EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 26


Der lange Ritt nach Monzón

„Die Nacht auf Mati Paqi“

Luana stand nackt am Feuer und schwenkte den Kochtopf. Daneben stand die Kanne mit dem Teegemisch, den sie vorher angesetzt hatte, halb in der Glut, zum warmhalten. Wir hatten unsere nassen Klamotten zum trocknen ausgezogen.
Ich stand eng umschlungen  hinter ihr, presste meinen Körper gegen ihren Körper und zusätzlich drückte sie ihren Po gegen mein Becken. Oh ja, ich liebte es, wie sie mich in diesen geilen Situationen führte. Sie presste meine Erregung zwischen ihre heißen Schenkeln und drückte sie mit ihrer Hand gegen ihr feuchtes Verlangen. Ihre beflügelten Bewegungen, die mich in den Wahnsinn trieben, brachten uns in den nahen Himmel und wieder zurück. Sie legte ihren Kopf nach hinten auf meine Schulter und flüsterte mir entspannt ins Ohr:
„Komm, ich schenke uns ein Tee ein, er wird uns gut tun!“
Draußen peitschte der  Tropenschnee gegen das Gras Dach. »Ich hatte nie geglaubt, dass ein Dach aus Gras so dicht sein kann, genauso wie die Steinmauern, kein Luftzug ging hindurch.«
Unsere einfache Hütte trotzte der Regenzeitromantik. Plötzlich hörten wir Geräusche von draußen, es waren Schritte, polternde Steine, dann klopfte es an die Tür. Luana löste sich aus meiner erotischen Umklammerung, wir schauten uns an. Unsere Erregtheit wechselte in vorsichtige Ängstlichkeit. Schnell zogen wir uns was über. Der Griff zum Revolver in dieser  Situation, war für mich die normalste Sache der Welt geworden. Ich positionierte mich verdeckt neben dem Feuer. Luana ging langsam auf die Tür zu. Es klopfte ein zweites Mal, heftiger, und eine helle, weibliche Stimme rief;
„Luana, bist du hier?
Luana, ich bin es; Xenia! Mach die Tür auf!
Luana, lass mich rein!“
Luana blickte verwundert zu mir rüber und öffnete die Tür. Vor der Hütte stand eine junge Frau, zitternd und nass bis auf die Haut.
Luana erschrak;
„Oh mein Gott, Xenia, was machst du hier?“, komm rein, du zitterst ja am ganzen Körper!
Luana schaute skeptisch in die einbrechende Dunkelheit. Am Corral bei den Pferden und um die Hütte war alles ruhig.
Aus meiner Deckung heraus sah ich im Schein des Feuers ein paar Schneeflocken tanzen. Luana schloss die Tür.
„Dios mio Xenia, zieh deine nassen Klamotten aus und komm ans Feuer, du erkältest dich noch!“, rief Luana in den Raum.
Langsam bekam ich Vertrauen in die Szene, legte meinen Revolver weg und kam aus meiner Deckung heraus. Xenia erschrak, als sie mich sah und hielt ihre nasse Hose vor ihren halbnackten Körper.
„Hab keine Angst Liebes, das ist Walter, ein lieber Freund aus Deutschland, er will unser Land und unsere Kultur kennen lernen!“, sagte Luana.
„Ja, ich weiß dass du nicht alleine bist, dein Mann hatte mir gesagt, dass du mit einem Gringo unterwegs bist!“, erwiderte Xenia.
Ich reichte ihr meine Hand zum Gruß. Nur zögernd nahm sie sie an, aber ihr Handgriff war fest und herzlich.
„So, aber jetzt runter mit den nassen Klamotten, dann trinkst du einen heißen Tee und das, was ich gekocht habe, reicht auch für drei!“, sagte Luana und gab ihr eine Decke zum umhängen. Und dann musst du uns erzählen was passiert ist und warum du hier bist!
»Xenia war eine Indigena, eine Quechúa. Ihre dunkelbraune Haut, ihr fester Körper, das markante Gesicht mit den hochstehenden Backenknochen und ihren weißen Zähnen, wenn sie lächelte. Ich schätzte sie auf höchstens 20, nicht älter, eher jünger. Und ihre helle, sehr weibliche Stimme, als sie sagte; „ja, ich weiß dass du nicht alleine bist, dein Mann hatte mir gesagt, dass du mit einem Gringo unterwegs bist!“, klang sehr leidenschaftlich.«
Wir setzten uns an den kleinen Tisch. Xenia saß links neben mir, hielt mit ihrer linken Hand krampfhaft die Decke fest, die ihren nackten Körper bedeckte und mit ihrer rechten Hand schlürfte sie genüsslich den heißen Tee aus einem Becher. Ihre halblangen, schwarzen Haare waren lockig und wild durcheinander.
Durch ein rollendes Geräusch aus der näheren Umgebung und die zitternde Hütte, erschraken wir plötzlich. Luana stellte den Topf mit dem Essen auf den Tisch und beruhigte uns;
Macht euch keine Sorgen, es ist eine Lawine, die zwischen den nahe gelegenen 6000er Bergen der Cordillera Huayhuash in ein Tal donnert. Dieses Jahr sind sie besonders schlimm.
„Aber Xenia, das kennst du ja!“, sagte Luana.
„Ja schon!“, erwiderte sie, aber ich habe sie noch nie so laut und so nahe erlebt.
Luanas Gelassenheit in diesen Situationen faszinierte mich. Sie setzte sich rechts neben mir an den Tisch, der fürchterlich wackelte, weil ein Tischbein zu kurz war. »Ich hasse wackelnde Tische, bei Stühlen war es mir egal. Ein wackelnder Stuhl beflügelt meine Sinne, aber ein Tisch?, geht nicht.«
Ich stand auf und suchte nach etwas. Auf dem Lehmboden fand ich einen kleinen Stein, den ich unter das kurze Tischbein drückte. Repariert. Beim wieder hinsetzen, sah ich Xenias Grinsen. Ihre Haare vielen ihr ins Gesicht, weil sie verlegen nach unten schaute. Sie lockerte etwas ihre Decke, durch das Licht des Feuers sah ich durch den offenen Schlitz den Schatten ihrer schönen Brüste mit den ausgeprägten Nippeln. Aber dieses verschmitzte, geile Grinsen war ansteckend. Luana grinste mit, wahrscheinlich sahen sie die Beule in meiner Hose, die ich nicht verbergen konnte. Die brennenden Kuhfladen knisterten leidenschaftliche Geilheit in die kleine Hütte.
Luana wurde ernst.
„Komm Liebes, erzähl, was hat dich in diese unwirtliche Höhe getrieben, was ist passiert?“
Und Xenia erzählte:
»Seit drei, vier Tagen habe ich nichts mehr gehört von dir, du bist wie eine große Schwester für mich, du weißt, wir teilen uns alles zusammen!“«
„Oh ja Liebes, tut mir Leid, aber ich wollte mich um unseren Gast kümmern, seit langer Zeit ist wieder mal ein Tourist in unserem Dorf. Außer den Franzosen, die unser Land umgraben, kommt niemand in diese Abgeschiedenheit. Es ist ein Wunder, auf das ich schon lange gehofft habe!“, sagte Luana.
Und Xenia erzählte während des Essens weiter;
»Die Rebellen haben unseren Bürgermeister erschossen. Ich habe mich nicht mehr aus dem Haus getraut, hatte schreckliche Angst. Heute morgen kam dein Mann zu meinem Vater, er war sehr aufgeregt   und hat ihm mitgeteilt, dass die Rebellen gestern Abend „Jorge“, unseren Lehrer, erschossen haben. Mein Vater war sehr aufgebracht. Jorge war ein Freund meines Vaters.
Dein Mann hat ein Packpferd von uns mitgenommen und gesagt, dass du mit einem Gringo nach „Monzón“ reitest, um was zu erledigen, das nicht aufgeschoben werden kann. Und als er nach zehn Uhr wieder kam, holten sie die Leiche des Lehrers aus dem Haus und zusammen mit meinem Vater und einem Freund fuhren sie nach Huánuco. Ich habe dann mein Bündel gepackt und bin euch nachgegangen. Kurz hinter dem Dorf habe ich Emilio getroffen, er hatte es ziemlich eilig, er hat mir gesagt, dass ihr den anderen Weg über den Cuyoq Punta reitet und auf Mati Paqi übernachtet, wegen den Rebellen.
Ich war über sechs Stunden unterwegs, bin noch in den Schnee gekommen. Es war so kalt.«
„Hast du die Rebellen oder  irgendwelche Leute unterwegs gesehen?“, fragte ich.
„Nein, ich habe niemanden gesehen oder bemerkt, ich habe mich auf den Weg konzentriert, er war so felsig und glitschig, je höher ich kam, es wurde immer schlimmer und kälter, und dieser Schnee, dann sah ich endlich eure Pferde im Corral!“, sagte Xenia und schob ihren leergegessenen Teller zur Seite.
Luana stand auf, stellte sich hinter sie, zog ihre Decke zurück und massierte ihre Schultern, ihre nackten Brüste.
„Beruhige dich Liebes, hier bei uns bist du in Sicherheit!“, sagte Luana.
Xenia lehnte sich zurück, schloss die Augen und genoss diese erotischen Berührungen.
Ich zog mein dickes Hemd an, schlupfte in meine Stiefel, nahm das Geschirr mit einem Eimer und etwas Wasser und ging nach draußen zum spülen.
Es hatte aufgehört zu schneien, die Wolken hatten sich verzogen und die Bergspitzen der Fünf- und Sechstausender Berge glitzerten im Mondlicht.
»So ist die Regenzeit in den peruanischen Anden, ein kommen und gehen der Wolken und des Wetters.«
Es wurde spürbar kälter, mein Taschenthermometer zeigte minus Zehn Grad.
Unsere Pferde dösten in einer Ecke im Corral, wegen der Kälte waren sie dicht zusammen gerückt. »Würden die Rebellen dieses Gebiet nicht kontrollieren, wäre es eine friedvolle Berglandschaft.«
Nach einigen Minuten ging ich wieder zurück in die wohlige Wärme der Hütte.
Xenia lag nackt auf dem Schlafplatz. Luana kniete vor ihr und malte ein rotes Hexagramm auf ihren unteren Bauch. Sie schaute mich an und da wusste ich, was in dieser Nacht noch alles passieren wird. Sie hatte sich wieder rote Spiralen auf ihre Wangen gemalt.
Luana stand auf, ging zum Feuer und legte getrocknete Kuhfladen nach. Die Hütte kochte, wie der Tee; und dieser süßliche Duft im Raum berauschte meine Sinne.
„Zieh dich aus Gringo!“ Luanas Befehl war energisch und direkt.
Xenia beobachtete die Szene, grinste und hatte sichtlichen Spaß an der erotischen Provokation.
Lasziv lag sie auf dem Schlafplatz, spreizte ihr angewinkeltes Bein und schlürfte an ihrem süßen, heißen Getränk. Der Blick auf ihren sinnlichen Körper, auf ihre teilrasierte Nacktheit mit dem roten Hexagramm, ließ mich kurz atmen.
Ich zog mein dickes Hemd aus. Luana reichte mir ein Becher Tee, den ich langsam in mich hinein kippte.
»Bis heute weiß ich nicht, was sie damals in den Tee untergemischt hatte. Ein Pulver, das meine Phantasien berauschten, meinen erotischen Horizont erweiterten. Sie kannte sich aus, sie war die Schamanin, die Bruja. Sie war Xenia’s Lehrmeisterin und mein Forschungsobjekt der Begierde.«
Luana öffnete den Gürtel meiner Hose, den Knopf und den Reißverschluss und zog sie runter bis zu meinen Stiefeln. Ich lehnte mich gegen den Tisch und stützte mich mit meinen Armen ab.
Ich schaute zu Xenia, unsere Blicke trafen sich wie eine Verabredung. Oh Gott, dieses geile grinsen in ihrem Gesicht war so wollüstig. Sie fing an sich selbst zu streicheln, ihren Venushügel, ihre jungen Brüste. Sie zupfte an ihren schwarzen, steifen Nippeln.
Ihre Bewegungen waren aphrodisierend und beflügelten mein Kopf Kino, wie die Droge.
Als ich Luanas Lippen spürte, die mein Blut zum kochen brachten, sah ich rotierende, rote Spiralen auf mich zu rasen. In ihrem Zentrum explodierten immer wieder glitzernde Sterne, wie ein Feuerwerk.
Luanas Gleitrhythmus, die meine Wallungen zum zittern und zucken brachten, war nur die Ouvertüre für die erotischen Rituale der Nacht auf Mati Paqi.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte



EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 25

„Der lange Ritt nach Monzón“

Tag 1″Nachmittags“

„Hinter dem Horizont…“

Im Schritttempo ritten wir über die Hochebene von Huishcash. Die Schönwetterwolken am östlichen Horizont versprachen einen ruhigen und trockenen Nachmittag.
Luana führte unsere kleine Karawane an, sie kannte den gefährlichen Weg durch die Berge.
„Schau mal!, rief sie, da weit hinter den Bergen, hinter dem Horizont, da liegt der Amazonas Urwald, da liegt Monzón und da müssen wir hin!“
Wir blieben stehen und blickten nach Osten. Wir sahen die Schneebedeckten Berge, die mehr als 6000 Meter hoch in den Himmel ragten und dachten an diesen Weg, der mitten hindurch führt.
»Eine Legende besagt, dass das Amazonas-Tiefland das Land sei, bei dem der Liebe Gott mit der Schöpfung nicht fertig wurde, heiß, unwirtlich und voller Gefahren«
Auf ihrem schwarzen Hengst sah Luana  zweckbetont und mannhaft aus, mit dem Hut und ihrem langen Zopf. Ihre erotische Figur, mit den geilen Rundungen, versteckte sie unter ihrem Poncho.
»Es war eine maskuline Maskerade, die vor geilen Blicken der peruanischen Machos schützen soll.«
„Bei den Ruinen machen wir eine Pause, die Pferde brauchen Wasser und du hast bestimmt Hunger!“, rief sie mir zu.
Oh ja, ich war hungrig, nach ihren Küssen, nach ihrem Körper, ihrer Haut und ihrer erotischen Seele. Aber diese Gedanken waren gleich wieder betrübt.
Ich gab meinem Pferd die Sporen und ritt nach vorne zu Luana.
„Hast du den Reiter gesehen, der uns entgegen kommt?“, fragte ich, er kommt vom Pass herunter.
„Ja, habe ich und er hat uns bestimmt auch gesehen!“, sagte sie mit bedrückender Stimme.
Bei den Ruinen stiegen wir ab. »Es war ein Gebäude und Mauern mit Nischen. Die Jahrtausende alten Bruchsteine der Ruinen von „Anco“ waren sehr gut erhalten. Von hier konnten wir bis nach Piruro auf der einen Seite und Susupillo auf der anderen Seite sehen. Anco muss ein Wachposten der Yarowilka gewesen sein.«
Luana gab mir die Zügel ihres Pferdes, ging zum Packpferd, kramte eine Decke aus dem Packsack und kam wieder zu mir.
„Da, zieh den Poncho über, wenn der Reiter kommt, läßt du mich reden, du bleibst bei den Pferden im Hintergrund, er muss dich nicht gleich als ein Gringo erkennen!“, sagte sie. Ihre Stimme klang wie ein Befehl. Es stand ihr gut, die Rolle einer Befehlshaberin, einer „Machista“.
Der Poncho kam mir gerade recht, denn es wurde merklich kühler.
»Wer kommt da auf uns zu?, dachte ich. Ist es ein Kurier oder ein Kundschafter einer Rebellen-Truppe, oder ist es nur ein einfacher Bauer, der nach seiner Schafherde
schaute?, die Gedanken schlugen Alarm.« Ich nahm meinen Revolver aus dem Rucksack und steckte ihn in mein Gürtel. Entsichern musste ich ihn nicht, der alte Taurus war immer Schussbereit, von selbst oder aus Versehen, konnte sich kein Schuss lösen, dieses Modell musste man schon kräftig betätigen.
Ich war auf alles vorbereitet und hielt mich bedeckt bei den Pferden.
Luana wartete auf ihn, lehnte sich gegen die Steinwand und summte leise eine Melodie.
Als der Reiter näher kam, ging sie ihm ein paar Schritte entgegen.
Ich gab den Pferden Wasser, stellte die Schüssel auf den Boden und beobachtete die Szene. Meine Hand hatte ich am Revolver.
Luana begrüßte ihn in Quechúa. Der Mann stieg vom Pferd, er war jung, ein Indigener und trug ein Poncho. Die kurze Handbewegung zum Hut war üblich, er grüßte zurück und es sah aus, als hätte er es eilig. Das Palaver, die Gestik, ich hörte Wortfetzen wie „cocha, saqra, yaku, wayqo, lloqlla, yanqataq und plötzlich sprach er Spanisch; Señorita, passen sie auf, da oben sind Rebellen, sie haben den Staudamm gesprengt. Und das Wetter schlägt um, es wird kalt.
„Wer bist du, ich kenne dich, ich habe dich schon mal bei Don Pedro gesehen?“, fragte Luana.
„Ich bin Emilio, ich arbeite für Don Pedro!“, hastig stieg er auf sein Pferd.
„Emilio, hast du die Rebellen gesehen?“, fragte Luana und hielt sein Pferd am Halfter fest.
„Nein, habe ich nicht, aber das viele Wasser und die Explosion habe ich gehört, es war grauenvoll, zum Glück war ich schon oben auf dem Pass!“, erwiderte er.
„Señorita, wenn sie nach Monzón wollen, müssen sie den anderen Pass nehmen, den ‚Culloq Punta‘, er ist zwar höher und der Weg ist weiter, aber er ist sicherer und es gibt die Hochalm „Mati Paqi“, da können sie über die Nacht bleiben!“, sagte er.
Derweil entspannte ich mich, nahm die Hand vom Revolver, blieb aber bei den Pferden.
Luana ließ das Pferd los.
Emilio gab ihm die Sporen und ritt schnell davon.
„Hast du das mitbekommen, was Emilio gesagt hat?“, fragte sie mich und kam zu mir.
„Ja, das habe ich, das hört sich nicht gut an!“, erwiderte ich.
„Wir nehmen den anderen Weg, es dauert etwas länger, ist aber sicherer. Ich kenne ihn, bin schon mal über den ‚Culloq Punta‘ gegangen!“, sagte sie und gab mir ein Stück Fladenbrot mit Käse. Dazu tranken wir kalten, gesüßten Koka Tee.
Wir setzten uns eng aneinander gekuschelt an die Steinmauer. Ich spürte ihren feurigen Körper.
„Der Poncho steht dir gut Gringo, am besten du behältst ihn an, er schützt dich vor Kälte und Schnee. Emilio hat gesagt, dass das Wetter umschlägt und in dieser Höhe gibt es Schnee!“, meinte sie.
»Gringo ist ein Schimpfwort, aber ich liebte es, wie sie es aussprach, es kam aus ihrem Herzen heraus, so temperamentvoll, so leidenschaftlich«
Sie rutschte auf meine Oberschenkel, küsste mich  zärtlich und meinte:
„Wir müssen weiter, es sind noch mehr als drei Stunden bis zur Hochalm Mati Paqi, heute Nacht haben wir noch genug Zeit für uns mein lieber Gringo!“
Sie machte Druck zum aufbrechen. Wir packten unsere Sachen zusammen, stiegen auf die Pferde und ritten weiter durch das Hochtal bergauf. Mein Revolver behielt ich vorsorglich am Gürtel, denn Rebellen und Banditen können jederzeit kommen und überall sein. Und dann dieses ständige Gefühl, dass uns jemand folgt. Ich war vorsichtig.
Mit der Höhe wurde es kälter und felsiger, mein Höhenmesser zeigte 4400 Meter. Wolken zogen herein und es fing an zu schneien. An gefährlichen Felspassagen stiegen wir ab und führten unsere Pferde durch die Gefahrenzone. »Nicht auszudenken wenn ein Pferd auf den klitschigen Felsen ausrutschen würde. Pferde können bis auf ca. 5200 Meter Höhe steigen, danach wird es kritisch.«
Unsere Tiere hielten sich tapfer, sie spürten die Höhe genauso wie wir. Wir redeten ruhig auf sie ein und ein tätscheln am Hals wirkte so manches Wunder.
Als wir nach über drei Stunden nach Mati Paqi kamen, war die Landschaft gezuckert mit Schnee und die Wolken verzogen sich hinter die Bergspitzen, die über 6000 Meter hoch in den Himmel ragten. Sie standen da wie die Wächter des Weltalls.
Mein Taschenthermometer zeigte minus 5° Grad und das am späten Nachmittag. Die Nacht stand uns noch bevor. »Die in dieser Zeit verlassene Alm liegt 4650 Meter hoch, in der Trockenzeit, von Mai bis Oktober, sind Temperaturen um die 20° Grad unter Null keine Seltenheit. Dagegen ist es in der Regenzeit, von November bis April, nicht so kalt, aber dafür gibt es mehr Schnee.«
Wir sattelten unsere Pferde ab und führten sie in das nahegelegene Corral, wo sie zwischen dem Schnee noch Hochlandgras fanden. In einer der Hütten richteten wir unser Lager für die kalte Nacht ein. Es gab ein Tisch mit drei Stühlen, ein großer Schlafplatz, eine Feuerstelle und getrocknete Kuhfladen als Brennstoff.
»Getrocknete Kuhfladen sind hart und vollkommen geruchslos, sie brennen schnell und lang und sind eine gute Isolation gegen die Kälte in der Nacht«
Luana kümmerte sich um die Feuerstelle, kramte in der Lebensmittelkiste und fing an zu kochen. Ich traf Vorbereitungen für unsere Seelenreise nach allen tabulosen Regeln der erotischen Kunst.
Die Nacht versprach extasische Trance und eine neue Tür zu ihrer erotischen Seele.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 24

„Der lange Ritt nach Monzón“
(Tag 1)
„Aufbruch ins Ungewisse“

Es war schon taghell, als ich am Morgen die Tür meines Zimmers öffnete. Die Nacht hatte Spuren hinterlassen, in meiner Seele und auf meinem Körper. Ich lief zum Waschtrog und wusch den grünrotblauen Farbenrausch von meiner Haut, aber die Spuren in meiner Seele, die waren für immer.
Die Pferde standen schon gesattelt im Hof. Ein Meerschweinchen rannte aufgeregt durch ihre Beine und Rudi und die anderen Hühner, standen ängstlich in einer Ecke und lauschten dem lautstarken Palaver zwischen Luana und ihrem Mann. Sie stritten heftig in Quechúa und Spanisch. Aus dem Wirrwarr an Vokabeln und Gesten, hörte ich Wörter wie „Caballos, Senderos, Gringo, Contrabando und Muerte, einige Wörter, die mich nachdenklich stimmten. »“Bei dem Wort ‚Muerte‘, musste ich an die alte Indigena in Huánuco denken, die mir den Tod prophezeite. Meine abergläubischen Gedanken hatten mich überfallen“.«
Señor Ortéga beendete den Streit, ging weg und Luana rief ihm zornig hinterher:
„pero rápidamente!“
(aber schnell)
Ich drehte mich um, hielt mein Kopf unter den Wasserhahn und genoss das kalte Wasser auf meiner Haut und in meinen Haaren. Plötzlich bekam ich ein schubsen von hinten und flog mit meinem Oberkörper in den Waschtrog. Ich spürte zwei Hände, die mein Kopf unter das Wasser drückten.
»Normalerweise passte ich immer auf, was hinter mir passierte, aber bei Luana fühlte ich mich relativ sicher und so vernachlässigte ich diesen Lebenssinn.«
Ich packte die zwei Handgelenke und befreite mich aus dieser misslichen Lage.
»Üblich wäre jetzt ein Kopfstoß mit dem Hinterkopf in das Gesicht des Gegners oder ein Stoß mit dem Ellenbogen in den Bauch, aber ich wusste, es konnte nur Luana sein.«
Ich drehte mich um und schüttelte mein Kopf.
„Willst du mich ersaufen?“
Ich spritzte sie nass.
Sie ging ein Schritt zurück und lächelte. Ihre Bluse war ein Knopf zu wenig zugeknöpft, es war ein geiler Anblick.
„Du brauchst eine Gehirnwäsche, willst du mich wirklich begleiten auf diesem gefährlichen Weg nach Monzón?“, ihr Lächeln wechselte in die Ernsthaftigkeit des Alltags, sie war in Rage.
„Ich habe es deinem Mann versprochen, dass ich dich begleite, alleine in den Bergen ist zu gefährlich!“, beruhigte ich sie.
„Mit meinem Mann habe ich gestritten, es dauert mehr als drei Tage. Wenn alles gut geht, drei Tage hin, aber auch drei Tage zurück, wir brauchen ein Packpferd, er ist los gegangen, um eins zu besorgen!“, ihre Stimme wurde ruhiger, gelassener, sie umarmte mich.
„Warum hattest du mir gestern Abend nichts davon gesagt?“, fragte sie mich.
„Ich wollte dich nicht beunruhigen vor der Nacht!“, erwiderte ich und küsste ihren Hals, ihr Dekolleté und den Ansatz ihres Busens. Sie drückte mein Kopf gegen ihre Brüste und flüsterte zärtlich in mein Ohr; „danke dass du mich begleitest!“, sie löste sich aus meinen Armen.
„Komm jetzt, mach dich fertig, pack ein paar warme Sachen ein und das was du brauchst, die Pferde hat er schon gesattelt und er hat uns auch Proviant eingepackt und ein Zelt und Ausrüstung für alle Fälle. Wenn du soweit bist, mach ich Frühstück. Sobald er mit dem Packpferd kommt, dann gehts los!“, sagte sie bestimmend und ging zurück in die Küche.
Rudi und seine Hühner versperrten mir den Weg in mein Zimmer, aufgeregt pickten sie das Grünzeug vom Lehmboden. Als ich in die Hände klatschte, rannten sie in alle Richtungen, nur Rudi blieb stehen und schaute mich an. Er wollte zum krähen ansetzen, hatte es aber verschluckt, weil in dem Moment das Hoftor aufging. Es war Señor Ortéga mit dem Packpferd. Rudi rannte flott zu seinen Hühnern.
„Buenos días Don Waltero, hatten sie eine ruhige Nacht?“, rief er, als er mich sah. Er kam direkt mit dem Pferd auf mich zu, hatte eine ernste Mine.
„Danke, Señor Ortéga, die Nacht war gut!“, erwiderte ich.
„Ich habe euch ein Packpferd besorgt, das ihr braucht und habe ein paar Sachen gerichtet. Proviant und Ausrüstung für den Notfall, Zelt und Schlafsack!“, sagte er in ruhigem Ton.
Luana stand in der Tür und sah zu uns rüber.
Er zog mich langsam hinter das Pferd und sagte:
„Hier, nehmen sie den , es ist zu eurem eigenen Schutz, stecken sie ihn weg, meine Frau muss es nicht wissen!“. Er gab mir ein Revolver samt Munition.
Ich sah ihn verwundert an.
„Der Weg ist nicht ungefährlich, als Kurier muss man sich verteidigen können!“, sagte er mit hoch gezogenen Augenbrauen.
»Als Kurier muss man sich verteidigen, was werden wir transportieren?“, fragte ich mich.«
Luana kam zu uns rüber. „Und, alles in Ordnung mit dem Pferd?“, fragte sie ihren Mann.
„Ja klar, ich war beim Nachbarn, er hat es mir mit Packsattel und Trense ausgeliehen!“, erwiderte er.
„Gut, nach dem Frühstück brechen wir auf, los jetzt, ach ‚Walter‘, vergiss nicht ein paar warme Sachen und Kleidung zum wechseln einzupacken, es könnte kalt werden!“, sagte Luana.
»Im Beisein ihres Mannes gab sie energische Befehle«
Ich ging in mein Zimmer, packte alles nötige in ein Wasserdichten Sack und eilte zu Luana in die Küche zum Frühstück.
„Da bist du ja, komm setz dich her, sag mal, was hat dir mein Mann hinter dem Pferd zugesteckt?“, fragte sie mich während sie mir Kaffee, Marmelade und Fladenbrot brachte.
„Eigentlich sollst du das gar nicht wissen, er gab mir ein Revolver mit Munition!“, sagte ich mit vorgehaltener Hand.
»Es war eine brasilianische Taurus, 357er Magnum, eine alte, robuste Handfeuerwaffe.«
Luana setzte sich neben mich und fragte mich noch mal:
„Willst du mich immer noch begleiten?“, es ist ein gefährliches Wagnis, das du nicht eingehen mußt.
„Ja klar, ich komme mit dir, ich lasse dich nicht alleine durch die Berge ziehen!“, sagte ich ihr und streichelte mit meiner Hand über die Innenseite ihres Oberschenkels.
„Was musst du eigentlich so dringend besorgen?“, fragte ich sie.
Sie sah mich an und meinte nur:
„Das musst du nicht wirklich wissen!“.
»Ich war neugierig auf das, was auf uns zu kam und  meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele, war lange nicht zu Ende. Diese Frau faszinierte mich, die Stimme, ihre Gestik, ihr ungestümes verhalten auf dem Pferd und in den Bergen. Schon immer liebte ich das Ungewisse, wenn man morgens aufwacht und nicht weiß, was am Abend sein wird. Ich war süchtig auf dieses wilde Leben und konnte in dieser Zeit meine unbändige Wildheit nach Herzenslust ausleben.«
Sie legte ihre Hand auf meine Hand und meinte:
Gut mein Freund, ich geh mal nach dem Packpferd schauen, wenn du soweit bist brechen wir auf!
„Dein Zeug hast du schon gepackt?“, fragte sie mich.
„Aber ja, natürlich, der Sack steht draußen vor meiner Zimmertür!“, sagte ich und trank einen Schluck Kaffee.“
Luana ging nach draußen und stolperte fast über Rudi, der in eine Ecke rannte.
»Sie hatte es wirklich eilig aufzubrechen.«
Als ich mit dem Frühstück fertig war, zog ich meinen kleinen Rucksack über die Schultern, in dem ich den Revolver, Munition, meine Kamera, mein Survival Kit und meine Reiseapotheke verstaut hatte, befestigte ihn mit dem Brustgurt und ging  nach draußen. Luana saß schon auf ihrem halbwilden Hengst, der unruhig auf der Straße umher schritt. Das Packpferd, das zwei Säcke mit unserer Ausrüstung trug, hatte sie mit einem Strick an ihrem Sattel befestigt. Ich führte mein Pferd durch das Tor und stieg auf.
„Ich habe dein Mann nicht mehr gesehen, wo ist er?“, fragte ich Luana.
„Er ist zornig zum Nachbar gelaufen, als ich ihm die Sache mit dem Revolver erzählte, sie müssen sich um die Leiche des Lehrers kümmern und fahren gegen Mittag mit dem Jeep nach Huánuco!“, sagte sie und drängte zum Aufbruch. Wir ritten in die Schlucht hinunter, über die Hängebrücke und weiter in östlicher Richtung hoch in die Berge, in das Ungewisse.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.











EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 23

„Der Auftrag“

Luana hatte den Schrumpfkopf in der Hand und murmelte still vor sich hin, als ich in ihr Zimmer kam, es klang wie ein leises Lied, eine geheimnisvolle Zeremonie. »Kommunizierte sie über die Geister mit ihrem Großvater?«, fragte ich mich.
„Mein Großvater war ein kluger Mann!“, sagte sie mit verhaltener Stimme und stellte das mysteriöse Gebilde zurück aufs Regal.
Sie drehte sich um, lächelte und erzählte:
„Eines Tages fragte ich meine Mutter, was wichtiger ist;“ Lieben oder geliebt zu werden?
Und sie antwortete:
„Kind, dein Großvater hätte gesagt; Welchen Flügel braucht der Condor zum fliegen, den rechten oder den linken?“
„Ein so kluger und aufrichtiger Mann, mein Großvater!“
Luana war nackt, bis auf ein grünes Tuch, das sie um ihre Hüfte gebunden hatte. Sie hatte sich wieder bemalt, mit den blauen Streifen an ihrer Stirn, den roten Spiralen an ihren Wangen und der grüne, breite Strich an ihrem Kinn. Ihr Dekolleté zeigte ein blaues Gewirr, das wie ein Spinnennetz aussah. Drei dimensionale, rote Spiralen die ihre geilen Brüste hervor hoben und ihre erregten Nippeln waren blau wie der Himmel. Ein rotes Hexagramm zierte ihren Bauch. Im Zentrum ihr Nabel als die Sonne, das Lebenslicht.
Sie ging zum Feuer, nahm die Kanne, goss uns Tee in die Tassen und sagte:
„Komm setz dich und trinke ein Tee mit mir, er wird uns gut tun und unsere Seelen öffnen!“
Ich setzte mich zu Luana, trank zwei Schluck des heißen, süßlich herben Tees. Ich spürte sofort diese Mischung aus Kräuter und Alkohol. Ich nahm gleich noch ein Schluck und fragte sie neugierig:
Und wo ist dein Mann jetzt?
„Seit seiner Affäre in Zürich schlafen wir getrennt!“, antwortete sie, dieses Zimmer ist für ihn tabu, aber  wir können die Tür auch abschließen, wenn es dir lieber ist!
Im Schein des Feuers tranken wir unsere Tassen leer. Luana stand auf, ging tänzelnd zur Tür und verschloss sie mit einem Haken. Sie kam zu mir, stellte sich vor mich, nahm mein Kopf in ihre Hände und drückte mein Gesicht gegen ihren Bauch, gegen das Hexagramm.
»Das Hexagramm sagt in der Gegenwart aus, dass man etwas Erwünschtes bekommt, dass es einem durch die eigene Persönlichkeit zuteil wird. Weil man gerade Erwünschtes anzieht und der Mensch das spürt und unterstützt. Kann auch daran liegen, dass man mit seiner Charisma den anderen Mensch beeinflusst.«
Luanas Erwünschtes war die Erotik, ihr Charisma faszinierte mich und der Tee beflügelte uns. Sie hielt mein Kopf fest, ich umfasste ihre Hüften, schob meine Hände unter das Tuch und streichelte ihre Pobacken.
„Und was ist mit der Massage?“ Ich war schon im Liebesrausch.
Sie griff nach hinten und drückte meine Hände fester gegen ihre Pobacken. „Oh ja bitte, da musst du was tun, ich bin total verspannt!“
Plötzlich hörten wir Geräusche, sie kamen von draußen. Luana löste sich aus meiner erotischen Umklammerung, ging zur Tür und lauschte. Sie schaute mich an, drückte ihren Zeigefinger auf ihre Lippen und sagte leise:
Die Pferde sind unruhig, du bist noch angezogen, schau mal nach ihnen bitte;
„Ja klar!“, ich lächelte, stand auf und ging zur Tür.
„Da, nimm die Laterne mit und-!“, sie ging zu ihrem Rucksack und holte den Revolver raus, den sie von Don Pedro bekam; „-da, nimm den mit!“
»Es war eine „44er Magnum, Smith & Wesson“«
„Was soll ich mit dem Revolver, soll ich ein Pferd erschießen oder vielleicht ein Meerschweinchen?“, fragte ich ironisch und erschrocken.
„Nimm ihn bitte, es ist zu deinem eigenen Schutz!“, sagte sie besorgt, „du weißt nicht was draußen los ist.
In der Dunkelheit ist es zu gefährlich, unbewaffnet zu sein!“
„Gut, zu deiner Beruhigung, aber die Laterne lasse ich
da!“, ich steckte den Revolver hinten in mein Gürtel, mein Hemd hatte ihn verdeckt.
Ich setzte mein Hut auf, öffnete leise die Tür und ging nach draußen in die Sternenklare Nacht.
Bei Rudi im Hühnerstall war es ruhig und die Meerschweinchen lagen zusammengekauert in der Ecke und schliefen. Nur hinter dem Waschplatz, im Stall bei den Pferden, da war es unruhig. Ich schlich am Waschtrog vorbei. Von rechts hinten hörte ich Schritte, die langsam näher kamen. Meine Hand hatte ich schon am Revolver, als plötzlich ein Schatten vor mir stand. Es war Señor Ortéga.
„Hola, Don Waltero, können sie auch nicht schlafen?“, fragte er mich mit verhaltener Stimme.
„Nein, die Pferde sind so unruhig, ich wollte mal nach ihnen schauen!“, meine Hand hatte ich noch am Revolver.
„Gut, dann kommen sie mit!“, sagte er leise.
Als wir näher zu den Pferden kamen, rannte ein größeres Tier aus dem Stall, kletterte über die Mauer und verschwand in der Dunkelheit.
„Das war ein Opossum, sagte Señor Ortéga, nichts ungewöhnliches!“
Langsam bekam ich das Vertrauen zurück und nahm meine Hand vom Revolver.
»Es war eine Zeit, in der ich keine Skrupel hatte abzudrücken, zu schießen, um mich zu verteidigen. Es war eine wilde Zeit.«
Wir wollten gerade ins Haus gehen, da hörten wir Schritte und leises Gemurmel von der Straße her.
„Die schon wieder, wen werden sie jetzt abholen?“ Señor Ortéga ging wütend zum Hoftor. „Erst vor zwei Tagen haben sie den Bürgermeister erschossen!“, sagte er leise, wir schauten durch die Ritze.
„Ja, Señor Ortéga, ich weiß, ich stand fast daneben!“, sagte ich und erzählte ihm das Erlebnis meiner nächtlichen Aktion.
„Vermummte waren in das Haus eingedrungen und einer von denen hatten ihn erschossen!“, erzählte ich leise, während die Rebellen an uns vorrüber gingen.
„Sie sind sehr mutig!“, er sah mich mit sorgenvoller Miene an.
„Nein Señor, mutig ist das falsche Wort, neugierig trifft eher zu!“, ich öffnete leise das Tor.
„Kommen sie mit, wir sehen mal nach wohin sie gehen!“, ich war skeptisch, ob er mit ging, aber doch, zusammen gingen wir den Rebellen in einem sicheren Abstand hinterher.
An einer Ecke blieben wir stehen.
„Kommen sie, Don Waltero, wir gehen wieder zurück ins Haus, es ist zu gefährlich hier draußen, ich weiß auch wo die hingehen, die gehen zum örtlichen Lehrer!“, sagte er aufgeregt.
„Da schauen sie, jetzt gehen sie ins Haus!“, er war sehr aufgebracht, zittrig.
In der Dunkelheit konnte ich nur ein paar Schatten erkennen, die in ein Haus gingen, aber er kannte sich aus, er wußte, welches Haus es war.
Dann viel ein Schuss und noch ein Schuss.
„Jetzt mußte auch ‘Jorge’, mein Freund, dran glauben; Gott habe ihn selig!“, er zog sein Hut und murmelte leise vor sich hin, er betete.
»Es war damals eine schlimme Zeit, in der jede wichtige Person verschleppt oder getötet wurde, es waren alle dran, keiner wurde verschont.«
“ ‘Diese Tiere’, kommen sie endlich, wenn sie uns entdecken, sind wir auch dran!“, erzürnt setzte er sein Hut auf und geduckt rannten wir zurück in die Sicherheit.
Im Hof hatten wir uns noch ein wenig unterhalten. Ich erzählte ihm vom Cerro Celmin und von Don Pedro und dass Frau Sánchez (Luana) eine gute Führerin ist.
„Oh ja, meine Frau kennt sich gut aus!“, sagte er.
„Gut, dann gehen wir mal schlafen, nach der aufregenden Zeit!“, er wollte gerade in sein Zimmer gehen, kam aber zurück und meinte:
„Ach, Don Waltero, könnten sie meine Frau nach ‘Monzón’ begleiten?
Sie hat was dringendes zu erledigen, das nicht aufgeschoben werden kann.
Eigentlich wollte ich das selbst machen, aber durch diese Aktion heute Abend, muss ich morgen nach Huánuco. Ihr könnt die Pferde nehmen, es dauert etwa drei Tage. Frau Sánchez  weiß, wo ihr übernachten könnt. Es ist der Sicherheit wegen, und sie können unsere Gegend noch besser kennenlernen, ich will sie nicht alleine los schicken.“
„Hm, das hört sich gut an, ja klar, das mache ich gerne!“,
ich überlegte nicht lange und stimmte zu.
„Gut, dann bis morgen früh. Buenas Noches Don Waltero, schlafen sie gut!“, sagte er.
Ich wartete kurz bis Señor Ortéga in seinem Zimmer war, dann ging ich zu Luana.
„Wo bleibst du denn, du solltest doch nur nach den Pferden schauen, ich machte mir große Sorgen!“, sie reichte mir erregt einen Tee.
Ich gab ihr den Revolver zurück, erzählte von ihrem Mann und dass der Lehrer erschossen wurde. Sie war entsetzt. Im Schein des Feuers blitzten ihre Tränen wie Perlen. Sie kullerten über ihre Wangen und durch die roten Spiralen sah es aus wie Blut.
„Bleib bei mir heute Nacht, ich will nicht alleine sein!“,  langsam zog sie mich aus.
Ich nahm ihr das grüne Tuch von den Hüften und küsste ihre farbigen, geilen Brüste.
„Du willst doch eine Massage, komm leg dich  hin!“, sagte ich leise, ich konnte meine Hände nicht von ihr lassen……..
Der Tee zeigte seine erotische Wirkung.
In der Nacht flogen unsere Seelen bis zu den Sternen und wieder zurück.
Erst früh morgens ging ich in mein Zimmer und ruhte mich etwas aus, für den Ritt nach Monzón, von dem Luana noch nichts wusste.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 22

„Ruinen im Regen“

Luana stand auf dem Hügel, hatte sich eine Blüte der Engelstrompete in ihr Haar gesteckt und versuchte die dunklen Wolken zurück zu pusten. Es war ein seltsames Schauspiel, das ich schon mal im Urubambatal gesehen hatte. Es ist ein Regen-Ritual das manchmal funktionierte, aber nicht hier und nicht heute.
Wir waren mit unseren Pferden unterwegs zum „Cerro Celmin“. Der schmale Pfad zwischen den Sträuchern der Engelstrompete, hinauf auf die baumlosen Hügeln in 3900 Meter Höhe, ließ nur ein Schritttempo der Pferde zu. Die östliche Cordillere war schon wolkenverhangen und das Wetter kam immer näher.
Luana rief von dem Hügel herunter:
„Die Ruinen liegen schon im Regen, ich kenne ein Corral mit einem Unterstand hier in der Nähe, da bleiben wir bis die Wolken durch sind!“
Luana stieg wieder auf ihren halbwilden Hengst und als der schmale Weg zu Ende war, preschten wir mit unseren Pferden über die Hochebene. In zehn Minuten hatten wir den verlassenen Corral erreicht, noch rechtzeitig, bevor der große Regen kam. Die Wolken legten sich über das Hochland und tauchten es in ein diffuses Licht. Wir führten unsere Pferde in den Unterstand und banden sie an kurze Seile fest. Wir nahmen die Wolldecken und verkrochen uns in die aus Bruchsteinen gebaute Höhle.
Diese Bruchsteine stammen  aus einer zerfallenen Ruine der Yarowilka. Die nichtwissenden Campesinos bauten daraus einen Schutzraum für Tier und Mensch. Der Boden in der Höhle war mit getrocknetem Ichú-Gras ausgekleidet, das mit unseren Wolldecken eine gute Isolierung gegen Kälte und Nässe war.
Blitze flackerten durch die Luft, das Wetter war direkt über uns. Der Wind peitschte das Wasser über unseren Unterstand. Es war kein Regen mehr, es war einfach nur Wasser von oben, von der Seite, von überall. Schnell verschloss ich den Eingang mit meinem roten Regenponcho und befestigte ihn mit Steinen. Die Kapuze war unser Guckloch, so konnten wir unsere Pferde gut sehen. Sie standen ruhig an der Mauer, dieses Schauspiel der Regenzeit, das meistens eins bis zwei Stunden lang dauert, waren sie gewohnt.
Durch unsere Körperwärme wurde es schnell angenehm in unserem engen Schutzraum.
Luana zog aus ihrem Rucksack eine Plastikflasche mit kaltem, gesüßtem Kräuter Tee und sagte:
Trinke bitte!, „in dieser Höhe muss man viel trinken!“
Wir tranken die Flasche leer und draußen tobte die Natur.
Die Blitze erzeugten durch meinen Regenponcho ein rotes, flackerndes Licht in unserem intimen Loch.
Luana umklammerte mich, nicht aus Angst. Sie war hungrig auf Liebe, Sex und Zärtlichkeit, es war ihre unbändige Lust auf einen fremden Körper, auf fremde Haut.
»Eine gute Gelegenheit meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele fortzusetzen«, dachte ich.
Der Tee berauschte unsere Sinne, die Kräutermischung hatte sie gut abgestimmt. Immer wenn es blitzte, sah ich ihr Gesicht mit den roten Spiralen. Eine Sinnestäuschung, die mich dermaßen erregte, dass meine Hose zu eng wurde.
Langsam fingen wir an uns gegenseitig auszuziehen.
Sie stammelte leise in mein Ohr:
Die Geister haben dich zu mir geschickt, du bist gekommen, um meine Lust zu stillen.
Sie drückte mich auf den weichen Boden. Ich spürte dieses warme und feuchte Gefühl der Ausgefülltheit. Durch die roten Blitze sah ich einen erregten Schatten über mir, der sich immer heftiger bewegte, ein Schatten in Trance, in Ekstase. Immer wieder sah ich rote Spiralen, die auf mich zu kamen. Luana und ich waren in einer Phase der Hingabe, eines trieblichen Phänomens. Draußen tobte das Wasser der Natur und in unserer erotischen Enge, dieses berauschende „nah sein“, ergoss sich unser Liebessaft der Leidenschaft. Unsere blitzenden, roten Schatten zuckten und zitterten und das Luststöhnen verlor sich im grollenden Donner der Regenzeit.
Diese Szenen der Lust wiederholte sich dreimal.
Nach fast zwei Stunden, krochen wir aus unserem intimen Untergrund. Die Tiere hatten das Wetterspiel gut überstanden.
Als wir wieder klar denken konnten, stiegen wir auf unsere Pferde und ritten im Schritttempo weiter über das Hochland. Der Regen hatte sich hinter die Berge verzogen und die Sonne blinzelte zwischen den greifbaren, dunkelweißen Wolken hervor. Wir waren dem Himmel so nah.
Luana rief plötzlich:
„Da sind sie, die Ruinen vom Cerro Celmin!“
Zwischen Wolkenfetzen konnten wir sie deutlich sehen. Wir kamen diesem seltsamen Gebilde immer näher, das  in der baumlosen Landschaft in 4000 Meter Höhe wie eine abgestellte Eisenbahn aussieht. Es sind 21 aus Bruchsteinen errichtete Würfel, die alle um die zwei Meter hoch sind. An dem einen Ende steht ein kleiner, verfallener Wachtturm, das von weitem aussieht, als wäre es eine Lokomotive.
Wir stiegen von unseren Pferden ab, banden sie an Steinen fest und gingen um die Behälter herum, die  oben offen sind. Die Seitenlängen der Kästen, die schnurgerade am Bergsattel stehen, beträgt etwa dreieinhalb Meter.
Es war ein altes Lebensmittellager der Yarowilka, das damals gut bewacht wurde. Hier in diesen etwa 24 Kubikmetern großen Behältern, die eine seitliche Öffnung für die Luftzirkulation haben, lagerten die Yaros Tonnen von Lebensmittel; Kartoffeln, Korn und Mais.
Luana zog mich zwischen zwei Behälter, küsste mich leidenschaftlich und flüsterte mir ins Ohr:
„Bleib ruhig stehen,“ weiter unten habe ich zwei Männer gesehen, aber ich glaube es sind Campesinos, sie haben Macheten am Gürtel hängen. Ich spürte ihren angespannten, unersättlichen Körper, ihren erregten Herzschlag und wollte nicht wahrhaben, dass diese erotische Situation   gestört wird. Ich schaute um die Ecke, es waren zwei Bauern beim abschlagen des Ichú-Gras, das sie zum Hausbau benötigten. Sie gingen vorbei ohne uns zu beachten.
Luana lehnte sich gegen die Mauer und umklammerte mich. Wir küssten uns zärtlich, dann sagte sie zaghaft:
„Du Walter, wir müssen zurück, es ist schon spät!“ Wir reiten direkt zu mir nach Hause und lassen die Pferde bei uns, morgen brauchen wir sie wieder.
„Und dein Mann?“, fragte ich verwundert, er kommt doch heute Abend aus Huánuco zurück;
„Ach ja, mein Mann?“, entgegnete sie;
„Der lässt mir, seit seinen Eskapaden in der Schweiz, sehr viele Freiheiten!“ Wenn ich ihm sage, dass ich dich begleite, ist das schon in Ordnung!
„Na gut, dann aber los!“, sagte ich.
Wir stiegen auf die Pferde und preschten über das Hochland in Richtung Tantamayo. Über eine Stunde dauerte der Ritt bis zur Hängebrücke.
Ich sagte zu Luana:
„Wie gut dass wir die Pferde genommen haben!“, zu Fuß hätten wir mehr als drei Stunden gebraucht, und mit dem Wetter heute;
„Das meinte ich doch!“, entgegnete sie, ohne die Pferde, das hätten wir nie geschafft!
Im Schritttempo ritten wir durch das Dorf und an Luanas Haus, meiner Unterkunft, stiegen wir ab. Ich öffnete das Hoftor. Die Pferde passten gerade so durch. Rudi, der Hahn, rannte aufgeregt durch den Hof und sein Gefolge hinterher, als sie die großen Tiere bemerkten.
Ihr Mann kam aus einer Tür heraus und direkt auf mich zu. Luana hatte ihn abgefangen, sie redeten sehr heftig in Quechúa, das ich, außer den Wörtern „Don Pedro“, nicht verstand, dann kam er zu mir und lächelte;
„Hallo, Don Waltero, wie geht es ihnen?“, wie war ihr Tag?“, fragte er sehr freundlich.
»Don Pedro musste einen großen Einfluss haben, auf ihn und überhaupt in der ganzen Region«
„Oh ja Señor Ortéga, der Tag war sehr schön und anstrengend!“, sagte ich lächelnd.
„Und was war mit dem Bürgermeister?“, fragte ich.
„Ja, der Bürgermeister, erwiderte er, man hatte ihn vorletzte Nacht erschossen, eine schlimme Sache!“
»Ich hätte ihm sagen können, dass ich fast daneben stand, als der Bürgermeister erschossen wurde, aber auch er wusste nichts von meinem nächtlichen Ausflug und so behielt ich alles für mich«
Señor Ortéga räusperte sich, rückte sein Hut zu recht und sagte:
„Machen sie sich frisch; Don Waltero, meine Gemahlin  ‚Frau Sánchez‘ bringt ihnen später was zu Essen, ich kümmere mich derweil um die Pferde!“.
In der Zwischenzeit wurde es dunkel. Ich brachte meinen kleinen Rucksack in mein Zimmer und ging im Laternenlicht an den Waschtrog. Luana kam schnell hinter mir her und sagte:
„Ich mache dir gleich was zu Essen, er hat Nudel und Fleisch gekocht, du kannst in der Küche essen!“.
Ja gerne, erwiderte ich!
Du, sag mal, fragte ich, warum nennt er dich ‚Frau Sánchez‘?
„Oh, das ist mein Mädchenname, „Luana Ortéga Sánchez“, ich habe ihn behalten, ich bestand drauf!“, entgegnete sie.
Sie streichelte über mein Hintern und flüsterte:
Bis gleich „Liebster Gringo“, lächelte und verschwand in die Küche.
»Die Frau und ihre erotische Seele machten mich wahnsinnig und ich war gespannt, was alles noch passiert in dieser wunderschönen, rätselhaften Abgeschiedenheit, weit weg von allem«
Rudi und sein Harem hatten sich beruhigt, flatterten im Hühnerstall umher und die Meerschweinchen kuschelten in ihrer Ecke. Eins war sehr neugierig und beobachtete mich, als ich
etwas später zu Luana in die Küche ging. Ich saß am Feuer und genoss das zarte Fleisch, das ein Hasenähnlichen Geschmack hatte.
„Was ist das für ein köstliches Fleisch?“, fragte ich neugierig.
„Das ist ein ‚Quwi‘, ein Meerschweinchen, eine Spezialität hier bei uns in den Anden!“, entgegnete Luana. Sie saß am Feuer, schürte in den getrockneten Kuhfladen und legte ein Stück Holz nach.
Ich schaute sie erstaunt an und dachte; »oh, nichts für zarte Seelen, es war das gleiche delikate Fleisch, das ich zwei Jahre vorher auf einer Zugfahrt von Cuzco nach Machu Picchu ‚Nichtwissend‘ gegessen hatte«
Die Flammen des Feuers spiegelten sich in ihren erotischen Augen. Dann sagte sie:
„Mir tut der Rücken so weh und mein Hintern vom Sattel, komm nach dem Essen zu mir in mein Zimmer auf ein Tee, ich brauche eine Massage!“.
„Natürlich komme ich!“, erwiderte ich und folgte später ihrem erotischen Lockruf.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.