihren Arm nach ihm.
Der Hengst wieherte, nickte mit seinem Kopf und kam langsam auf Luana zu. Sie legte das Seil um seinen Hals und führte ihn zu mir.
„Da, halt ihn fest“!, sagte sie. Luana gab mir das Seil und legte dem Schwarzen das Zaumzeug an, setzte ruhig den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Den müssen wir später nachziehen!, meinte sie.
Ja, ich weiß, erwiderte ich.
Luana zog das Seil ab, gab mir die Zügel in die Hand und sagte:
Halt ihn fest, ich hole jetzt die Stute.
„Pass auf dich auf Luana, die Stute ist rossig!“, sagte ich.
Sie lachte und meinte:
Hab keine Bedenken, mit „rossig sein“, da kenn ich mich aus.
»Eine rossige Stute kann sehr zickig sein und hat ihren eigenen Kopf, aber so ist das bei jedem weiblichen Wesen. Die sexuelle Lust kann sehr launisch machen, aber auch  lammfromm. Und zwischen launisch und lammfromm gibt es viele Nuancen. Gerade muß ich an das weibliche Wesen, diese bildhübsche Brasilianerin in Buenos Aires denken.
Wie war das noch, damals, in Argentinien 1987:
»»Ich kam mit einem Güterzug durch den Gran Chaco, über Corrientes und Posadas zu den „Cataratas del Iguazu“, wo ich einige Tage verweilte. Dann diese 36 stündige Busfahrt nach Buenos Aires. Es war Ende April, später Sommer in der Hauptstadt am Rio de la Plata. Ich fand ein billiges Zimmer im „Hebron Hotel“ in der Avenida Rivadavia 3063, gleich neben dem „Plaza Miserere“.
Drei Wochen mußte ich warten auf einen freien Sitzplatz für mein Rückflug nach Amsterdam. Ich hatte also  genügend Zeit, das Leben und die Menschen in dieser Millionen Metropole kennen und lieben zu lernen.
Eines Nachmittags saß ich in einem Kaffeehaus an der Plaza Lavalle, trank Cappuccino, blätterte in einer Zeitschrift und ging meiner Lieblingsbeschäftigung nach, ich beobachtete die Leute und das pulsierende Leben auf der Straße. Ich saß an einem Fenster, quasi in der ersten Reihe und hatte alles unter Kontrolle. Von weitem sah ich sie schon, die bildhübsche Frau mit den kleinen schwarzen Locken und dem niedlichen, braunen Gesicht. Ihre zierliche Nase passte zu den leicht rundlichen Lippen. Ihr weißer Faltenrock ging bis zu den Knien. Das weiße Shirt mit den Spagettiträgern, die schwarze Jacke und die schwarzen Mokkasins.
Eine Traumfrau aus dem Bilderbuch. An dem Fenster, hinter dem ich saß, blieb sie zufällig stehn und schaute besorgt zurück. Beim umdrehen sah sie mich sitzen, kam an das Fenster und blickte mir direkt in die Augen. Ich blinzelte kurz, dann ging sie weiter.
Was war das denn?, dachte ich, war das die argentinische Göttin der Liebe?
Ich blätterte weiter in meiner Zeitschrift.
„Ach Herr Ober, bitte noch ein Cappuccino, ach, und ein Glas Wasser bitte!, si, por favor, otra vez!“ Ich bestellte mir noch einen, zog mein Tagebuch aus meiner Tasche und schrieb meine Gedanken auf. Es war schon später Nachmittag, als ich plötzlich hinter mir eine weibliche Stimme hörte. Ihr klang war erotisch, jung und direkt. Buenas noches Señor, lo siento, puede ayudarme?
(Guten Abend Herr, entschuldigung, können sie mir helfen)
Ich drehte mich um.
Ich sah erst mal „Weiß“, keine zehn Zentimeter vor meinen Augen. Ich dachte, “nanu, ist das schon das Paradies?”
Mein Blick wanderte nach oben, durch ein Tal, umsäumt mit wilden Hügeln, deren Spitzen ich noch nicht erkannte. Ungezähmte braune Weiblichkeit . Die zarte Haut des Halses, das niedliche, ja fast kindliche Gesicht. Es war diese argentinische Liebesgöttin, die mich durch das Fenster angeschaut hatte.
„Aber Señorita, sagte ich, ich bin geboren um zu helfen!“
Damit ich aufstehen konnte, musste sie ein Schritt zurück gehen. Ich bot ihr den Stuhl neben mir an und fragte lächelnd:
„Willst du dich setzen?“
„Was möchtest du trinken?“,  „Cappuccino?“
Nervös setzte sie sich, legte ein Bein über das andere und zupfte ihren weißen Faltenrock etwas hoch.
Nein, sagte sie bestimmend, ich möchte ein Espresso bitte!
„Herr Ober, rief ich, ein Espresso für die Señorita bitte!“
Si esta bien, kommt sofort!, erwiderte er.
Was kann ich für dich tun?
Wie kann ich dir helfen?, fragte ich weiter.
Und sie erzählte:
Ich bin „Gabriela“, ich komme aus Brasilien, aus „Porto Alegre“. Ich kam gestern mit dem Bus nach Montevideo und heute Morgen mit dem Schnellboot über den Rio de la Plata nach Buenos Aires. Ich suche ein Zimmer in der Stadt, aber hier in der Gegend sind alle Hotels belegt. Hast du vielleicht eine Idee?
Oh, ich wohne im Hebron Hotel in der Rivadavia!, sagte ich zu ihr, du kannst ja da mal fragen, ich denke, da ist noch was frei. Es ist kein Luxus Hotel, es ist billig, hat aber alles was man braucht; Dusche und Waschbecken im Zimmer, fließend Wasser, warm und kalt, sogar ein kleines TV Gerät, das auf der Minibar steht und es ist sauber.
Sie schaute mich verwundert an und schmunzelte.
Wer bist du?
Woher kommst du?
Was machst du hier?
Fragen prasselten auf mich ein. Sie hatte bemerkt, dass ich Ausländer bin, mein Akzent und meine schlechte Grammatik hatten mich wohl verraten.
Ich bin Walter, ich komme aus Deutschland, ich warte hier auf schöne Brasileras, die mich ansprechen und Hilfe brauchen.
Ein breites Lachen, das durch das ganze Kaffeehaus hallte, kam über ihr Gesicht.
Sie beugte sich zu mir, da sah ich am Ansatz ihres jungen und geilen Busens eine rote Rose blitzen.
Und warum hast du mit den Augen gezwinkert?, fragte sie leise.
„Wenn mich eine ‚Göttin der Liebe‘ anschaut, dann muß ich doch reagieren!“ Um den Hals fallen konnte ich dir nicht, da war das Fenster dazwischen; sagte ich ihr ins Ohr. Ihr zartes Gesicht wechselte die Farbe ins rötlich braune und war so nah, dass ich mit meinen Barthaaren ihre süße Nase streicheln konnte.
So lass uns doch ins „Hebron“ gehen, ich bin müde, hauchte sie.
Herr Ober, die Rechnung bitte!
Gabriela zog ihre rote Reisetasche über die Schulter, ich bezahlte, dann liefen wir durch die Straßen zum Hotel.
Am Plaza Miserere blieb sie stehen;
Ist es noch weit?
Es wird schon dunkel!, zickte  sie störrisch umher.
Komm, wir sind gleich da!, beruhigte ich sie.
Sie (oder wir) hatten Glück, sie bekam das letzte Doppelzimmer zum Preis eines Einzelzimmers.
Sie bezahlte für drei Nächte im voraus.
Wir gingen hoch in unsere Zimmer.
Ich geh jetzt duschen!, sagte sie, kommst du noch mal bis in einer halben Stunde?, du kannst mir noch mal helfen.
Ja klar!, erwiderte ich, du weißt ja, ich bin geboren um zu helfen.
Schmunzelnd verschwand sie hinter der Tür mit der Nummer 7.
Ich duschte, zog mir was leichtes an und ging dann zum Zimmer Nr.7;
Ich klopfte ein Mal, ich klopfte ein zweites Mal, dann rief sie:
Komm rein, die Tür ist offen!
Ich öffnete die Tür.
Gabriela saß lasziv auf dem Tisch, ihr Tangaslip, ihr Oberteil, rote Riemen, die nur das nötigste bedeckten, ein Hauch von Nichts.
Sie winkelte ihr rechtes Bein an und sagte:
Mach die Tür zu und komm zu mir, ich habe da ein Problem!
Ich machte die Tür zu, schloss sie ab und ging zu ihr.
Wie kann ich dir helfen? Señorita Gabriela ?
Meine Fragen waren ein Schauspiel.
Sie nahm meinen Kopf in ihre Hände, gab mir einen der leidenschaftlichsten Küsse, die ich je hatte und drückte meinen Kopf nach unten.
Das Problem liegt tief in mir!, hauchte sie bestimmend.
Ihre Stimme klang extasisch.
Sie lehnte sich zurück auf den Tisch. Das bisschen Stoff an ihrer rasierten Vulva triefte vor Nässe und…….««
Es waren aufregende drei Tage und Nächte voller Glücksmomente. So wie sie kam, war sie früh morgens verschwunden, plötzlich und unerwartet.«
Luana brachte die Stute ohne Probleme zu mir. Ich legte ihr das Zaumzeug an, setzte den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Wir führten die Pferde bis zu den Stallungen. Luana holte zwei Wolldecken, die wir an den Sätteln befestigten, dann stiegen wir auf und ritten los Wir bemerkten nicht die dunklen Wolken, die von Osten herein zogen.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte.

Mein erstes Urwald-Abenteuer

Mexiko 1985.
Teil 2.) „El Gringo, und der Flug in den Urwald“.
Reges treiben beherrschte das Strassenbild, als ich schläfrig und schwach und vollgepumpt mit Kohletabletten das Hotel verliess und zum Stadtrand schlenderte, wo der Flugplatz lag. Es war sonnig, nur am südlichen Horizont waren Schönwetterwolken zu sehen. Ein alter Mann, mit Hut und einem Stock in der Hand, begegnete mir. Schwer trug er ein Plastiksack auf dem Rücken. Er blieb stehen und rief mir nach, „Hola Gringo boracho“!(Hallo betrunkener Fremder). Ja, durch das Fieber und den enormen Wasserverlust, den mir die „Rache Moctezumas“ bescherte, war ich ganz schön wacklig auf den Beinen. Ich beachtete ihn nicht, lief einfach weiter und war froh, als ich nach einer halben Stunde den Flugplatz erreichte.
Dieser Provinz-Flugplatz entsprach meinen Vorstellungen eines abenteuerlichen Unternehmens. Eine kurze Asphaltpiste mit Schotter umgrenzt. Ein Gebäude aus Steinen, mit einem Dach aus Wellblech. Und ein Hallen-Anbau aus Wellblech mit provisorischen Fenstern. Das Hallentor stand offen und ich sah, in ungeordneterweise, drei Einmotorige Propellerflugzeuge stehen. Neben dem Hallentor lagen verrostete Propeller herum und ein Mann, in einem blauen Overall, beugte sich über einen ölverschmierten Motor. Auf seinem Rücken stand die Aufschrift „Aero Chiapas“.
„Caramba“! fluchte er, lies ein Schraubenschlüssel fallen und putzte seine blutenden und ölverschmierten Finger an einem Wollkneuel ab. Mit einem zornigen „Buenos Dias“! huschte er an mir vorbei und verschwand in der Halle.
Ich ging zu einer Tür an der ein Pappschild hing mit der Aufschrift „Administración“. Ich klopfte Einmal, Zweimal, Dreimal, keine Antwort. Ich wartete noch ein weilchen und klopfte ein Viertes mal an die Tür und öffnete sie, und da stand auch schon der blaue Overall hinter mir, mit einem etwas freundlicheren Gesicht. Seine Finger bluteten noch.
Buenos Días Señor! Sagte ich.
Er reichte mir seine Hand und sagte noch einmal, in einem freundlicheren Ton, „Buenos Dias“!
Ich zeigte ihm mein Flugticket und da meinte er,
„Es ist noch etwas Zeit“.
Aber der Flug ist für Acht Uhr angesetzt, sagte ich!
Ja ja! Raunte er, der Pilot wird gleich kommen!
Und in seiner deutlichen Aussprache, die ich sehr gut verstand, sagte er noch:
„Falta tres Americanos todavia“!
(es fehlen noch drei Amerikaner)
Zusammen gingen wir in sein Büro.
Es war ein kahler Raum ohne Tapeten, ein alter Schreibtisch und drei Plastikstühle standen da.
Was ist mit dir, „Gringo“? Du siehst so blass aus? Fragte er mich, während er seine blutigen Finger verband.
Ich habe heute Nacht nicht viel geschlafen und Durchfall habe ich auch ein wenig! sagte ich.
Ahaa! grienste er, die „Rache Moctezumas“!
Aber setz dich doch,“Gringo“, und ruh dich aus, bis die Americanos kommen! Rief er mir zu und ging wieder nach draussen.
Fast eine Stunde lang döste ich auf einem der Plastikstühle herum und zweimal verschwand ich in die Toilette, bis endlich eine Frau mit einem Strohhut herein kam. Ihr folgten zwei Dollarschwere Amerikaner mit Cowboy-Hüten. Die Männer beachteten mich nicht, doch die Frau erkannte sofort die Situation. In einem typischen Südstaaten-Akzent fragte sie mich:
Hey Man, you are sick?
Naja! Durchfall habe ich und geschlafen habe ich auch nicht viel! Sagte ich.
Nach amerikanischer Art bot sie mir gleich zwei Tabletten an und sagte:
Ahaa, die Rache Moctezumas! Hier nehmen sie die, das hilft!
Dankend nahm ich sie an und bat sie: „Aber jetzt blos kein Aufstand machen, mit dem Kaiser der Azteken kämpfe ich selbst“!
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Pilot kam und wir endlich in das Flugzeug einsteigen konnten. Ich bekam den hintersten Sitzplatz. Das hatte was Gutes und was Schlechtes. Das Gute war, ich hatte zu beiden Seiten freie Sicht. Und das Schlechte war, ich sass eingequetscht wie in einem prall gefüllten Rollmopsglas. Doch in meiner Situation war das ein Vorteil für mich, denn in dieser Stellung konnte die „Rache Moctezumas“ nichts ausrichten.
Der Pilot ließ das Flugzeug bis zum Anfang der Piste rollen. Er drehte sich nochmal um, sah uns an und rief in spanischem Akzent: „ready for take off“? Wir nickten alle, dann heulte der Motor auf und ich bekam einen sanften Druck ins Kreuz. Unter mir begann es rasant zu poltern. Kurz vor dem Ende der Piste zog er die Maschine hoch. Wir flogen rechts an den Hügeln vorbei und nahmen westlichen Kurs in Richtung Bonampak.
Es war ein ruhiger Sichtflug. Der Pilot flog nach Kompass, keine GPS Signale, keine digitale Anzeigen, alles nur runde, analoge Mess-Instrumente. Und kein Funkspruch mit Irgendeinem Tower. Wir flogen nicht hoch, so dass man eine gute Sicht auf die Landschaft hatte und es wurde immer grüner. Ich machte ein paar Bilder und konzentrierte mich dann auf mein Innenleben,“ohh ohh“!
Nach gut einer Stunde meinte der Pilot: „Wir gehen jetzt runter“! Ich dachte „wo will der jetzt landen“? Er steuerte ein kleines grünes Band an, in mitten der grünen Hölle und begann mit dem Landeanflug.
Bremsklappen, Motorgeräusche, leichter Schrägflug, dann setzte er die Maschine sicher auf die Piste.
Bremsend liess er sie bis zum Ende auslaufen, drehte um, fuhr zurück zum Startplatz und parkte sie direkt neben dem dichten Dschungel.
Wir stiegen aus. Die feuchte Wärme, die wie eine Glocke über dem Urwald hing, hatte ich im Flugzeug schon gespürt. Der Pilot und die drei Americanos gingen zu den Ruinen und ich verschwand im Dschungel. Ich war meinem Magen und Darm gefolgt. Die Geräuschkulisse des Urwaldes war überwältigend. Ich musste sehr aufpassen, dass ich keiner Schlange oder Spinne in die Quere kam und dass mich die Blattschneider Ameisen nicht überfielem.
Etwas später folgte ich den anderen zu den Ruinen, legte mich auf einen Stein der Maya und habe den einstündigen Aufenthalt in den Maya-Ruinen von Bonampak regelrecht verschlafen. Ich war ziemlich kaputt.
Der Pilot weckte mich zum Weiterflug nach Yaxchilán.
Der Start und die Landung war das aufregendste während des kurzen Fluges. Die Maya-Ruinen von Yaxchilán liegen direkt am Río Usumacinta, der die natürliche Grenze zu Guatemala bildet. Hier ging es mir etwas besser, so dass ich den Rundgang durch die Ruinen mitmachen konnte. Nur einmal musste ich aufpassen, dass ich keinem Krokodil in den Weg kam, denn ich folgte meinem Magen und Darm bis runter zum Fluß.
Nach einer guten Stunde bestiegen wir wieder die fliegende Blechkiste und starteten zum Rückflug. Wieder saß ich eingequetscht auf meinem einsamen Sitzplatz im hinteren Teil und schaute auf diese abenteuerliche Piste. Und ich sah diese Urwald-Riesen, die weit über dreißig Meter hohen Bäume, am Ende der Piste.
Wie will er das schaffen?
Der Pilot schaute uns an, lächelte und meinte:
Ready for take off?
Wir alle lächelten und ich sagte in einem kleinlauten Ton:
Si hombre vámonos!
Ich bekam jetzt einen stärkeren Druck ins Kreuz.
Rasant nahmen wir Geschwindigkeit auf und rasten den Urwald-Riesen entgegen. Kurz nach dem die Maschine abhob, flog er links an den Riesen Bäumen vorbei, über den Fluss und zog die Kiste hoch. Die Amerikaner klatschten und ich dachte: „Was für ein Teufelskerl“!
Ich war verdammt nochmal sehr beeindruckt. Wir nahmen dann den östlichen Kurs in Richtung San Christobal, dem Heimatflughafen entgegen.
Hier, bei dem Fliegen in dieser Region, gibt es keine Regeln. Was hier zählt sind Erfahrungswerte. Solche Busch-Piloten sind meist auf sich selbst gestellt und es sind „Zauberer der Lüfte“.
Und genau so einen Piloten, er war nicht nur Buschpilot, er war Bildhauer, Photograph, Buchautor und Abenteurer, genau so einen, habe ich Jahre später bei einem Abendessen in Zürich kennengelernt.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.