EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 21

„BRASILIANISCHES  LIEBESSPIEL“

Schau mal der Hengst!, rief sie und deutete auf den Schwarzen. Er schnaubte, wieherte und trabte mit gebogenem Hals um eine Stute herum. Luana und ich saßen auf der Steinmauer und beobachteten die sieben Pferde im Corral. Es waren „Criollos“, eine begehrte, südamerikanische Rasse im peruanischen Hochland, ruhige Arbeits- und Reitpferde.
Ich saß eng hinter ihr und hatte meine Beine um ihre Hüfte geschlagen. Ihr Haar roch süßlich herb, es war der Duft der letzten Nacht. Ich umfasste ihren geilen Körper, drückte ihn ganz fest an mich. Sie legte ihren Kopf nach hinten auf meine Schulter und ich knabberte an ihrem Ohrläppchen.
»Ihr leises Lustkichern höre ich heute noch in meinen Träumen«. Wir genossen diese Morgengeilheit und die wärmenden Sonnenstrahlen des frühen Tages.
Sie hob ihren Kopf. „Da schau  doch“!, rief sie, der Schwarze, er besteigt die Stute, er begattet sie! Ich glaube, das gibt demnächst ein Fohlen. „Also den Schwarzen nehme ich, ich liebe Hengste!“, sagte sie.
Dann nehme ich die Stute, flüsterte ich ihr ins Ohr.
Gut, meinte sie, wir warten bis das Liebesspiel zu Ende ist, dann hole ich sie. Du wartest hier an der Mauer.
Luana genoss derweil meine Hände, meine Liebkosungen und mein Liebesgeflüster.
Es dauerte eine Weile, bis sich die Pferde beruhigten,
ganz im Gegenteil zu uns. Wir schaukelten uns gegenseitig in die Erregung. Aber dann löste sich Luana aus meiner erotischen Umklammerung, nahm das Seil und ging langsam von der Seite auf den Hengst zu.
Er schnaubte, scharrte mit dem rechten Huf und brach nach vorne aus.
„Wenn du den Hengst willst, mußt du ihn einfangen!“, rief ich ihr zu. Sie lächelte und probierte es noch einmal.
Wieder ging sie auf den Schwarzen zu, blieb auf halber Strecke stehn und streckte ihren Arm nach ihm.
Der Hengst wieherte, nickte mit seinem Kopf und kam langsam auf Luana zu. Sie legte das Seil um seinen Hals und führte ihn zu mir.
„Da, halt ihn fest“!, sagte sie. Luana gab mir das Seil und legte dem Schwarzen das Zaumzeug an, setzte ruhig den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Den müssen wir später nachziehen!, meinte sie.
Ja, ich weiß, erwiderte ich.
Luana zog das Seil ab, gab mir die Zügel in die Hand und sagte:
Halt ihn fest, ich hole jetzt die Stute.
„Pass auf dich auf Luana, die Stute ist rossig!“, sagte ich.
Sie lachte und meinte:
Hab keine Bedenken, mit „rossig sein“, da kenn ich mich aus.
»Eine rossige Stute kann sehr zickig sein und hat ihren eigenen Kopf, aber so ist das bei jedem weiblichen Wesen. Die sexuelle Lust kann sehr launisch machen, aber auch  lammfromm. Und zwischen launisch und lammfromm gibt es viele Nuancen. Gerade muß ich an das weibliche Wesen, diese bildhübsche Brasilianerin in Buenos Aires denken.
Wie war das noch, damals, in Argentinien 1987:
»»Ich kam mit einem Güterzug durch den Gran Chaco, über Corrientes und Posadas zu den „Cataratas del Iguazu“, wo ich einige Tage verweilte. Dann diese 36 stündige Busfahrt nach Buenos Aires. Es war Ende April, später Sommer in der Hauptstadt am Rio de la Plata. Ich fand ein billiges Zimmer im „Hebron Hotel“ in der Avenida Rivadavia 3063, gleich neben dem „Plaza Miserere“.
Drei Wochen mußte ich warten auf einen freien Sitzplatz für mein Rückflug nach Amsterdam. Ich hatte also  genügend Zeit, das Leben und die Menschen in dieser Millionen Metropole kennen und lieben zu lernen.
Eines Nachmittags saß ich in einem Kaffeehaus an der Plaza Lavalle, trank Cappuccino, blätterte in einer Zeitschrift und ging meiner Lieblingsbeschäftigung nach, ich beobachtete die Leute und das pulsierende Leben auf der Straße. Ich saß an einem Fenster, quasi in der ersten Reihe und hatte alles unter Kontrolle. Von weitem sah ich sie schon, die bildhübsche Frau mit den kleinen schwarzen Locken und dem niedlichen, braunen Gesicht. Ihre zierliche Nase passte zu den leicht rundlichen Lippen. Ihr weißer Faltenrock ging bis zu den Knien. Das weiße Shirt mit den Spagettiträgern, die schwarze Jacke und die schwarzen Mokkasins.
Eine Traumfrau aus dem Bilderbuch. An dem Fenster, hinter dem ich saß, blieb sie zufällig stehn und schaute besorgt zurück. Beim umdrehen sah sie mich sitzen, kam an das Fenster und blickte mir direkt in die Augen. Ich blinzelte kurz, dann ging sie weiter.
Was war das denn?, dachte ich, war das die argentinische Göttin der Liebe?
Ich blätterte weiter in meiner Zeitschrift.
„Ach Herr Ober, bitte noch ein Cappuccino, ach, und ein Glas Wasser bitte!, si, por favor, otra vez!“ Ich bestellte mir noch einen, zog mein Tagebuch aus meiner Tasche und schrieb meine Gedanken auf. Es war schon später Nachmittag, als ich plötzlich hinter mir eine weibliche Stimme hörte. Ihr klang war erotisch, jung und direkt. Buenas noches Señor, lo siento, puede ayudarme?
(Guten Abend Herr, entschuldigung, können sie mir helfen)
Ich drehte mich um.
Ich sah erst mal „Weiß“, keine zehn Zentimeter vor meinen Augen. Ich dachte, “nanu, ist das schon das Paradies?”
Mein Blick wanderte nach oben, durch ein Tal, umsäumt mit wilden Hügeln, deren Spitzen ich noch nicht erkannte. Ungezähmte braune Weiblichkeit . Die zarte Haut des Halses, das niedliche, ja fast kindliche Gesicht. Es war diese argentinische Liebesgöttin, die mich durch das Fenster angeschaut hatte.
„Aber Señorita, sagte ich, ich bin geboren um zu helfen!“
Damit ich aufstehen konnte, musste sie ein Schritt zurück gehen. Ich bot ihr den Stuhl neben mir an und fragte lächelnd:
„Willst du dich setzen?“
„Was möchtest du trinken?“,  „Cappuccino?“
Nervös setzte sie sich, legte ein Bein über das andere und zupfte ihren weißen Faltenrock etwas hoch.
Nein, sagte sie bestimmend, ich möchte ein Espresso bitte!
„Herr Ober, rief ich, ein Espresso für die Señorita bitte!“
Si esta bien, kommt sofort!, erwiderte er.
Was kann ich für dich tun?
Wie kann ich dir helfen?, fragte ich weiter.
Und sie erzählte:
Ich bin „Gabriela“, ich komme aus Brasilien, aus „Porto Alegre“. Ich kam gestern mit dem Bus nach Montevideo und heute Morgen mit dem Schnellboot über den Rio de la Plata nach Buenos Aires. Ich suche ein Zimmer in der Stadt, aber hier in der Gegend sind alle Hotels belegt. Hast du vielleicht eine Idee?
Oh, ich wohne im Hebron Hotel in der Rivadavia!, sagte ich zu ihr, du kannst ja da mal fragen, ich denke, da ist noch was frei. Es ist kein Luxus Hotel, es ist billig, hat aber alles was man braucht; Dusche und Waschbecken im Zimmer, fließend Wasser, warm und kalt, sogar ein kleines TV Gerät, das auf der Minibar steht und es ist sauber.
Sie schaute mich verwundert an und schmunzelte.
Wer bist du?
Woher kommst du?
Was machst du hier?
Fragen prasselten auf mich ein. Sie hatte bemerkt, dass ich Ausländer bin, mein Akzent und meine schlechte Grammatik hatten mich wohl verraten.
Ich bin Walter, ich komme aus Deutschland, ich warte hier auf schöne Brasileras, die mich ansprechen und Hilfe brauchen.
Ein breites Lachen, das durch das ganze Kaffeehaus hallte, kam über ihr Gesicht.
Sie beugte sich zu mir, da sah ich am Ansatz ihres jungen und geilen Busens eine rote Rose blitzen.
Und warum hast du mit den Augen gezwinkert?, fragte sie leise.
„Wenn mich eine ‚Göttin der Liebe‘ anschaut, dann muß ich doch reagieren!“ Um den Hals fallen konnte ich dir nicht, da war das Fenster dazwischen; sagte ich ihr ins Ohr. Ihr zartes Gesicht wechselte die Farbe ins rötlich braune und war so nah, dass ich mit meinen Barthaaren ihre süße Nase streicheln konnte.
So lass uns doch ins „Hebron“ gehen, ich bin müde, hauchte sie.
Herr Ober, die Rechnung bitte!
Gabriela zog ihre rote Reisetasche über die Schulter, ich bezahlte, dann liefen wir durch die Straßen zum Hotel.
Am Plaza Miserere blieb sie stehen;
Ist es noch weit?
Es wird schon dunkel!, zickte  sie störrisch umher.
Komm, wir sind gleich da!, beruhigte ich sie.
Sie (oder wir) hatten Glück, sie bekam das letzte Doppelzimmer zum Preis eines Einzelzimmers.
Sie bezahlte für drei Nächte im voraus.
Wir gingen hoch in unsere Zimmer.
Ich geh jetzt duschen!, sagte sie, kommst du noch mal bis in einer halben Stunde?, du kannst mir noch mal helfen.
Ja klar!, erwiderte ich, du weißt ja, ich bin geboren um zu helfen.
Schmunzelnd verschwand sie hinter der Tür mit der Nummer 7.
Ich duschte, zog mir was leichtes an und ging dann zum Zimmer Nr.7;
Ich klopfte ein Mal, ich klopfte ein zweites Mal, dann rief sie:
Komm rein, die Tür ist offen!
Ich öffnete die Tür.
Gabriela saß lasziv auf dem Tisch, ihr Tangaslip, ihr Oberteil, rote Riemen, die nur das nötigste bedeckten, ein Hauch von Nichts.
Sie winkelte ihr rechtes Bein an und sagte:
Mach die Tür zu und komm zu mir, ich habe da ein Problem!
Ich machte die Tür zu, schloss sie ab und ging zu ihr.
Wie kann ich dir helfen? Señorita Gabriela ?
Meine Fragen waren ein Schauspiel.
Sie nahm meinen Kopf in ihre Hände, gab mir einen der leidenschaftlichsten Küsse, die ich je hatte und drückte meinen Kopf nach unten.
Das Problem liegt tief in mir!, hauchte sie bestimmend.
Ihre Stimme klang extasisch.
Sie lehnte sich zurück auf den Tisch. Das bisschen Stoff an ihrer rasierten Vulva triefte vor Nässe und…….««
Es waren aufregende drei Tage und Nächte voller Glücksmomente. So wie sie kam, war sie früh morgens verschwunden, plötzlich und unerwartet.«
Luana brachte die Stute ohne Probleme zu mir. Ich legte ihr das Zaumzeug an, setzte den Sattel auf und zog den Gurt leicht an.
Wir führten die Pferde bis zu den Stallungen. Luana holte zwei Wolldecken, die wir an den Sätteln befestigten, dann stiegen wir auf und ritten los Wir bemerkten nicht die dunklen Wolken, die von Osten herein zogen.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 20

„Don Pedro“

Das Dorf war wie ausgestorben, als wir zu Luanas Onkel liefen. Die Senderos waren in der Nacht hier gewesen und hatten eine bekannte Familie des toten Bürgermeisters entführt. In den rituellen Zeremonien unserer erotischen Seelen, hatten wir von all dem nichts mitbekommen.
Die wärmenden Sonnenstrahlen hatten die kühle Frische im Tantamayotal verdrängt. Wir stiegen in die Schlucht, gingen über die Hängebrücke und weiter auf dem Trampelpfad am Hang entlang nach Pariarca, wo Luanas Onkel wohnte. Die Sträucher der Engelstrompete, dessen Tee uns letzte Nacht in erotischen Trance versetzte, säumten den Weg bis in die kleine Siedlung.
Der Pfad war schmal, so ging ich Luana hinterher, immer ihren erotischen Hintern im Blick. Ihre schwarze Cargo Hose verdeckte das geile Teil. Wie gern wäre ich das Pferd, auf dem sie heute den ganzen Tag sitzen wird, dachte ich.
Plötzlich blieb sie stehen, drehte sich um, umarmte mich und sagte:
Erzähle meinem Onkel nichts von unseren nächtlichen Ritualen, von unserem Erlebnis bei den Kühen! Das muss er alles nicht wissen.
Reflexartig umfasste ich ihren Hintern und drückte ihn gegen mein Becken.
Hab keine Angst, ich erzähle nichts, hauchte ich ihr ins Ohr.
Sie spürte meine Erregung, schob ihre Hand dazwischen und meinte:
Der ist aber auch unersättlich, komm lass uns weitergehen, wir haben noch genug Zeit, die ganze Woche.
Ihr schwarzes Haar, das sie offen trug, war vom Wind zerzaust. Ihr braunes, unbemaltes Gesicht, ihr laszives Lächeln, ihr wohlgeformter, geiler Körper. Die Frau machte mich wahnsinnig und trieb mich in eine Welt, die ich so noch nicht kannte.
Da ist das Haus meines Onkels! Rief sie und deutete auf ein großes, aus Natursteinen gebautes Gebäude und einem Dach aus roten Lehmziegeln.
Daneben standen noch ein paar wenige kleinere Lehmhütten. Als wir näher kamen, sahen wir drei Männer, die fünf Pferde mit Gepäcksäcken beluden.
Sie richteten eine Karawane her.
Ein anderer Mann kam gerade aus dem Haus, er hatte ein Revolver in der Hand.
Hola Tío! Rief Luana ihm zu. Es war ihr Onkel.
Als er uns sah, steckte er den Revolver unter seinem Poncho weg.
Hola Luana mi sobrina, qué haces aquí?
a quien traes contigo?
(hallo Luana meine Nichte, was machst du hier?
wen bringst du da mit?)
Die Begrüßung war sehr herzlich. Küsschen links, Küsschen rechts, eine innige Umarmung.
-Darf ich dir vorstellen, Onkel; Das ist Walter aus Deutschland, er ist hier, um die Yarowilka Kultur kennen zu lernen!
-Walter, darf ich dir vorstellen; Das ist „Don Pedro“ mein Onkel!
Buenos días Señor Don Pedro! Sagte ich.
Ein fester Händedruck, eine herzliche Umarmung;
»Als ich ihn umfasste,  spürte ich deutlich seinen Revolver am Gürtel« Hola Walter, komm lass den „Señor“ weg, für dich bin ich „Don Pedro“; Er lächelte und meinte noch:
So so, aus Deutschland, das ist aber selten, sonst kommen doch nur französische Archäologen, die irgendwelche Forschungen betreiben, in unsere Abgeschiedenheit.
»Der Mann war durch und durch ein Macho, seine selbstbewussten Bewegungen, seine Ausstrahlung von Macht und Wohlstand war nicht zu übersehen« Ich schaute ihm in die Augen, zog mein Hut und sagte:
Don Pedro; Eure Landschaft, eure Kultur, eure schönen Frauen, »mit meiner Hand deutete ich auf Luana« meine Leidenschaft hat mich in euer Land geführt.
Sein braunes, von dem harten Leben gezeichnetes Gesicht erstarrte, er verzog keine Mine, dann blinzelte er mir zu und zog sein Hut.
Don Waltero, sagte er, du gefällst mir, Hombre, ein Mann muss Leidenschaftlich sein!
Noch ein Abrazo grande (große Umarmung), dann setzte er sein Hut auf, ging ein Schritt zurück und meinte:
Ich habe nicht viel Zeit, ich will mit den Pferden ins Tiefland, nach Monzon und Tingo María;
Was kann ich für euch tun?
Onkel Pedro, können wir zwei Pferde haben, für ein paar Tage? Fragte Luana.
Aber Luana; Sobrinasita, du weißt doch, für dich tu ich doch alles! Sagte er, lachte und drückte sie an sich.
Du kennst dich doch aus, amorsita, meinte er, geht rüber in die Stallungen, nehmt euch zwei Sättel und was ihr braucht, hinten im Corral stehen die Pferde, sucht euch die besten aus, aber bringt mir sie heil wieder und passt auf euch auf. Braucht ihr noch ein Gewehr, oder ein Revolver? Fragte er, die Rebellen des Sendero sind überall, ihr müsst euch doch im Notfall verteidigen können!
Don Pedro ging ins Haus, kam mit einem kleinen Revolver zurück und gab ihn Luana. Aber pass auf, der ist geladen mit sechs Schuss!
Luana schaute skeptisch.
Ja ja, steck ihn weg, ist ja nur für den Notfall, sagte Don Pedro.
Luana nahm den Revolver und steckte ihn in Ihren kleinen Rucksack. Ich stand neben ihr, war verwundert und sprachlos.
»Die Selbstverständlichkeit mit dem Umgang mit Waffen, war für mich neu.
Ich bin mir sicher, dass in dieser Zeit, jede zweite Person eine Waffe versteckt bei sich trug, es war wohl ein Sicherheitsdenken. Und wie Don Pedro zu diesem Wohlstand kam, war mir schleierhaft. War es ein Drogenschmuggler vielleicht sogar ein Drogenbaron?
Hat er vielleicht mit den Rebellen zusammen gearbeitet?
Oder war der Reichtum in dieser Abgeschiedenheit legal?
Ich hatte es nicht herausfinden können. Es blieb ein Rätsel.«
Don Pedro verabschiedete sich von Luana. Küsschen links und rechts, eine innige Umarmung.
Pass auf dich auf Sobrinasita und bis bald wieder, er lächelte. Die Verabschiedung war so herzlich.
Adiós Don Waltero, pass auf meine kleine Sobrina auf und wenn es Probleme gibt, sagte er, dann könnt ihr immer zu mir kommen. Ein Händedruck, eine Umarmung.
Ich zog mein Hut.
Adiós Don Pedro, hasta luego, sagte ich, dann ging ich mit Luana in die Stallungen. Wir nahmen zwei Sättel und Zaumzeug, liefen weiter zum Corral und suchten uns zwei Pferde aus.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

Mein erstes Urwald-Abenteuer

Mexiko 1985.
Teil 2.) „El Gringo, und der Flug in den Urwald“.
Reges treiben beherrschte das Strassenbild, als ich schläfrig und schwach und vollgepumpt mit Kohletabletten das Hotel verliess und zum Stadtrand schlenderte, wo der Flugplatz lag. Es war sonnig, nur am südlichen Horizont waren Schönwetterwolken zu sehen. Ein alter Mann, mit Hut und einem Stock in der Hand, begegnete mir. Schwer trug er ein Plastiksack auf dem Rücken. Er blieb stehen und rief mir nach, „Hola Gringo boracho“!(Hallo betrunkener Fremder). Ja, durch das Fieber und den enormen Wasserverlust, den mir die „Rache Moctezumas“ bescherte, war ich ganz schön wacklig auf den Beinen. Ich beachtete ihn nicht, lief einfach weiter und war froh, als ich nach einer halben Stunde den Flugplatz erreichte.
Dieser Provinz-Flugplatz entsprach meinen Vorstellungen eines abenteuerlichen Unternehmens. Eine kurze Asphaltpiste mit Schotter umgrenzt. Ein Gebäude aus Steinen, mit einem Dach aus Wellblech. Und ein Hallen-Anbau aus Wellblech mit provisorischen Fenstern. Das Hallentor stand offen und ich sah, in ungeordneterweise, drei Einmotorige Propellerflugzeuge stehen. Neben dem Hallentor lagen verrostete Propeller herum und ein Mann, in einem blauen Overall, beugte sich über einen ölverschmierten Motor. Auf seinem Rücken stand die Aufschrift „Aero Chiapas“.
„Caramba“! fluchte er, lies ein Schraubenschlüssel fallen und putzte seine blutenden und ölverschmierten Finger an einem Wollkneuel ab. Mit einem zornigen „Buenos Dias“! huschte er an mir vorbei und verschwand in der Halle.
Ich ging zu einer Tür an der ein Pappschild hing mit der Aufschrift „Administración“. Ich klopfte Einmal, Zweimal, Dreimal, keine Antwort. Ich wartete noch ein weilchen und klopfte ein Viertes mal an die Tür und öffnete sie, und da stand auch schon der blaue Overall hinter mir, mit einem etwas freundlicheren Gesicht. Seine Finger bluteten noch.
Buenos Días Señor! Sagte ich.
Er reichte mir seine Hand und sagte noch einmal, in einem freundlicheren Ton, „Buenos Dias“!
Ich zeigte ihm mein Flugticket und da meinte er,
„Es ist noch etwas Zeit“.
Aber der Flug ist für Acht Uhr angesetzt, sagte ich!
Ja ja! Raunte er, der Pilot wird gleich kommen!
Und in seiner deutlichen Aussprache, die ich sehr gut verstand, sagte er noch:
„Falta tres Americanos todavia“!
(es fehlen noch drei Amerikaner)
Zusammen gingen wir in sein Büro.
Es war ein kahler Raum ohne Tapeten, ein alter Schreibtisch und drei Plastikstühle standen da.
Was ist mit dir, „Gringo“? Du siehst so blass aus? Fragte er mich, während er seine blutigen Finger verband.
Ich habe heute Nacht nicht viel geschlafen und Durchfall habe ich auch ein wenig! sagte ich.
Ahaa! grienste er, die „Rache Moctezumas“!
Aber setz dich doch,“Gringo“, und ruh dich aus, bis die Americanos kommen! Rief er mir zu und ging wieder nach draussen.
Fast eine Stunde lang döste ich auf einem der Plastikstühle herum und zweimal verschwand ich in die Toilette, bis endlich eine Frau mit einem Strohhut herein kam. Ihr folgten zwei Dollarschwere Amerikaner mit Cowboy-Hüten. Die Männer beachteten mich nicht, doch die Frau erkannte sofort die Situation. In einem typischen Südstaaten-Akzent fragte sie mich:
Hey Man, you are sick?
Naja! Durchfall habe ich und geschlafen habe ich auch nicht viel! Sagte ich.
Nach amerikanischer Art bot sie mir gleich zwei Tabletten an und sagte:
Ahaa, die Rache Moctezumas! Hier nehmen sie die, das hilft!
Dankend nahm ich sie an und bat sie: „Aber jetzt blos kein Aufstand machen, mit dem Kaiser der Azteken kämpfe ich selbst“!
Es dauerte noch eine ganze Weile, bis der Pilot kam und wir endlich in das Flugzeug einsteigen konnten. Ich bekam den hintersten Sitzplatz. Das hatte was Gutes und was Schlechtes. Das Gute war, ich hatte zu beiden Seiten freie Sicht. Und das Schlechte war, ich sass eingequetscht wie in einem prall gefüllten Rollmopsglas. Doch in meiner Situation war das ein Vorteil für mich, denn in dieser Stellung konnte die „Rache Moctezumas“ nichts ausrichten.
Der Pilot ließ das Flugzeug bis zum Anfang der Piste rollen. Er drehte sich nochmal um, sah uns an und rief in spanischem Akzent: „ready for take off“? Wir nickten alle, dann heulte der Motor auf und ich bekam einen sanften Druck ins Kreuz. Unter mir begann es rasant zu poltern. Kurz vor dem Ende der Piste zog er die Maschine hoch. Wir flogen rechts an den Hügeln vorbei und nahmen westlichen Kurs in Richtung Bonampak.
Es war ein ruhiger Sichtflug. Der Pilot flog nach Kompass, keine GPS Signale, keine digitale Anzeigen, alles nur runde, analoge Mess-Instrumente. Und kein Funkspruch mit Irgendeinem Tower. Wir flogen nicht hoch, so dass man eine gute Sicht auf die Landschaft hatte und es wurde immer grüner. Ich machte ein paar Bilder und konzentrierte mich dann auf mein Innenleben,“ohh ohh“!
Nach gut einer Stunde meinte der Pilot: „Wir gehen jetzt runter“! Ich dachte „wo will der jetzt landen“? Er steuerte ein kleines grünes Band an, in mitten der grünen Hölle und begann mit dem Landeanflug.
Bremsklappen, Motorgeräusche, leichter Schrägflug, dann setzte er die Maschine sicher auf die Piste.
Bremsend liess er sie bis zum Ende auslaufen, drehte um, fuhr zurück zum Startplatz und parkte sie direkt neben dem dichten Dschungel.
Wir stiegen aus. Die feuchte Wärme, die wie eine Glocke über dem Urwald hing, hatte ich im Flugzeug schon gespürt. Der Pilot und die drei Americanos gingen zu den Ruinen und ich verschwand im Dschungel. Ich war meinem Magen und Darm gefolgt. Die Geräuschkulisse des Urwaldes war überwältigend. Ich musste sehr aufpassen, dass ich keiner Schlange oder Spinne in die Quere kam und dass mich die Blattschneider Ameisen nicht überfielem.
Etwas später folgte ich den anderen zu den Ruinen, legte mich auf einen Stein der Maya und habe den einstündigen Aufenthalt in den Maya-Ruinen von Bonampak regelrecht verschlafen. Ich war ziemlich kaputt.
Der Pilot weckte mich zum Weiterflug nach Yaxchilán.
Der Start und die Landung war das aufregendste während des kurzen Fluges. Die Maya-Ruinen von Yaxchilán liegen direkt am Río Usumacinta, der die natürliche Grenze zu Guatemala bildet. Hier ging es mir etwas besser, so dass ich den Rundgang durch die Ruinen mitmachen konnte. Nur einmal musste ich aufpassen, dass ich keinem Krokodil in den Weg kam, denn ich folgte meinem Magen und Darm bis runter zum Fluß.
Nach einer guten Stunde bestiegen wir wieder die fliegende Blechkiste und starteten zum Rückflug. Wieder saß ich eingequetscht auf meinem einsamen Sitzplatz im hinteren Teil und schaute auf diese abenteuerliche Piste. Und ich sah diese Urwald-Riesen, die weit über dreißig Meter hohen Bäume, am Ende der Piste.
Wie will er das schaffen?
Der Pilot schaute uns an, lächelte und meinte:
Ready for take off?
Wir alle lächelten und ich sagte in einem kleinlauten Ton:
Si hombre vámonos!
Ich bekam jetzt einen stärkeren Druck ins Kreuz.
Rasant nahmen wir Geschwindigkeit auf und rasten den Urwald-Riesen entgegen. Kurz nach dem die Maschine abhob, flog er links an den Riesen Bäumen vorbei, über den Fluss und zog die Kiste hoch. Die Amerikaner klatschten und ich dachte: „Was für ein Teufelskerl“!
Ich war verdammt nochmal sehr beeindruckt. Wir nahmen dann den östlichen Kurs in Richtung San Christobal, dem Heimatflughafen entgegen.
Hier, bei dem Fliegen in dieser Region, gibt es keine Regeln. Was hier zählt sind Erfahrungswerte. Solche Busch-Piloten sind meist auf sich selbst gestellt und es sind „Zauberer der Lüfte“.
Und genau so einen Piloten, er war nicht nur Buschpilot, er war Bildhauer, Photograph, Buchautor und Abenteurer, genau so einen, habe ich Jahre später bei einem Abendessen in Zürich kennengelernt.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Mein erstes Urwald-Abenteuer

Mexiko 1985.
Teil 1.) „Moctezumas Rache“
Umringt von sanften Hügeln, liegt die Kleinstadt „San Christobal de las Casas“ im kühlen Hochland von Chiapas, im südlichen Mexiko. Es war später Nachmittag, als ich mein billiges Hotelzimmer verließ. Die Strassen waren knöcheltief unter Wasser. Ich war in der Trockenzeit unterwegs, doch hier unten im Süden, in Zweitausenmeter Höhe, ist es nicht selten, wenn mal ein Platzregen niedergeht. Der Regen spülte die Luft klar und rein, und da es hier keine Kanalisation gab, bahnte sich das Wasser seinen Weg irgendwohin.
Der Hunger trieb mich in die überschwemmten Strassen und gut gelaunt sprang ich, in zwei drei Sätzen, von Bürgersteig zu Bürgersteig. Barfüssige Männer mit alten Strohhüten und zerfranzten Ponchos begegneten mir.
Ich freute mich auf den nächsten Tag, denn Vormittags kaufte ich mir ein Flugticket für 110 US-Dollar, damals waren das Vierhundert Mark. Fast ein kleines Vermögen, wenn man überlegt, für wie lange das zum Leben In diesem billigen Land gereicht hätte. Doch für mein erstes Urwaldabenteuer, für einen Flug in die Selva Lacoandona, zu den Maya-Ruinen von Bonampak und Yaxchilan, war es mit wert.
Nach ein paar hüpfenden Balance Akten erreichte ich den von Indigenas belebten Markt, der das kurze, aber heftige Unwetter relativ trocken überstand.
Da lagen sie nun, die süssen Früchten aus dem tropischen Tiefland. Genüsslich schlug ich mein Bauch voll mit Mangos, Papayas, Orangen und Bananen. die Fressorgie schloss ich ab mit einem zähen Stück Fleisch, das an einem keinen Marktstand als „Bistek“ verkauft wurde. Als Beilage gab es Bohnen, die dunklen versteht sich.
Während ich diese gebackene Schuhsohle zwischen meine Zähne schob, schaute mir ein kleiner Junge zu, der in einer Ecke neben Holzkisten und Plastikeimern saß. In der einbrechenden Abenddämmerung leuchteten seine schwarzen Augen, im düsteren Petroleumlicht, wie zwei Austern Perlen. Mit seinen weissen, lückenhaften Zähnen, lächelte er mir zu. Ich lächelte zurück und wusste sofort, ohne zu fragen, was er wollte. Ich gab ihm ein paar Bohnen und ein Stück von der sogenannten Schuhsohle. Ein dankbares schmunzeln kam über sein schmutziges Gesicht. Schweigend bezahlte ich ein paar Pesos der alten Frau, die den Marktstand führte und hopste wieder über die, mit Pfützen übersäten und glänzenden Strassen, zurück in mein Hotel.
Mit einer inneren Spannung,aber glücklich und zufrieden, lag ich auf der Holzpritsche und blätterte und schrieb in meinem Tagebuch. Kakerlaken krochen ab und zu aus den Holzritzen hervor, die aber gleichdrauf wieder verschwanden, weil ich ihnen irgendetwas entgegen warf. Diese vier bis fünf Zentimeter langen Käfer, die leider nicht vom Aussterben bedroht sind, warteten wohl nur drauf, bis ich meine Kerze ausblies, um dann über irgendetwas Fressbares herzufallen. Doch nach einer weile tat ich ihnen den Gefallen. Mit dem Lied „La Cucaracha“ summend, kroch ich in mein Schlafsack und fiel auch bald in träumenden Schlummer.
Die Nacht dauerte nur drei Stunden. Nicht wegen den Kakerlaken, und schon garnicht wegen dem leichten Schlaf, den ich mir unterwegs angewöhnt hatte. Mein Magen drückte und mir war es Übel, zum kotzen schlecht. Schnell öffnete ich mein Schlafsack, griff zur Taschenlampe,die neben mir lag und rannte aus dem Zimmer, stürzte sogleich über den Patio zur Toilette, reisste die Tür auf und, aahhhhh. Da kamen sie alle wieder. Die süssen Mangos, Papayas, Orangen und Bananen, und die gebackene Schuhsohle, weich und zart, in einem unaussprechlichen, braunen Gemisch.
Es gibt viele Namen für diese Situation: „Griechischer Galopp, Basar Bauch, Puna Pfiff, Jordan Jodler“. In diesem Teil der Welt heißt es „Moctezumas Rache“. Minuten dauerte es noch, bis ich mich einigermaßen Sicher fühlte, um wieder in mein Schlafsack zu schlüpfen.
In der Nacht fand ich keinen Schlaf mehr. Noch etwa Zwanzig mal stürzte ich über den Patio zur Toilette und Stunde um Stunde wurden meine Sorgen größer. Konnte ich den Flug in den Urwald noch wagen? Zudem quälten mich noch Fieber, Schüttelfrost und Erbrechen, ein Fressen für die Kakerlaken. Im Morgengrauen traf ich den Entschluss. Ich wollte unbedingt mitfliegen, egal wie.
Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Lateinamerika Abenteuer

Lateinamerika Abenteuer
Neuseeland 1983
Mexiko 1985

Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll. Ich habe es Benny Greenwood zu verdanken, dass ich dieses Abenteuer erleben durfte. Auf einer Insel im südlichen Neuseeland war ich ihm begegnet. Wir saßen am Kaminfeuer einer Hütte, ich schwenkte einen kochenden Topf selbst gesammelter Muscheln und er, der australische Jäger, erzählte von einer Busfahrt durch die Anden und einer Krokodil-Jagd im peruanischen Amazonas Urwald.
Ich war 1983 um die halbe Welt geflogen, war per Anhalter Monate lang durch eine damals fremde Insel im südlichen Pacific gefahren und das Schicksal wollte es, dass ich diesem Jäger begegnete.
Weißt du, sagte er, dieses Lateinamerika kann dir einfach alles bieten. Da sind zum einen die Gegensätze von Landschaft und Klima, der feucht heiße Regenwald, wo der Jaguar und der Tapir umher streunen. Die trocken heißen Wüsten, wo es noch nie regnete. Und das tropische Hochgebirge, dort, wo die Apu’s, die Berggeister leben.
Und zum anderen sind es die Altamerikanischen Kulturen, die Maya, die Inka, die Azteken, die Zapoteken und ihre Erben, den reinrassigen Indigenas in ihren Ponchos und farbenfrohen Trachten.
Faszinierend hörte ich ihm zu und träumte mit offenen Augen vor mich hin. Aber, erzählte er weiter und hob den Zeigefinger, wenn du wirklich mal dorthin reisen willst, musst du sehr vorsichtig sein. Lateinamerika ist ein armes Land. Es gibt politische, wirtschaftliche und soziale Probleme. Die Indigenas auf dem Land leben in sehr einfachen Verhältnissen. Und in den Großstädten ist es am schlimmsten. Viele Leute, aber auch Kinder, leben nur in den Straßen. Armut, Not und Hunger stehen an erster Stelle und machen erfinderisch. Du kannst überfallen und ausgeraubt werden. Im schlimmsten Fall kannst du sogar getötet werden. Aber auch sonst kannst du dein Leben dort verlieren, zum Beispiel durch eine alles zerstörende Naturkatastrophe wie Erdbeben, Stürme, Vulkanausbrüche, Erdrutsche und Überschwemmungen. Ganze Städte sind da schon vom Erdboden verschwunden.
Ich erwachte aus meinem Tagtraum, denn seine Worte stimmten mich nachdenklich.
Aber, fügte er hinzu, wenn du Zeit zum Reisen mitbringst und mit offenen Augen durch die Welt gehst, wenn du dich dem Land anpasst, liegt dir Lateinamerika zu Füssen.
Mittlerweile waren die Muscheln gar und wir assen eine Spezialität, die anderswo recht teuer gewesen wäre, inmitten der neuseeländischen Inselwildnis. Und seine Erzählungen wollten kein Ende nehmen.
Mit diesen Gedanken und Erfahrungen, landete ich zwei Jahre später in Mexiko City, eine der größten Städte der Welt. Damals hatte diese Metropole schon mehr als 20 Millionen Einwohner, ohne die nicht registrierten Menschen, die ständig in den Straßen leben, auf der Suche nach dem Glück.
Ich betrat das erste Mal lateinamerikanischen Boden und war auf der Suche nach einem archäologischen Abenteuer.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte.