EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 22

„Ruinen im Regen“

Luana stand auf dem Hügel, hatte sich eine Blüte der Engelstrompete in ihr Haar gesteckt und versuchte die dunklen Wolken zurück zu pusten. Es war ein seltsames Schauspiel, das ich schon mal im Urubambatal gesehen hatte. Es ist ein Regen-Ritual das manchmal funktionierte, aber nicht hier und nicht heute.
Wir waren mit unseren Pferden unterwegs zum „Cerro Celmin“. Der schmale Pfad zwischen den Sträuchern der Engelstrompete, hinauf auf die baumlosen Hügeln in 3900 Meter Höhe, ließ nur ein Schritttempo der Pferde zu. Die östliche Cordillere war schon wolkenverhangen und das Wetter kam immer näher.
Luana rief von dem Hügel herunter:
„Die Ruinen liegen schon im Regen, ich kenne ein Corral mit einem Unterstand hier in der Nähe, da bleiben wir bis die Wolken durch sind!“
Luana stieg wieder auf ihren halbwilden Hengst und als der schmale Weg zu Ende war, preschten wir mit unseren Pferden über die Hochebene. In zehn Minuten hatten wir den verlassenen Corral erreicht, noch rechtzeitig, bevor der große Regen kam. Die Wolken legten sich über das Hochland und tauchten sie in ein diffuses Licht. Wir führten unsere Pferde in den Unterstand und banden sie an kurze Seile fest. Wir nahmen die Wolldecken und verkrochen uns in die aus Bruchsteinen gebaute Höhle.
Diese Bruchsteine stammen  aus einer zerfallenen Ruine der Yarowilka. Die nichtwissenden Campesinos bauten daraus einen Schutzraum für Tier und Mensch. Der Boden in der Höhle war mit getrocknetem Ichú-Gras ausgekleidet, das mit unseren Wolldecken eine gute Isolierung gegen Kälte und Nässe war.
Blitze flackerten durch die Luft, das Wetter war direkt über uns. Der Wind peitschte das Wasser über unseren Unterstand. Es war kein Regen mehr, es war einfach nur Wasser von oben, von der Seite, von überall. Schnell verschloss ich den Eingang mit meinem roten Regenponcho und befestigte ihn mit Steinen. Die Kapuze war unser Guckloch, so konnten wir unsere Pferde gut sehen. Sie standen ruhig an der Mauer, dieses Schauspiel der Regenzeit, das meistens eins bis zwei Stunden lang dauert, waren sie gewohnt.
Durch unsere Körperwärme wurde es schnell angenehm in unserem engen Schutzraum.
Luana zog aus ihrem Rucksack eine Plastikflasche mit kaltem, gesüßtem Kräuter Tee und sagte:
Trinke bitte!, „in dieser Höhe muss man viel trinken!“
Wir tranken die Flasche leer und draußen tobte die Natur.
Die Blitze erzeugten durch meinen Regenponcho ein rotes, flackerndes Licht in unserem intimen Loch.
Luana umklammerte mich, nicht aus Angst. Sie war hungrig auf Liebe, Sex und Zärtlichkeit, es war ihre unbändige Lust auf einen fremden Körper, auf fremde Haut.
»Eine gute Gelegenheit meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele fortzusetzen«, dachte ich.
Der Tee berauschte unsere Sinne, die Kräutermischung hatte sie gut abgestimmt. Immer wenn es blitzte, sah ich ihr Gesicht mit den roten Spiralen. Eine Sinnestäuschung, die mich dermaßen erregte, dass meine Hose zu eng wurde.
Langsam fingen wir an uns gegenseitig auszuziehen.
Sie stammelte leise in mein Ohr:
Die Geister haben dich zu mir geschickt, du bist gekommen, um meine Lust zu stillen.
Sie drückte mich auf den weichen Boden. Ich spürte dieses warme und feuchte Gefühl der Ausgefülltheit. Durch die roten Blitze sah ich einen erregten Schatten über mir, der sich immer heftiger bewegte, ein Schatten in Trance, in Ekstase. Immer wieder sah ich rote Spiralen, die auf mich zu kamen. Luana und ich waren in einer Phase der Hingabe, eines trieblichen Phänomens. Draußen tobte das Wasser der Natur und in unserer erotischen Enge, dieses berauschende „nah sein“, ergoss sich unser Liebessaft der Leidenschaft. Unsere blitzenden, roten Schatten zuckten und zitterten und das Luststöhnen verlor sich im grollenden Donner der Regenzeit.
Diese Szenen der Lust wiederholte sich dreimal.
Nach fast zwei Stunden, krochen wir aus unserem intimen Untergrund. Die Tiere hatten das Wetterspiel gut überstanden.
Als wir wieder klar denken konnten, stiegen wir auf unsere Pferde und ritten im Schritttempo weiter über das Hochland. Der Regen hatte sich hinter die Berge verzogen und die Sonne blinzelte zwischen den greifbaren, dunkelweißen Wolken hervor. Wir waren dem Himmel so nah.
Luana rief plötzlich:
„Da sind sie, die Ruinen vom Cerro Celmin!“
Zwischen Wolkenfetzen konnten wir sie deutlich sehen. Wir kamen diesem seltsamen Gebilde immer näher, das  in der baumlosen Landschaft in 4000 Meter Höhe wie eine abgestellte Eisenbahn aussieht. Es sind 21 aus Bruchsteinen errichtete Würfel, die alle um die zwei Meter hoch sind. An dem einen Ende steht ein kleiner, verfallener Wachtturm, das von weitem aussieht, als wäre es eine Lokomotive.
Wir stiegen von unseren Pferden ab, banden sie an Steinen fest und gingen um die Behälter herum, die  oben offen sind. Die Seitenlängen der Kästen, die schnurgerade am Bergsattel stehen, beträgt etwa dreieinhalb Meter.
Es war ein altes Lebensmittellager der Yarowilka, das damals gut bewacht wurde. Hier in diesen etwa 24 Kubikmetern großen Behältern, die eine seitliche Öffnung für die Luftzirkulation haben, lagerten die Yaros Tonnen von Lebensmittel; Kartoffeln, Korn und Mais.
Luana zog mich zwischen zwei Behälter, küsste mich leidenschaftlich und flüsterte mir ins Ohr:
„Bleib ruhig stehen,“ weiter unten habe ich zwei Männer gesehen, aber ich glaube es sind Campesinos, sie haben Macheten am Gürtel hängen. Ich spürte ihren angespannten, unersättlichen Körper, ihren erregten Herzschlag und wollte nicht wahrhaben, dass diese erotische Situation   gestört wird. Ich schaute um die Ecke, es waren zwei Bauern beim abschlagen des Ichú-Gras, das sie zum Hausbau benötigten. Sie gingen vorbei ohne uns zu beachten.
Luana lehnte sich gegen die Mauer und umklammerte mich. Wir küssten uns zärtlich, dann sagte sie zaghaft:
„Du Walter, wir müssen zurück, es ist schon spät!“ Wir reiten direkt zu mir nach Hause und lassen die Pferde bei uns, morgen brauchen wir sie wieder.
„Und dein Mann?“, fragte ich verwundert, er kommt doch heute Abend aus Huánuco zurück;
„Ach ja, mein Mann?“, entgegnete sie;
„Der lässt mir, seit seinen Eskapaden in der Schweiz, sehr viele Freiheiten!“ Wenn ich ihm sage, dass ich dich begleite, ist das schon in Ordnung!
„Na gut, dann aber los!“, sagte ich.
Wir stiegen auf die Pferde und preschten über das Hochland in Richtung Tantamayo. Über eine Stunde dauerte der Ritt bis zur Hängebrücke.
Ich sagte zu Luana:
„Wie gut dass wir die Pferde genommen haben!“, zu Fuß hätten wir mehr als drei Stunden gebraucht, und mit dem Wetter heute;
„Das meinte ich doch!“, entgegnete sie, ohne die Pferde, das hätten wir nie geschafft!
Im Schritttempo ritten wir durch das Dorf und an Luanas Haus, meiner Unterkunft, stiegen wir ab. Ich öffnete das Hoftor. Die Pferde passten gerade so durch. Rudi, der Hahn, rannte aufgeregt durch den Hof und sein Gefolge hinterher, als sie die großen Tiere bemerkten.
Ihr Mann kam aus einer Tür heraus und direkt auf mich zu. Luana hatte ihn abgefangen, sie redeten sehr heftig in Quechúa, das ich, außer den Wörtern „Don Pedro“, nicht verstand, dann kam er zu mir und lächelte;
„Hallo, Don Waltero, wie geht es ihnen?“, wie war ihr Tag?“, fragte er sehr freundlich.
»Don Pedro musste einen großen Einfluss haben, auf ihn und überhaupt in der ganzen Region«
„Oh ja Señor Ortéga, der Tag war sehr schön und anstrengend!“, sagte ich lächelnd.
„Und was war mit dem Bürgermeister?“, fragte ich.
„Ja, der Bürgermeister, erwiderte er, man hatte ihn vorletzte Nacht erschossen, eine schlimme Sache!“
»Ich hätte ihm sagen können, dass ich fast daneben stand, als der Bürgermeister erschossen wurde, aber auch er wusste nichts von meinem nächtlichen Ausflug und so behielt ich alles für mich«
Señor Ortéga räusperte sich, rückte sein Hut zu recht und sagte:
„Machen sie sich frisch; Don Waltero, meine Gemahlin  ‚Frau Sánchez‘ bringt ihnen später was zu Essen, ich kümmere mich derweil um die Pferde!“.
In der Zwischenzeit wurde es dunkel. Ich brachte meinen kleinen Rucksack in mein Zimmer und ging im Laternenlicht an den Waschtrog. Luana kam schnell hinter mir her und sagte:
„Ich mache dir gleich was zu Essen, er hat Nudel und Fleisch gekocht, du kannst in der Küche essen!“.
Ja gerne, erwiderte ich!
Du, sag mal, fragte ich, warum nennt er dich ‚Frau Sánchez‘?
„Oh, das ist mein Mädchenname, „Luana Ortéga Sánchez“, ich habe ihn behalten, ich bestand drauf!“, entgegnete sie.
Sie streichelte über mein Hintern und flüsterte:
Bis gleich „Liebster Gringo“, lächelte und verschwand in die Küche.
»Die Frau und ihre erotische Seele machten mich wahnsinnig und ich war gespannt, was alles noch passiert in dieser wunderschönen, rätselhaften Abgeschiedenheit, weit weg von allem«
Rudi und sein Harem hatten sich beruhigt, flatterten im Hühnerstall umher und die Meerschweinchen kuschelten in ihrer Ecke. Eins war sehr neugierig und beobachtete mich, als ich
etwas später zu Luana in die Küche ging. Ich saß am Feuer und genoss das zarte Fleisch, das ein Hasenähnlichen Geschmack hatte.
„Was ist das für ein köstliches Fleisch?“, fragte ich neugierig.
„Das ist ein ‚Quwi‘, ein Meerschweinchen, eine Spezialität hier bei uns in den Anden!“, entgegnete Luana. Sie saß am Feuer, schürte in den getrockneten Kuhfladen und legte ein Stück Holz nach.
Ich schaute sie erstaunt an und dachte; »oh, nichts für zarte Seelen, es war das gleiche delikate Fleisch, das ich zwei Jahre vorher auf einer Zugfahrt von Cuzco nach Machu Picchu ‚Nichtwissend‘ gegessen hatte«
Die Flammen des Feuers spiegelten sich in ihren erotischen Augen. Dann sagte sie:
„Mir tut der Rücken so weh und mein Hintern vom Sattel, komm nach dem Essen zu mir in mein Zimmer auf ein Tee, ich brauche eine Massage!“.
„Natürlich komme ich!“, erwiderte ich und folgte später ihrem erotischen Lockruf.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 21

„BRASILIANISCHES  LIEBESSPIEL“

Schau mal der Hengst!, rief sie und deutete auf den Schwarzen. Er schnaubte, wieherte und trabte mit gebogenem Hals um eine Stute herum. Luana und ich saßen auf der Steinmauer und beobachteten die sieben Pferde im Corral. Es waren „Criollos“, eine begehrte, südamerikanische Rasse im peruanischen Hochland, ruhige Arbeits- und Reitpferde.
Ich saß eng hinter ihr und hatte meine Beine um ihre Hüfte geschlagen. Ihr Haar roch süßlich herb, es war der Duft der letzten Nacht. Ich umfasste ihren geilen Körper, drückte ihn ganz fest an mich. Sie legte ihren Kopf nach hinten auf meine Schulter und ich knabberte an ihrem Ohrläppchen.
»Ihr leises Lustkichern höre ich heute noch in meinen Träumen«. Wir genossen diese Morgengeilheit und die wärmenden Sonnenstrahlen des frühen Tages.
Sie hob ihren Kopf. „Da schau  doch“!, rief sie, der Schwarze, er besteigt die Stute, er begattet sie! Ich glaube, das gibt demnächst ein Fohlen. „Also den Schwarzen nehme ich, ich liebe Hengste!“, sagte sie.
Dann nehme ich die Stute, flüsterte ich ihr ins Ohr.
Gut, meinte sie, wir warten bis das Liebesspiel zu Ende ist, dann hole ich sie. Du wartest hier an der Mauer.
Luana genoss derweil meine Hände, meine Liebkosungen und mein Liebesgeflüster.
Es dauerte eine Weile, bis sich die Pferde beruhigten,
ganz im Gegenteil zu uns. Wir schaukelten uns gegenseitig in die Erregung. Aber dann löste sich Luana aus meiner erotischen Umklammerung, nahm das Seil und ging langsam von der Seite auf den Hengst zu.
Er schnaubte, scharrte mit dem rechten Huf und brach nach vorne aus.
„Wenn du den Hengst willst, mußt du ihn einfangen!“, rief ich ihr zu. Sie lächelte und probierte es noch einmal.
Wieder ging sie auf den Schwarzen zu, blieb auf halber Strecke stehn und streckte ihren Arm nach ihm.
Der Hengst wieherte, nickte mit seinem Kopf und kam langsam auf Luana zu. Sie legte das Seil um seinen Hals und führte ihn zu mir.
„Da, halt ihn fest“!, sagte sie. Luana gab mir das Seil und legte dem Schwarzen das Zaumzeug an, setzte ruhig den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Den müssen wir später nachziehen!, meinte sie.
Ja, ich weiß, erwiderte ich.
Luana zog das Seil ab, gab mir die Zügel in die Hand und sagte:
Halt ihn fest, ich hole jetzt die Stute.
„Pass auf dich auf Luana, die Stute ist rossig!“, sagte ich.
Sie lachte und meinte:
Hab keine Bedenken, mit „rossig sein“, da kenn ich mich aus.
»Eine rossige Stute kann sehr zickig sein und hat ihren eigenen Kopf, aber so ist das bei jedem weiblichen Wesen. Die sexuelle Lust kann sehr launisch machen, aber auch  lammfromm. Und zwischen launisch und lammfromm gibt es viele Nuancen. Gerade muß ich an das weibliche Wesen, diese bildhübsche Brasilianerin in Buenos Aires denken.
Wie war das noch, damals, in Argentinien 1987:
»»Ich kam mit einem Güterzug durch den Gran Chaco, über Corrientes und Posadas zu den „Cataratas del Iguazu“, wo ich einige Tage verweilte. Dann diese 36 stündige Busfahrt nach Buenos Aires. Es war Ende April, später Sommer in der Hauptstadt am Rio de la Plata. Ich fand ein billiges Zimmer im „Hebron Hotel“ in der Avenida Rivadavia 3063, gleich neben dem „Plaza Miserere“.
Drei Wochen mußte ich warten auf einen freien Sitzplatz für mein Rückflug nach Amsterdam. Ich hatte also  genügend Zeit, das Leben und die Menschen in dieser Millionen Metropole kennen und lieben zu lernen.
Eines Nachmittags saß ich in einem Kaffeehaus an der Plaza Lavalle, trank Cappuccino, blätterte in einer Zeitschrift und ging meiner Lieblingsbeschäftigung nach, ich beobachtete die Leute und das pulsierende Leben auf der Straße. Ich saß an einem Fenster, quasi in der ersten Reihe und hatte alles unter Kontrolle. Von weitem sah ich sie schon, die bildhübsche Frau mit den kleinen schwarzen Locken und dem niedlichen, braunen Gesicht. Ihre zierliche Nase passte zu den leicht rundlichen Lippen. Ihr weißer Faltenrock ging bis zu den Knien. Das weiße Shirt mit den Spagettiträgern, die schwarze Jacke und die schwarzen Mokkasins.
Eine Traumfrau aus dem Bilderbuch. An dem Fenster, hinter dem ich saß, blieb sie zufällig stehn und schaute besorgt zurück. Beim umdrehen sah sie mich sitzen, kam an das Fenster und blickte mir direkt in die Augen. Ich blinzelte kurz, dann ging sie weiter.
Was war das denn?, dachte ich, war das die argentinische Göttin der Liebe?
Ich blätterte weiter in meiner Zeitschrift.
„Ach Herr Ober, bitte noch ein Cappuccino, ach, und ein Glas Wasser bitte!, si, por favor, otra vez!“ Ich bestellte mir noch einen, zog mein Tagebuch aus meiner Tasche und schrieb meine Gedanken auf. Es war schon später Nachmittag, als ich plötzlich hinter mir eine weibliche Stimme hörte. Ihr klang war erotisch, jung und direkt. Buenas noches Señor, lo siento, puede ayudarme?
(Guten Abend Herr, entschuldigung, können sie mir helfen)
Ich drehte mich um.
Ich sah erst mal „Weiß“, keine zehn Zentimeter vor meinen Augen. Ich dachte, “nanu, ist das schon das Paradies?”
Mein Blick wanderte nach oben, durch ein Tal, umsäumt mit wilden Hügeln, deren Spitzen ich noch nicht erkannte. Ungezähmte braune Weiblichkeit . Die zarte Haut des Halses, das niedliche, ja fast kindliche Gesicht. Es war diese argentinische Liebesgöttin, die mich durch das Fenster angeschaut hatte.
„Aber Señorita, sagte ich, ich bin geboren um zu helfen!“
Damit ich aufstehen konnte, musste sie ein Schritt zurück gehen. Ich bot ihr den Stuhl neben mir an und fragte lächelnd:
„Willst du dich setzen?“
„Was möchtest du trinken?“,  „Cappuccino?“
Nervös setzte sie sich, legte ein Bein über das andere und zupfte ihren weißen Faltenrock etwas hoch.
Nein, sagte sie bestimmend, ich möchte ein Espresso bitte!
„Herr Ober, rief ich, ein Espresso für die Señorita bitte!“
Si esta bien, kommt sofort!, erwiderte er.
Was kann ich für dich tun?
Wie kann ich dir helfen?, fragte ich weiter.
Und sie erzählte:
Ich bin „Gabriela“, ich komme aus Brasilien, aus „Porto Alegre“. Ich kam gestern mit dem Bus nach Montevideo und heute Morgen mit dem Schnellboot über den Rio de la Plata nach Buenos Aires. Ich suche ein Zimmer in der Stadt, aber hier in der Gegend sind alle Hotels belegt. Hast du vielleicht eine Idee?
Oh, ich wohne im Hebron Hotel in der Rivadavia!, sagte ich zu ihr, du kannst ja da mal fragen, ich denke, da ist noch was frei. Es ist kein Luxus Hotel, es ist billig, hat aber alles was man braucht; Dusche und Waschbecken im Zimmer, fließend Wasser, warm und kalt, sogar ein kleines TV Gerät, das auf der Minibar steht und es ist sauber.
Sie schaute mich verwundert an und schmunzelte.
Wer bist du?
Woher kommst du?
Was machst du hier?
Fragen prasselten auf mich ein. Sie hatte bemerkt, dass ich Ausländer bin, mein Akzent und meine schlechte Grammatik hatten mich wohl verraten.
Ich bin Walter, ich komme aus Deutschland, ich warte hier auf schöne Brasileras, die mich ansprechen und Hilfe brauchen.
Ein breites Lachen, das durch das ganze Kaffeehaus hallte, kam über ihr Gesicht.
Sie beugte sich zu mir, da sah ich am Ansatz ihres jungen und geilen Busens eine rote Rose blitzen.
Und warum hast du mit den Augen gezwinkert?, fragte sie leise.
„Wenn mich eine ‚Göttin der Liebe‘ anschaut, dann muß ich doch reagieren!“ Um den Hals fallen konnte ich dir nicht, da war das Fenster dazwischen; sagte ich ihr ins Ohr. Ihr zartes Gesicht wechselte die Farbe ins rötlich braune und war so nah, dass ich mit meinen Barthaaren ihre süße Nase streicheln konnte.
So lass uns doch ins „Hebron“ gehen, ich bin müde, hauchte sie.
Herr Ober, die Rechnung bitte!
Gabriela zog ihre rote Reisetasche über die Schulter, ich bezahlte, dann liefen wir durch die Straßen zum Hotel.
Am Plaza Miserere blieb sie stehen;
Ist es noch weit?
Es wird schon dunkel!, zickte  sie störrisch umher.
Komm, wir sind gleich da!, beruhigte ich sie.
Sie (oder wir) hatten Glück, sie bekam das letzte Doppelzimmer zum Preis eines Einzelzimmers.
Sie bezahlte für drei Nächte im voraus.
Wir gingen hoch in unsere Zimmer.
Ich geh jetzt duschen!, sagte sie, kommst du noch mal bis in einer halben Stunde?, du kannst mir noch mal helfen.
Ja klar!, erwiderte ich, du weißt ja, ich bin geboren um zu helfen.
Schmunzelnd verschwand sie hinter der Tür mit der Nummer 7.
Ich duschte, zog mir was leichtes an und ging dann zum Zimmer Nr.7;
Ich klopfte ein Mal, ich klopfte ein zweites Mal, dann rief sie:
Komm rein, die Tür ist offen!
Ich öffnete die Tür.
Gabriela saß lasziv auf dem Tisch, ihr Tangaslip, ihr Oberteil, rote Riemen, die nur das nötigste bedeckten, ein Hauch von Nichts.
Sie winkelte ihr rechtes Bein an und sagte:
Mach die Tür zu und komm zu mir, ich habe da ein Problem!
Ich machte die Tür zu, schloss sie ab und ging zu ihr.
Wie kann ich dir helfen? Señorita Gabriela ?
Meine Fragen waren ein Schauspiel.
Sie nahm meinen Kopf in ihre Hände, gab mir einen der leidenschaftlichsten Küsse, die ich je hatte und drückte meinen Kopf nach unten.
Das Problem liegt tief in mir!, hauchte sie bestimmend.
Ihre Stimme klang extasisch.
Sie lehnte sich zurück auf den Tisch. Das bisschen Stoff an ihrer rasierten Vulva triefte vor Nässe und…….««
Es waren aufregende drei Tage und Nächte voller Glücksmomente. So wie sie kam, war sie früh morgens verschwunden, plötzlich und unerwartet.«
Luana brachte die Stute ohne Probleme zu mir. Ich legte ihr das Zaumzeug an, setzte den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Wir führten die Pferde bis zu den Stallungen. Luana holte zwei Wolldecken, die wir an den Sätteln befestigten, dann stiegen wir auf und ritten los Wir bemerkten nicht die dunklen Wolken, die von Osten herein zogen.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 20

„Don Pedro“

Das Dorf war wie ausgestorben, als wir zu Luanas Onkel liefen. Die Senderos waren in der Nacht hier gewesen und hatten eine bekannte Familie des toten Bürgermeisters entführt. In den rituellen Zeremonien unserer erotischen Seelen, hatten wir von all dem nichts mitbekommen.
Die wärmenden Sonnenstrahlen hatten die kühle Frische im Tantamayotal verdrängt. Wir stiegen in die Schlucht, gingen über die Hängebrücke und weiter auf dem Trampelpfad am Hang entlang nach Pariarca, wo Luanas Onkel wohnte. Die Sträucher der Engelstrompete, dessen Tee uns letzte Nacht in erotischen Trance versetzte, säumten den Weg bis in die kleine Siedlung.
Der Pfad war schmal, so ging ich Luana hinterher, immer ihren erotischen Hintern im Blick. Ihre schwarze Cargo Hose verdeckte das geile Teil. Wie gern wäre ich das Pferd, auf dem sie heute den ganzen Tag sitzen wird, dachte ich.
Plötzlich blieb sie stehen, drehte sich um, umarmte mich und sagte:
Erzähle meinem Onkel nichts von unseren nächtlichen Ritualen, von unserem Erlebnis bei den Kühen! Das muss er alles nicht wissen.
Reflexartig umfasste ich ihren Hintern und drückte ihn gegen mein Becken.
Hab keine Angst, ich erzähle nichts, hauchte ich ihr ins Ohr.
Sie spürte meine Erregung, schob ihre Hand dazwischen und meinte:
Der ist aber auch unersättlich, komm lass uns weitergehen, wir haben noch genug Zeit, die ganze Woche.
Ihr schwarzes Haar, das sie offen trug, war vom Wind zerzaust. Ihr braunes, unbemaltes Gesicht, ihr laszives Lächeln, ihr wohlgeformter, geiler Körper. Die Frau machte mich wahnsinnig und trieb mich in eine Welt, die ich so noch nicht kannte.
Da ist das Haus meines Onkels! Rief sie und deutete auf ein großes, aus Natursteinen gebautes Gebäude und einem Dach aus roten Lehmziegeln.
Daneben standen noch ein paar wenige kleinere Lehmhütten. Als wir näher kamen, sahen wir drei Männer, die fünf Pferde mit Gepäcksäcken beluden.
Sie richteten eine Karawane her.
Ein anderer Mann kam gerade aus dem Haus, er hatte ein Revolver in der Hand.
Hola Tío! Rief Luana ihm zu. Es war ihr Onkel.
Als er uns sah, steckte er den Revolver unter seinem Poncho weg.
Hola Luana mi sobrina, qué haces aquí?
a quien traes contigo?
(hallo Luana meine Nichte, was machst du hier?
wen bringst du da mit?)
Die Begrüßung war sehr herzlich. Küsschen links, Küsschen rechts, eine innige Umarmung.
-Darf ich dir vorstellen, Onkel; Das ist Walter aus Deutschland, er ist hier, um die Yarowilka Kultur kennen zu lernen!
-Walter, darf ich dir vorstellen; Das ist „Don Pedro“ mein Onkel!
Buenos días Señor Don Pedro! Sagte ich.
Ein fester Händedruck, eine herzliche Umarmung;
»Als ich ihn umfasste,  spürte ich deutlich seinen Revolver am Gürtel« Hola Walter, komm lass den „Señor“ weg, für dich bin ich „Don Pedro“; Er lächelte und meinte noch:
So so, aus Deutschland, das ist aber selten, sonst kommen doch nur französische Archäologen, die irgendwelche Forschungen betreiben, in unsere Abgeschiedenheit.
»Der Mann war durch und durch ein Macho, seine selbstbewussten Bewegungen, seine Ausstrahlung von Macht und Wohlstand war nicht zu übersehen« Ich schaute ihm in die Augen, zog mein Hut und sagte:
Don Pedro; Eure Landschaft, eure Kultur, eure schönen Frauen, »mit meiner Hand deutete ich auf Luana« meine Leidenschaft hat mich in euer Land geführt.
Sein braunes, von dem harten Leben gezeichnetes Gesicht erstarrte, er verzog keine Mine, dann blinzelte er mir zu und zog sein Hut.
Don Waltero, sagte er, du gefällst mir, Hombre, ein Mann muss Leidenschaftlich sein!
Noch ein Abrazo grande (große Umarmung), dann setzte er sein Hut auf, ging ein Schritt zurück und meinte:
Ich habe nicht viel Zeit, ich will mit den Pferden ins Tiefland, nach Monzon und Tingo María;
Was kann ich für euch tun?
Onkel Pedro, können wir zwei Pferde haben, für ein paar Tage? Fragte Luana.
Aber Luana; Sobrinasita, du weißt doch, für dich tu ich doch alles! Sagte er, lachte und drückte sie an sich.
Du kennst dich doch aus, amorsita, meinte er, geht rüber in die Stallungen, nehmt euch zwei Sättel und was ihr braucht, hinten im Corral stehen die Pferde, sucht euch die besten aus, aber bringt mir sie heil wieder und passt auf euch auf. Braucht ihr noch ein Gewehr, oder ein Revolver? Fragte er, die Rebellen des Sendero sind überall, ihr müsst euch doch im Notfall verteidigen können!
Don Pedro ging ins Haus, kam mit einem kleinen Revolver zurück und gab ihn Luana. Aber pass auf, der ist geladen mit sechs Schuss!
Luana schaute skeptisch.
Ja ja, steck ihn weg, ist ja nur für den Notfall, sagte Don Pedro.
Luana nahm den Revolver und steckte ihn in Ihren kleinen Rucksack. Ich stand neben ihr, war verwundert und sprachlos.
»Die Selbstverständlichkeit mit dem Umgang mit Waffen, war für mich neu.
Ich bin mir sicher, dass in dieser Zeit, jede zweite Person eine Waffe versteckt bei sich trug, es war wohl ein Sicherheitsdenken. Und wie Don Pedro zu diesem Wohlstand kam, war mir schleierhaft. War es ein Drogenschmuggler vielleicht sogar ein Drogenbaron?
Hat er vielleicht mit den Rebellen zusammen gearbeitet?
Oder war der Reichtum in dieser Abgeschiedenheit legal?
Ich hatte es nicht herausfinden können. Es blieb ein Rätsel.«
Don Pedro verabschiedete sich von Luana. Küsschen links und rechts, eine innige Umarmung.
Pass auf dich auf Sobrinasita und bis bald wieder, er lächelte. Die Verabschiedung war so herzlich.
Adiós Don Waltero, pass auf meine kleine Sobrina auf und wenn es Probleme gibt, sagte er, dann könnt ihr immer zu mir kommen. Ein Händedruck, eine Umarmung.
Ich zog mein Hut.
Adiós Don Pedro, hasta luego, sagte ich, dann ging ich mit Luana in die Stallungen. Wir nahmen zwei Sättel und Zaumzeug, liefen weiter zum Corral und suchten uns zwei Pferde aus.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO


Peru 1989
Teil 19

„Die roten Spiralen“

Meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele, erlebte in dieser Nacht einen Glanzpunkt.
In extasischer Trance sahen wir tanzende, nackte Geister, die uns immer wieder beflügelten.
Als ich am frühen Morgen aufwachte, war ich mit Luana Seelenverwandt. Noch im benommenen Zustand, stand ich leise auf, ging zur Tür hinaus und glaubte Monster zusehen. Ich wischte über meine Augen und schüttelte mein Kopf, dann sah ich Rudi, der geile Hahn, vor mir stehen. Sein Gefolge pickte über den Lehmboden. 
Du schon wieder! Rief ich. Er drehte sich um und…. äh äh ähh äähhhtsch.
Es war ein kühler, klarer Morgen. Die grünen, viertausend Meter hohen Berge und der tiefblaue Himmel, ergaben eine kontrastreiche Schnittstelle.
Luana lachte hinter mir. Sie stand nackt in der Tür und rief:
Mach dich frisch, das kalte Wasser wird dir gut tun, ich mache uns derweil Kaffee und Frühstück!
Ich liebte diese Frau, diese Schamanin und ihre erotische Seele.
Das kalte Wasser aus der Zisterne, weckte meine Geister. Schnell ging ich zurück, wäre beinahe über ein Meerschweinchen gestolpert, das erschrocken davon rannte. Ich zog meine Klamotten an und ging in die Küche. Luana war am Kaffee kochen. Lächelnd sah sie mich an.
Irgendwas war anders.
Es waren nicht die steifen Nippeln ihrer festen Brüste, die der kühle Morgen noch geiler machten. Es waren die roten Spiralmotive in ihrem Gesicht. Als ich schlief, hatte sie die Farben gewechselt.
Luana zog sich ihr braunes Kleid über ihren lustvollen Körper. Wir setzten uns ans Feuer und frühstückten mit schwarzem, peruanischem Kaffee, mit Fladenbrot und Marmelade.
Was bedeuten die roten Spiralmotive? Fragte ich sie.
Sie streichelte mein Oberschenkel und antwortete:
Das ist das Symbol unserer immer wiederkehrenden, erotischen Seelen, mit denen wir uns in der Nacht vereinten. Wir werden ewig verbunden sein, bis über den Tod hinaus.
Wenn du zu Hause bist, gehst du auf ein Berg und rufst die Geister, meine erotische Seele wird kommen, wird dich umkreisen und in dich eindringen. Ich bin der Wind in deinen Haaren, ich bin die Regentropfen auf deiner Haut, ich bin die Sonnenstrahlen, die dich streicheln und dich wärmen.
Luana schaute nachdenklich in das Feuer und legte etwas Holz nach.
Ihr Blick war konzentriert, auf einen Punkt gerichtet.
Der Schein der Flamme flackerte in ihrem braunen Gesicht und die roten Spiralen blinkten wie Blitze. Leise murmelte sie etwas in Quechúa, es klang wie ein verhaltener Gesang.
Ich sah sie fragend an.
Keine Antwort. Stille.
Wahrscheinlich eine Verbindung mit den Geistern.
Nach einer Weile stocherte sie mit dem Feuerhaken in der Glut herum und fragte:
Kennst du dich mit Pferden aus? Kannst du reiten?
Ja, schon, sagte ich. Ich war als Kind in einer Voltegiergruppe und später hatte ich noch ein paar Reitstunden gehabt.
Was ist eine Voltegiergruppe? Fragte sie mich. Und ich fing an zu erzählen:
Das Voltegieren ist ein Sport. Ein Mensch, Mann oder Frau, führt ein Pferd an der Longe im Kreis. Das Pferd galoppiert und die Kinder springen auf und machen akrobatische Kunststücke. Drei Jahre lang war ich dabei, bis ich bei einem Saldo rückwärts mein Arm gebrochen habe.
Und was ist mit den Reitstunden? Fragte sie weiter.
>>Oh ja, die Reitstunden, dachte ich. Wie war das noch, damals, mit Sandra, meiner Reitlehrerin? Ich kann mich noch gut erinnern:
Sie war so um die 40 Jahre alt, stand in der Mitte des Reitplatzes und hatte die Peitsche in der Hand.
Es war im Sommer 1975. Die Sonne hatte tagsüber den Sand des Platzes aufgeheizt. Es staubte.
Ihre roten Haare hatte sie zum Zopf gebunden. Ihre hautengen Reithosen, die ihre erotische Figur stark betonte, ihr enges T-Shirt mit dem tiefen Ausschnitt und der Aufschrift „Reiten macht Spaß“. Ich konnte mich nicht auf ihre strengen Kommandos konzentrieren. Ich war Abteilungsreiter, das heißt, ich war in einer Gruppe von fünf Reitern und ich war der einzige Mann.
Einmal die Woche, den ganzen Sommer lang, war ich beim Reitunterricht. Nach jeder Reitstunde mussten wir unser Pferd absatteln und striegeln. Und als die anderen Frauen weg waren, kam Sandra zu mir und sagte:
Ach Walter, kannst du mir mal helfen, ich hab da ein Problem!
Dann verschwanden wir im Stroh. Ich war verrückt nach ihrem schwitzendem Körper, nach ihrer geilen Reife. Ihre strengen Kommandos habe ich immer befolgt. Sie war die perfekte Lehrerin seiner Zeit.<<
Ja, die Reitstunden. Also, ich kann reiten und kenne mich bestens mit Pferden aus, sagte ich und lächelte.
Dann nehmen wir doch die Pferde zum „Cerro Celmin“, mein Onkel hat welche. Ich bin mir sicher, dass wir zwei bekommen können, für eine Zeit lang, meinte sie.
Ja klar, erwiderte ich. Wir sind schneller und es ist nicht so anstrengend, als in der Höhe zu laufen.
Luana küsste mich sanft und sagte:
Mach dich fertig, ich räume hier weg, packe paar Sachen ein, dann gehen wir zu meinem Onkel.

Und das, ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 18

„Ruf der Geister“

Die Dunkelheit brach schnell herein. Es wurde kühl. Ich stand im Hof und lauschte den Geräuschen der sternenklaren Nacht. Im Hühnerstall flatterte es.
Rudi, der Hahn, hatte sich zum schlafen auf die Stange gesetzt. In einer Ecke lagen die Meerschweinchen eng aneinander gekuschelt auf Stroh und Luana sang leise ein Lied in der Küche. Es klang geheimnisvoll, exotisch in ihrer Sprache.
Ich beobachtete sie eine weile durch die offene Tür.
Die schwarzen Haare hatte sie mit einem roten Tuch zusammen gebunden. Ihre erotische Rundungen versteckte sie unter einem langen, braunen Wollkleid, dazu Wollstrümpfe und braune Mokassins.
Ich Iiebte diese Umwandlung, dieses indigene Keusche nach aussen und ihre erotische Seele, das Geile darunter. Ein indianisches Paradoxon, das mich immer mehr faszinierte.
Sie bewegte sich gelassen, kontrolliert und ruhig am Feuer, schamanisch, wie in bestimmten Ritualen. Als sie mich bemerkte, rief sie mich rein. Komm setz dich her ans Feuer, du brauchst keine Angst haben, wir sind alleine. Ich bin gleich soweit, du kannst auch hier essen, meinte sie.
Ich setzte mich auf einen Stein neben das Feuer. Ein Topf stand in der Glut, ein anderer hing an einer Kette über der Flamme. Eine Kanne stand weiter hinten. Es kochte, es zischte und es rauchte. Sie sah mich an und lächelte. Ohh! Rief ich. Habe ich dich gestört?
Ihr Gesicht war seltsam angemalt. Auf ihrer Stirn waren fünf senkrechte, blaue Striche aufgemalt. Ihre Wangen zeigten zwei schwarze Spiralmotive, das gleiche Motiv wie in Piruro, und an ihrem Kinn war ein breiter, grüner Querstrich.
Nein nein, sagte sie, ich habe gern deine Nähe.
Weißt du, beim kochen, meditiere ich oft. Das habe ich von meinem Vater geerbt, er war ein Schamane und kam aus dem Tiefland.
Mit der einen Hand rührte sie mit einem Löffel im Topf  und mit der anderen Hand streichelte sie mein Oberschenkel.
Das Essen ist fertig, ich hole dir ein Teller, sagte sie und stand auf.
Es gab Nudeln mit Fleisch und Soße. Es war so köstlich.
Sie reichte mir eine Tasse Tee.
Was für ein Tee ist das? Fragte ich sie.
Das ist ein Koka Tee mit einer Kräutermischung, sagte sie. Trink, es wird dir gut tun.
Sie stand auf, trug das Geschirr in den Waschtrog, kam zurück und setzte sich, mit einer Tasse Tee, zu mir ans Feuer.
Welche Bedeutung hat die Malerei in deinem Gesicht?
Fragte ich.
Sie sah mich an und meinte:
Die blauen Streifen an meiner Stirn, steht für den Himmel (el Cielo), der grüne Strich an meinem Kinn, steht für die Muttererde (Pachamama) und das schwarze Spiralmotiv an meinen Wangen, das sind die immer wiederkehrenden, schwarzen Seelen der Terroristen, die ich in meinen Ritualen bekämpfe. Es sind furchtbare Bestien, die meine Eltern getötet haben, sagte sie mit erhobener Stimme.
Sie stand wieder auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach.
Komm doch mit in mein Zimmer, da ist es gemütlicher, sagte sie.
Ich betrat das erste mal ein Raum einer Schamanin.
Im Kerzenlicht sah ich den Federschmuck, der von der Decke herunterhing. Selbst- gebastelte Traumfänger, Trommeln und Rasseln zierten die Wände. In der Mitte des Zimmers, eine runde Erhöhung mit grünen und blauen Decken aus Lama Wolle, es war die Schlaf-Insel. Was mich zum Staunen brachte, stand in der Ecke auf einem Holzregal, ein echter Schrumpfkopf.
Luana kam zu mir und legte ihren Arm um meine Hüfte. Das, sagte sie, ist mein Großvater, er war auch Schamane, den habe ich von meinem Vater geerbt.
Das Licht der acht Kerzen warf geheimnisvolle Schatten, die sich drehten, an die Wände und den hellen Lehmboden.
Wir stellten unsere Tassen auf einen kleinen, niederen Tisch und Luana legte etwas Holz nach in dem kleinen Kaminfeuer. Der Tee hatte eine berauschende Wirkung auf uns. Wir setzten uns auf die Schlaf-Insel und Luana fing an zu erzählen:
>>Ich war 15 Jahre alt, als meine Eltern von den Terroristen verschleppt und ermordet wurden, es war eine grauenhafte Nacht. Ein Jahr später habe ich geheiratet, meine Tanten hatten das in die Wege geleitet, damit das kleine Mädchen versorgt war. Einen fast 30 Jahre älteren Mann.
Das Wissen und die Praktiken des Schamanismus, hat mir mein Vater beigebracht. Ich war immer bei rituellen Zeremonien dabei. Er hat mich auch zu den Ritualen im Tiefland mitgenommen.
Und einmal waren wir bei dem Sonnenfest der Inkas, dem „Inti Raymi“, in Cuzco dabei, es war traumhaft.
Vor vier Jahren hatte uns mein Schwager aus der Schweiz besucht und hat uns zwei Flugtickets mitgebracht. Wir sollten ihn mal besuchen kommen.
Ein Jahr später sind wir nach Zürich geflogen. Ich war das erste Mal den Himmelsgeistern so nah.
In Zürich, das war ein Schock. So viel Beton, so viele Lichter, so eine Hektik und der Verkehr, demasiado para mi, es war zuviel für mich.
Wir wohnten bei meinem Schwager und seiner Frau, sie haben ein großes, altes Haus an einem Fluss, ich glaube „Limmat“ heißt er. Die Frau meines Schwagers war in dieser Zeit gar nicht da. Sie ist Archäologin und war mit einer französischen Expedition in Südamerika unterwegs.
Jeden Abend gingen mein Mann und sein Bruder aus dem Haus, mich ließen sie in der Wohnung zurück.
Mein Schwager sagte zu mir:
Wir ziehen mal um die Häuser und sind bald wieder da!
Als sie dann spät in der Nacht zurück kamen, waren sie immer stockbesoffen.<<
Luana stand auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach. Sie ging in die Hocke vor mir, gab mir eine Tasse und sagte:
Schön dass du hier bist, Walter, komm, trinken wir unseren Tee, so lange er heiß ist.
Wir lächelten uns an und tranken den Tee.
Es war eine besondere Mischung mit den Blättern der Koka Pflanze und der Engelstrompete, die hier an jeder Ecke wächst. Die berauschende Wirkung macht unruhig, redselig, der Pulsschlag erhöht sich und die sexuelle Lust wird verstärkt.
Wir tranken die Tassen leer. Luana stellte sie auf den kleinen Tisch, kam zu mir, kuschelte sich an mich und erzählte weiter:
>>Eines Abends kamen sie früher zurück, waren aber nicht alleine. Sie hatten zwei junge Frauen dabei.
Ich war im oberen Stockwerk, hatte sie kommen hören und mich schlafend gestellt. Nach einer Weile schleichte ich die Treppe hinunter. Aus einem Zimmer hörte ich leise Musik. Ich schaute durchs Schlüsselloch. In rotem Licht sah ich die vier nackt auf dem Bett liegen.
Sie küssten sich an ihren intimsten Stellen. Das Luststöhnen der Frauen war nicht zu überhören. Ich klopfte an die Tür. Es dauerte eine Zeit, dann ging die Tür einen Spalt breit auf und mein Mann lallte mich leise an:
Was willst du? Geh nach oben, ich komme bald zu dir. Er schloss wieder die Tür. Das Schlüsselloch hatte er mit irgendwas zu gehängt.
Heulend, traurig und wütend ging ich nach oben und legte mich ins Bett. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich war in einem fremden Land und kannte mich nicht aus.
Mein Mann war so verändert in der Schweiz, er kam mir so fremd vor. Ich hatte ihn geheiratet, damit ich versorgt war. Für mich war er eine Respektsperson. Wir hatten nie Sex miteinander.
Ich hatte mich nach Sex gesehnt, aber nicht mit diesem Mann.
Spät in der Nacht muß er gekommen sein, ich war eingeschlafen und habe ihn nicht kommen hören.
Morgens beim Frühstück hatte ich sie gefragt:
Was habt ihr gemacht? Ich habe euch gesehen mit diesen jungen Frauen!
Mein Mann saß da, starrte in die Ecke und sagte nichts. Mein Schwager herrschte mich an:
Wenn du was erzählst, töte ich dich!
Ja, so ist mein Schwager, immer Gewaltbereit.
Mein Mann sagte nur:
Lass gut sein Carlos, sie erzählt nichts.
Er sah mich mit ernster Miene an und meinte: Sei ruhig jetzt, Luana, es reicht!
Ich war wütend, still und hatte nichts erzählt.
Meinem Mann hatte ich verziehen, er war nur Mitläufer mit seinem besoffenen Kopf, aber den Respekt ihm gegenüber, den habe ich verloren.
Ich habe verziehen und Rache geschworen.<<
Luana stand auf, nahm die Teekanne und schenkte uns wieder nach. Sie gab mir eine Tasse und sagte:
Trink mein lieber Fremder, die Zeit der Rache ist gekommen. Sie kniete sich vor mir, streichelte mein Bart, stand wieder auf und legte Holz im Feuer nach. Sie erzählte weiter:
  >> Auf dem Rückflug nach Lima hatte ich, in einem kleinen Ritual, kontakt mit den Geistern aufgenommen und mit ihnen kommuniziert. Sie hatten mir dazu geraten Rache zunehmen, ich würde mich danach besser fühlen. Vor 14 Tagen habe ich, in einer heiligen Zeremonie, die Geister erneut gerufen. Sie sollten mir endlich jemand schicken, die meinen Rachegelüsten gerecht werden. Dann bist du gekommen, die Geister haben dich zu mir gebracht. <<
Ich war berauscht und verwundert. Luana zog ihr Kleid aus. Nackt kam sie zu mir, knöpfte mein Hemd auf und meinte:
Heute Nacht gehen wir auf eine Seelenreise, unsere erotischen Seelen werden sich vereinen.

Wie es weiter geht, das ist wieder die nächste Geschichte.