EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 25

„Der lange Ritt nach Monzón“

Tag 1″Nachmittags“

„Hinter dem Horizont…“

Im Schritttempo ritten wir über die Hochebene von Huishcash. Die Schönwetterwolken am östlichen Horizont versprachen einen ruhigen und trockenen Nachmittag.
Luana führte unsere kleine Karawane an, sie kannte den gefährlichen Weg durch die Berge.
„Schau mal!, rief sie, da weit hinter den Bergen, hinter dem Horizont, da liegt der Amazonas Urwald, da liegt Monzón und da müssen wir hin!“
Wir blieben stehen und blickten nach Osten. Wir sahen die Schneebedeckten Berge, die mehr als 6000 Meter hoch in den Himmel ragten und dachten an diesen Weg, der mitten hindurch führt.
»Eine Legende besagt, dass das Amazonas-Tiefland das Land sei, bei dem der Liebe Gott mit der Schöpfung nicht fertig wurde, heiß, unwirtlich und voller Gefahren«
Auf ihrem schwarzen Hengst sah Luana  zweckbetont und mannhaft aus, mit dem Hut und ihrem langen Zopf. Ihre erotische Figur, mit den geilen Rundungen, versteckte sie unter ihrem Poncho.
»Es war eine maskuline Maskerade, die vor geilen Blicken der peruanischen Machos schützen soll.«
„Bei den Ruinen machen wir eine Pause, die Pferde brauchen Wasser und du hast bestimmt Hunger!“, rief sie mir zu.
Oh ja, ich war hungrig, nach ihren Küssen, nach ihrem Körper, ihrer Haut und ihrer erotischen Seele. Aber diese Gedanken waren gleich wieder betrübt.
Ich gab meinem Pferd die Sporen und ritt nach vorne zu Luana.
„Hast du den Reiter gesehen, der uns entgegen kommt?“, fragte ich, er kommt vom Pass herunter.
„Ja, habe ich und er hat uns bestimmt auch gesehen!“, sagte sie mit bedrückender Stimme.
Bei den Ruinen stiegen wir ab. »Es war ein Gebäude und Mauern mit Nischen. Die Jahrtausende alten Bruchsteine der Ruinen von „Anco“ waren sehr gut erhalten. Von hier konnten wir bis nach Piruro auf der einen Seite und Susupillo auf der anderen Seite sehen. Anco muss ein Wachposten der Yarowilka gewesen sein.«
Luana gab mir die Zügel ihres Pferdes, ging zum Packpferd, kramte eine Decke aus dem Packsack und kam wieder zu mir.
„Da, zieh den Poncho über, wenn der Reiter kommt, läßt du mich reden, du bleibst bei den Pferden im Hintergrund, er muss dich nicht gleich als ein Gringo erkennen!“, sagte sie. Ihre Stimme klang wie ein Befehl. Es stand ihr gut, die Rolle einer Befehlshaberin, einer „Machista“.
Der Poncho kam mir gerade recht, denn es wurde merklich kühler.
»Wer kommt da auf uns zu?, dachte ich. Ist es ein Kurier oder ein Kundschafter einer Rebellen-Truppe, oder ist es nur ein einfacher Bauer, der nach seiner Schafherde
schaute?, die Gedanken schlugen Alarm.« Ich nahm meinen Revolver aus dem Rucksack und steckte ihn in mein Gürtel. Entsichern musste ich ihn nicht, der alte Taurus war immer Schussbereit, von selbst oder aus Versehen, konnte sich kein Schuss lösen, dieses Modell musste man schon kräftig betätigen.
Ich war auf alles vorbereitet und hielt mich bedeckt bei den Pferden.
Luana wartete auf ihn, lehnte sich gegen die Steinwand und summte leise eine Melodie.
Als der Reiter näher kam, ging sie ihm ein paar Schritte entgegen.
Ich gab den Pferden Wasser, stellte die Schüssel auf den Boden und beobachtete die Szene. Meine Hand hatte ich am Revolver.
Luana begrüßte ihn in Quechúa. Der Mann stieg vom Pferd, er war jung, ein Indigener und trug ein Poncho. Die kurze Handbewegung zum Hut war üblich, er grüßte zurück und es sah aus, als hätte er es eilig. Das Palaver, die Gestik, ich hörte Wortfetzen wie „cocha, saqra, yaku, wayqo, lloqlla, yanqataq und plötzlich sprach er Spanisch; Señorita, passen sie auf, da oben sind Rebellen, sie haben den Staudamm gesprengt. Und das Wetter schlägt um, es wird kalt.
„Wer bist du, ich kenne dich, ich habe dich schon mal bei Don Pedro gesehen?“, fragte Luana.
„Ich bin Emilio, ich arbeite für Don Pedro!“, hastig stieg er auf sein Pferd.
„Emilio, hast du die Rebellen gesehen?“, fragte Luana und hielt sein Pferd am Halfter fest.
„Nein, habe ich nicht, aber das viele Wasser und die Explosion habe ich gehört, es war grauenvoll, zum Glück war ich schon oben auf dem Pass!“, erwiderte er.
„Señorita, wenn sie nach Monzón wollen, müssen sie den anderen Pass nehmen, den ‚Culloq Punta‘, er ist zwar höher und der Weg ist weiter, aber er ist sicherer und es gibt die Hochalm „Mati Paqi“, da können sie über die Nacht bleiben!“, sagte er.
Derweil entspannte ich mich, nahm die Hand vom Revolver, blieb aber bei den Pferden.
Luana ließ das Pferd los.
Emilio gab ihm die Sporen und ritt schnell davon.
„Hast du das mitbekommen, was Emilio gesagt hat?“, fragte sie mich und kam zu mir.
„Ja, das habe ich, das hört sich nicht gut an!“, erwiderte ich.
„Wir nehmen den anderen Weg, es dauert etwas länger, ist aber sicherer. Ich kenne ihn, bin schon mal über den ‚Culloq Punta‘ gegangen!“, sagte sie und gab mir ein Stück Fladenbrot mit Käse. Dazu tranken wir kalten, gesüßten Koka Tee.
Wir setzten uns eng aneinander gekuschelt an die Steinmauer. Ich spürte ihren feurigen Körper.
„Der Poncho steht dir gut Gringo, am besten du behältst ihn an, er schützt dich vor Kälte und Schnee. Emilio hat gesagt, dass das Wetter umschlägt und in dieser Höhe gibt es Schnee!“, meinte sie.
»Gringo ist ein Schimpfwort, aber ich liebte es, wie sie es aussprach, es kam aus ihrem Herzen heraus, so temperamentvoll, so leidenschaftlich«
Sie rutschte auf meine Oberschenkel, küsste mich  zärtlich und meinte:
„Wir müssen weiter, es sind noch mehr als drei Stunden bis zur Hochalm Mati Paqi, heute Nacht haben wir noch genug Zeit für uns mein lieber Gringo!“
Sie machte Druck zum aufbrechen. Wir packten unsere Sachen zusammen, stiegen auf die Pferde und ritten weiter durch das Hochtal bergauf. Mein Revolver behielt ich vorsorglich am Gürtel, denn Rebellen und Banditen können jederzeit kommen und überall sein. Und dann dieses ständige Gefühl, dass uns jemand folgt. Ich war vorsichtig.
Mit der Höhe wurde es kälter und felsiger, mein Höhenmesser zeigte 4400 Meter. Wolken zogen herein und es fing an zu schneien. An gefährlichen Felspassagen stiegen wir ab und führten unsere Pferde durch die Gefahrenzone. »Nicht auszudenken wenn ein Pferd auf den klitschigen Felsen ausrutschen würde. Pferde können bis auf ca. 5200 Meter Höhe steigen, danach wird es kritisch.«
Unsere Tiere hielten sich tapfer, sie spürten die Höhe genauso wie wir. Wir redeten ruhig auf sie ein und ein tätscheln am Hals wirkte so manches Wunder.
Als wir nach über drei Stunden nach Mati Paqi kamen, war die Landschaft gezuckert mit Schnee und die Wolken verzogen sich hinter die Bergspitzen, die über 6000 Meter hoch in den Himmel ragten. Sie standen da wie die Wächter des Weltalls.
Mein Taschenthermometer zeigte minus 5° Grad und das am späten Nachmittag. Die Nacht stand uns noch bevor. »Die in dieser Zeit verlassene Alm liegt 4650 Meter hoch, in der Trockenzeit, von Mai bis Oktober, sind Temperaturen um die 20° Grad unter Null keine Seltenheit. Dagegen ist es in der Regenzeit, von November bis April, nicht so kalt, aber dafür gibt es mehr Schnee.«
Wir sattelten unsere Pferde ab und führten sie in das nahegelegene Corral, wo sie zwischen dem Schnee noch Hochlandgras fanden. In einer der Hütten richteten wir unser Lager für die kalte Nacht ein. Es gab ein Tisch mit drei Stühlen, ein großer Schlafplatz, eine Feuerstelle und getrocknete Kuhfladen als Brennstoff.
»Getrocknete Kuhfladen sind hart und vollkommen geruchslos, sie brennen schnell und lang und sind eine gute Isolation gegen die Kälte in der Nacht«
Luana kümmerte sich um die Feuerstelle, kramte in der Lebensmittelkiste und fing an zu kochen. Ich traf Vorbereitungen für unsere Seelenreise nach allen tabulosen Regeln der erotischen Kunst.
Die Nacht versprach extasische Trance und eine neue Tür zu ihrer erotischen Seele.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 24

„Der lange Ritt nach Monzón“
(Tag 1)
„Aufbruch ins Ungewisse“

Es war schon taghell, als ich am Morgen die Tür meines Zimmers öffnete. Die Nacht hatte Spuren hinterlassen, in meiner Seele und auf meinem Körper. Ich lief zum Waschtrog und wusch den grünrotblauen Farbenrausch von meiner Haut, aber die Spuren in meiner Seele, die waren für immer.
Die Pferde standen schon gesattelt im Hof. Ein Meerschweinchen rannte aufgeregt durch ihre Beine und Rudi und die anderen Hühner, standen ängstlich in einer Ecke und lauschten dem lautstarken Palaver zwischen Luana und ihrem Mann. Sie stritten heftig in Quechúa und Spanisch. Aus dem Wirrwarr an Vokabeln und Gesten, hörte ich Wörter wie „Caballos, Senderos, Gringo, Contrabando und Muerte, einige Wörter, die mich nachdenklich stimmten. »“Bei dem Wort ‚Muerte‘, musste ich an die alte Indigena in Huánuco denken, die mir den Tod prophezeite. Meine abergläubischen Gedanken hatten mich überfallen“.«
Señor Ortéga beendete den Streit, ging weg und Luana rief ihm zornig hinterher:
„pero rápidamente!“
(aber schnell)
Ich drehte mich um, hielt mein Kopf unter den Wasserhahn und genoss das kalte Wasser auf meiner Haut und in meinen Haaren. Plötzlich bekam ich ein schubsen von hinten und flog mit meinem Oberkörper in den Waschtrog. Ich spürte zwei Hände, die mein Kopf unter das Wasser drückten.
»Normalerweise passte ich immer auf, was hinter mir passierte, aber bei Luana fühlte ich mich relativ sicher und so vernachlässigte ich diesen Lebenssinn.«
Ich packte die zwei Handgelenke und befreite mich aus dieser misslichen Lage.
»Üblich wäre jetzt ein Kopfstoß mit dem Hinterkopf in das Gesicht des Gegners oder ein Stoß mit dem Ellenbogen in den Bauch, aber ich wusste, es konnte nur Luana sein.«
Ich drehte mich um und schüttelte mein Kopf.
„Willst du mich ersaufen?“
Ich spritzte sie nass.
Sie ging ein Schritt zurück und lächelte. Ihre Bluse war ein Knopf zu wenig zugeknöpft, es war ein geiler Anblick.
„Du brauchst eine Gehirnwäsche, willst du mich wirklich begleiten auf diesem gefährlichen Weg nach Monzón?“, ihr Lächeln wechselte in die Ernsthaftigkeit des Alltags, sie war in Rage.
„Ich habe es deinem Mann versprochen, dass ich dich begleite, alleine in den Bergen ist zu gefährlich!“, beruhigte ich sie.
„Mit meinem Mann habe ich gestritten, es dauert mehr als drei Tage. Wenn alles gut geht, drei Tage hin, aber auch drei Tage zurück, wir brauchen ein Packpferd, er ist los gegangen, um eins zu besorgen!“, ihre Stimme wurde ruhiger, gelassener, sie umarmte mich.
„Warum hattest du mir gestern Abend nichts davon gesagt?“, fragte sie mich.
„Ich wollte dich nicht beunruhigen vor der Nacht!“, erwiderte ich und küsste ihren Hals, ihr Dekolleté und den Ansatz ihres Busens. Sie drückte mein Kopf gegen ihre Brüste und flüsterte zärtlich in mein Ohr; „danke dass du mich begleitest!“, sie löste sich aus meinen Armen.
„Komm jetzt, mach dich fertig, pack ein paar warme Sachen ein und das was du brauchst, die Pferde hat er schon gesattelt und er hat uns auch Proviant eingepackt und ein Zelt und Ausrüstung für alle Fälle. Wenn du soweit bist, mach ich Frühstück. Sobald er mit dem Packpferd kommt, dann gehts los!“, sagte sie bestimmend und ging zurück in die Küche.
Rudi und seine Hühner versperrten mir den Weg in mein Zimmer, aufgeregt pickten sie das Grünzeug vom Lehmboden. Als ich in die Hände klatschte, rannten sie in alle Richtungen, nur Rudi blieb stehen und schaute mich an. Er wollte zum krähen ansetzen, hatte es aber verschluckt, weil in dem Moment das Hoftor aufging. Es war Señor Ortéga mit dem Packpferd. Rudi rannte flott zu seinen Hühnern.
„Buenos días Don Waltero, hatten sie eine ruhige Nacht?“, rief er, als er mich sah. Er kam direkt mit dem Pferd auf mich zu, hatte eine ernste Mine.
„Danke, Señor Ortéga, die Nacht war gut!“, erwiderte ich.
„Ich habe euch ein Packpferd besorgt, das ihr braucht und habe ein paar Sachen gerichtet. Proviant und Ausrüstung für den Notfall, Zelt und Schlafsack!“, sagte er in ruhigem Ton.
Luana stand in der Tür und sah zu uns rüber.
Er zog mich langsam hinter das Pferd und sagte:
„Hier, nehmen sie den , es ist zu eurem eigenen Schutz, stecken sie ihn weg, meine Frau muss es nicht wissen!“. Er gab mir ein Revolver samt Munition.
Ich sah ihn verwundert an.
„Der Weg ist nicht ungefährlich, als Kurier muss man sich verteidigen können!“, sagte er mit hoch gezogenen Augenbrauen.
»Als Kurier muss man sich verteidigen, was werden wir transportieren?“, fragte ich mich.«
Luana kam zu uns rüber. „Und, alles in Ordnung mit dem Pferd?“, fragte sie ihren Mann.
„Ja klar, ich war beim Nachbarn, er hat es mir mit Packsattel und Trense ausgeliehen!“, erwiderte er.
„Gut, nach dem Frühstück brechen wir auf, los jetzt, ach ‚Walter‘, vergiss nicht ein paar warme Sachen und Kleidung zum wechseln einzupacken, es könnte kalt werden!“, sagte Luana.
»Im Beisein ihres Mannes gab sie energische Befehle«
Ich ging in mein Zimmer, packte alles nötige in ein Wasserdichten Sack und eilte zu Luana in die Küche zum Frühstück.
„Da bist du ja, komm setz dich her, sag mal, was hat dir mein Mann hinter dem Pferd zugesteckt?“, fragte sie mich während sie mir Kaffee, Marmelade und Fladenbrot brachte.
„Eigentlich sollst du das gar nicht wissen, er gab mir ein Revolver mit Munition!“, sagte ich mit vorgehaltener Hand.
»Es war eine brasilianische Taurus, 357er Magnum, eine alte, robuste Handfeuerwaffe.«
Luana setzte sich neben mich und fragte mich noch mal:
„Willst du mich immer noch begleiten?“, es ist ein gefährliches Wagnis, das du nicht eingehen mußt.
„Ja klar, ich komme mit dir, ich lasse dich nicht alleine durch die Berge ziehen!“, sagte ich ihr und streichelte mit meiner Hand über die Innenseite ihres Oberschenkels.
„Was musst du eigentlich so dringend besorgen?“, fragte ich sie.
Sie sah mich an und meinte nur:
„Das musst du nicht wirklich wissen!“.
»Ich war neugierig auf das, was auf uns zu kam und  meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele, war lange nicht zu Ende. Diese Frau faszinierte mich, die Stimme, ihre Gestik, ihr ungestümes verhalten auf dem Pferd und in den Bergen. Schon immer liebte ich das Ungewisse, wenn man morgens aufwacht und nicht weiß, was am Abend sein wird. Ich war süchtig auf dieses wilde Leben und konnte in dieser Zeit meine unbändige Wildheit nach Herzenslust ausleben.«
Sie legte ihre Hand auf meine Hand und meinte:
Gut mein Freund, ich geh mal nach dem Packpferd schauen, wenn du soweit bist brechen wir auf!
„Dein Zeug hast du schon gepackt?“, fragte sie mich.
„Aber ja, natürlich, der Sack steht draußen vor meiner Zimmertür!“, sagte ich und trank einen Schluck Kaffee.“
Luana ging nach draußen und stolperte fast über Rudi, der in eine Ecke rannte.
»Sie hatte es wirklich eilig aufzubrechen.«
Als ich mit dem Frühstück fertig war, zog ich meinen kleinen Rucksack über die Schultern, in dem ich den Revolver, Munition, meine Kamera, mein Survival Kit und meine Reiseapotheke verstaut hatte, befestigte ihn mit dem Brustgurt und ging  nach draußen. Luana saß schon auf ihrem halbwilden Hengst, der unruhig auf der Straße umher schritt. Das Packpferd, das zwei Säcke mit unserer Ausrüstung trug, hatte sie mit einem Strick an ihrem Sattel befestigt. Ich führte mein Pferd durch das Tor und stieg auf.
„Ich habe dein Mann nicht mehr gesehen, wo ist er?“, fragte ich Luana.
„Er ist zornig zum Nachbar gelaufen, als ich ihm die Sache mit dem Revolver erzählte, sie müssen sich um die Leiche des Lehrers kümmern und fahren gegen Mittag mit dem Jeep nach Huánuco!“, sagte sie und drängte zum Aufbruch. Wir ritten in die Schlucht hinunter, über die Hängebrücke und weiter in östlicher Richtung hoch in die Berge, in das Ungewisse.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.











EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 22

„Ruinen im Regen“

Luana stand auf dem Hügel, hatte sich eine Blüte der Engelstrompete in ihr Haar gesteckt und versuchte die dunklen Wolken zurück zu pusten. Es war ein seltsames Schauspiel, das ich schon mal im Urubambatal gesehen hatte. Es ist ein Regen-Ritual das manchmal funktionierte, aber nicht hier und nicht heute.
Wir waren mit unseren Pferden unterwegs zum „Cerro Celmin“. Der schmale Pfad zwischen den Sträuchern der Engelstrompete, hinauf auf die baumlosen Hügeln in 3900 Meter Höhe, ließ nur ein Schritttempo der Pferde zu. Die östliche Cordillere war schon wolkenverhangen und das Wetter kam immer näher.
Luana rief von dem Hügel herunter:
„Die Ruinen liegen schon im Regen, ich kenne ein Corral mit einem Unterstand hier in der Nähe, da bleiben wir bis die Wolken durch sind!“
Luana stieg wieder auf ihren halbwilden Hengst und als der schmale Weg zu Ende war, preschten wir mit unseren Pferden über die Hochebene. In zehn Minuten hatten wir den verlassenen Corral erreicht, noch rechtzeitig, bevor der große Regen kam. Die Wolken legten sich über das Hochland und tauchten es in ein diffuses Licht. Wir führten unsere Pferde in den Unterstand und banden sie an kurze Seile fest. Wir nahmen die Wolldecken und verkrochen uns in die aus Bruchsteinen gebaute Höhle.
Diese Bruchsteine stammen  aus einer zerfallenen Ruine der Yarowilka. Die nichtwissenden Campesinos bauten daraus einen Schutzraum für Tier und Mensch. Der Boden in der Höhle war mit getrocknetem Ichú-Gras ausgekleidet, das mit unseren Wolldecken eine gute Isolierung gegen Kälte und Nässe war.
Blitze flackerten durch die Luft, das Wetter war direkt über uns. Der Wind peitschte das Wasser über unseren Unterstand. Es war kein Regen mehr, es war einfach nur Wasser von oben, von der Seite, von überall. Schnell verschloss ich den Eingang mit meinem roten Regenponcho und befestigte ihn mit Steinen. Die Kapuze war unser Guckloch, so konnten wir unsere Pferde gut sehen. Sie standen ruhig an der Mauer, dieses Schauspiel der Regenzeit, das meistens eins bis zwei Stunden lang dauert, waren sie gewohnt.
Durch unsere Körperwärme wurde es schnell angenehm in unserem engen Schutzraum.
Luana zog aus ihrem Rucksack eine Plastikflasche mit kaltem, gesüßtem Kräuter Tee und sagte:
Trinke bitte!, „in dieser Höhe muss man viel trinken!“
Wir tranken die Flasche leer und draußen tobte die Natur.
Die Blitze erzeugten durch meinen Regenponcho ein rotes, flackerndes Licht in unserem intimen Loch.
Luana umklammerte mich, nicht aus Angst. Sie war hungrig auf Liebe, Sex und Zärtlichkeit, es war ihre unbändige Lust auf einen fremden Körper, auf fremde Haut.
»Eine gute Gelegenheit meine Forschungsreise in Luanas erotische Seele fortzusetzen«, dachte ich.
Der Tee berauschte unsere Sinne, die Kräutermischung hatte sie gut abgestimmt. Immer wenn es blitzte, sah ich ihr Gesicht mit den roten Spiralen. Eine Sinnestäuschung, die mich dermaßen erregte, dass meine Hose zu eng wurde.
Langsam fingen wir an uns gegenseitig auszuziehen.
Sie stammelte leise in mein Ohr:
Die Geister haben dich zu mir geschickt, du bist gekommen, um meine Lust zu stillen.
Sie drückte mich auf den weichen Boden. Ich spürte dieses warme und feuchte Gefühl der Ausgefülltheit. Durch die roten Blitze sah ich einen erregten Schatten über mir, der sich immer heftiger bewegte, ein Schatten in Trance, in Ekstase. Immer wieder sah ich rote Spiralen, die auf mich zu kamen. Luana und ich waren in einer Phase der Hingabe, eines trieblichen Phänomens. Draußen tobte das Wasser der Natur und in unserer erotischen Enge, dieses berauschende „nah sein“, ergoss sich unser Liebessaft der Leidenschaft. Unsere blitzenden, roten Schatten zuckten und zitterten und das Luststöhnen verlor sich im grollenden Donner der Regenzeit.
Diese Szenen der Lust wiederholte sich dreimal.
Nach fast zwei Stunden, krochen wir aus unserem intimen Untergrund. Die Tiere hatten das Wetterspiel gut überstanden.
Als wir wieder klar denken konnten, stiegen wir auf unsere Pferde und ritten im Schritttempo weiter über das Hochland. Der Regen hatte sich hinter die Berge verzogen und die Sonne blinzelte zwischen den greifbaren, dunkelweißen Wolken hervor. Wir waren dem Himmel so nah.
Luana rief plötzlich:
„Da sind sie, die Ruinen vom Cerro Celmin!“
Zwischen Wolkenfetzen konnten wir sie deutlich sehen. Wir kamen diesem seltsamen Gebilde immer näher, das  in der baumlosen Landschaft in 4000 Meter Höhe wie eine abgestellte Eisenbahn aussieht. Es sind 21 aus Bruchsteinen errichtete Würfel, die alle um die zwei Meter hoch sind. An dem einen Ende steht ein kleiner, verfallener Wachtturm, das von weitem aussieht, als wäre es eine Lokomotive.
Wir stiegen von unseren Pferden ab, banden sie an Steinen fest und gingen um die Behälter herum, die  oben offen sind. Die Seitenlängen der Kästen, die schnurgerade am Bergsattel stehen, beträgt etwa dreieinhalb Meter.
Es war ein altes Lebensmittellager der Yarowilka, das damals gut bewacht wurde. Hier in diesen etwa 24 Kubikmetern großen Behältern, die eine seitliche Öffnung für die Luftzirkulation haben, lagerten die Yaros Tonnen von Lebensmittel; Kartoffeln, Korn und Mais.
Luana zog mich zwischen zwei Behälter, küsste mich leidenschaftlich und flüsterte mir ins Ohr:
„Bleib ruhig stehen,“ weiter unten habe ich zwei Männer gesehen, aber ich glaube es sind Campesinos, sie haben Macheten am Gürtel hängen. Ich spürte ihren angespannten, unersättlichen Körper, ihren erregten Herzschlag und wollte nicht wahrhaben, dass diese erotische Situation   gestört wird. Ich schaute um die Ecke, es waren zwei Bauern beim abschlagen des Ichú-Gras, das sie zum Hausbau benötigten. Sie gingen vorbei ohne uns zu beachten.
Luana lehnte sich gegen die Mauer und umklammerte mich. Wir küssten uns zärtlich, dann sagte sie zaghaft:
„Du Walter, wir müssen zurück, es ist schon spät!“ Wir reiten direkt zu mir nach Hause und lassen die Pferde bei uns, morgen brauchen wir sie wieder.
„Und dein Mann?“, fragte ich verwundert, er kommt doch heute Abend aus Huánuco zurück;
„Ach ja, mein Mann?“, entgegnete sie;
„Der lässt mir, seit seinen Eskapaden in der Schweiz, sehr viele Freiheiten!“ Wenn ich ihm sage, dass ich dich begleite, ist das schon in Ordnung!
„Na gut, dann aber los!“, sagte ich.
Wir stiegen auf die Pferde und preschten über das Hochland in Richtung Tantamayo. Über eine Stunde dauerte der Ritt bis zur Hängebrücke.
Ich sagte zu Luana:
„Wie gut dass wir die Pferde genommen haben!“, zu Fuß hätten wir mehr als drei Stunden gebraucht, und mit dem Wetter heute;
„Das meinte ich doch!“, entgegnete sie, ohne die Pferde, das hätten wir nie geschafft!
Im Schritttempo ritten wir durch das Dorf und an Luanas Haus, meiner Unterkunft, stiegen wir ab. Ich öffnete das Hoftor. Die Pferde passten gerade so durch. Rudi, der Hahn, rannte aufgeregt durch den Hof und sein Gefolge hinterher, als sie die großen Tiere bemerkten.
Ihr Mann kam aus einer Tür heraus und direkt auf mich zu. Luana hatte ihn abgefangen, sie redeten sehr heftig in Quechúa, das ich, außer den Wörtern „Don Pedro“, nicht verstand, dann kam er zu mir und lächelte;
„Hallo, Don Waltero, wie geht es ihnen?“, wie war ihr Tag?“, fragte er sehr freundlich.
»Don Pedro musste einen großen Einfluss haben, auf ihn und überhaupt in der ganzen Region«
„Oh ja Señor Ortéga, der Tag war sehr schön und anstrengend!“, sagte ich lächelnd.
„Und was war mit dem Bürgermeister?“, fragte ich.
„Ja, der Bürgermeister, erwiderte er, man hatte ihn vorletzte Nacht erschossen, eine schlimme Sache!“
»Ich hätte ihm sagen können, dass ich fast daneben stand, als der Bürgermeister erschossen wurde, aber auch er wusste nichts von meinem nächtlichen Ausflug und so behielt ich alles für mich«
Señor Ortéga räusperte sich, rückte sein Hut zu recht und sagte:
„Machen sie sich frisch; Don Waltero, meine Gemahlin  ‚Frau Sánchez‘ bringt ihnen später was zu Essen, ich kümmere mich derweil um die Pferde!“.
In der Zwischenzeit wurde es dunkel. Ich brachte meinen kleinen Rucksack in mein Zimmer und ging im Laternenlicht an den Waschtrog. Luana kam schnell hinter mir her und sagte:
„Ich mache dir gleich was zu Essen, er hat Nudel und Fleisch gekocht, du kannst in der Küche essen!“.
Ja gerne, erwiderte ich!
Du, sag mal, fragte ich, warum nennt er dich ‚Frau Sánchez‘?
„Oh, das ist mein Mädchenname, „Luana Ortéga Sánchez“, ich habe ihn behalten, ich bestand drauf!“, entgegnete sie.
Sie streichelte über mein Hintern und flüsterte:
Bis gleich „Liebster Gringo“, lächelte und verschwand in die Küche.
»Die Frau und ihre erotische Seele machten mich wahnsinnig und ich war gespannt, was alles noch passiert in dieser wunderschönen, rätselhaften Abgeschiedenheit, weit weg von allem«
Rudi und sein Harem hatten sich beruhigt, flatterten im Hühnerstall umher und die Meerschweinchen kuschelten in ihrer Ecke. Eins war sehr neugierig und beobachtete mich, als ich
etwas später zu Luana in die Küche ging. Ich saß am Feuer und genoss das zarte Fleisch, das ein Hasenähnlichen Geschmack hatte.
„Was ist das für ein köstliches Fleisch?“, fragte ich neugierig.
„Das ist ein ‚Quwi‘, ein Meerschweinchen, eine Spezialität hier bei uns in den Anden!“, entgegnete Luana. Sie saß am Feuer, schürte in den getrockneten Kuhfladen und legte ein Stück Holz nach.
Ich schaute sie erstaunt an und dachte; »oh, nichts für zarte Seelen, es war das gleiche delikate Fleisch, das ich zwei Jahre vorher auf einer Zugfahrt von Cuzco nach Machu Picchu ‚Nichtwissend‘ gegessen hatte«
Die Flammen des Feuers spiegelten sich in ihren erotischen Augen. Dann sagte sie:
„Mir tut der Rücken so weh und mein Hintern vom Sattel, komm nach dem Essen zu mir in mein Zimmer auf ein Tee, ich brauche eine Massage!“.
„Natürlich komme ich!“, erwiderte ich und folgte später ihrem erotischen Lockruf.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 17

„Erotische Eskapaden“

Die getrockneten Kuhfladen knisterten im Feuer und die Hütte wurde schnell warm. Luana legte unsere Klamotten zum trocknen auf die Steine neben das Feuer. Wir waren nackt.
Draußen prasselte der nächste Regenschauer auf das Ichú-Gras Dach und der Wind peitschte über die Steinmauern. Ich hatte nie gedacht, dass ein Naturdach aus Gras, so dicht sein kann.
Luana reichte mir ein Fladenbrot mit Käse und  gesüßten Koka Tee.
Komm, setz dich auf die Decke! Sagte sie.
Das Feuer spiegelte sich in ihren Augen und auf ihrer Haut. Die Alpaka-Wolle ist viel rauer als Lama-Wolle und massierte mein Hinterteil mit kleinen Nadelstichen. Luana setzte sich neben mich und meinte:
Später müssen wir noch die Kühe melken!
Kühe melken, ich habe noch nie eine Kuh gemolken! Sagte ich und grinste sie an.
Keine Sorge, meinte sie, ich zeige dir wie das geht und griff in mein Schritt. Ohhh! Rief sie und lachte, die Euter der Kühe sind aber viel kleiner und weicher, du wirst sehen, es ist ganz einfach. Ihre weißen Zähne leuchteten im Schein der Flamme. Sie stand auf, legte ein paar trockene Kuhfladen ins Feuer und setzte sich rückwärts auf mein Schoß.
Ich umklammerte sie, küsste zärtlich ihren Rücken und massierte ihre erogenen Zonen. Sie griff nach unten, stimulierte gleichzeitig ihre Lustzentrale und passte auf, damit nichts rausrutschen konnte. Der Wind säuselte die Geilheit durch die Hütte, der Regen spielte uns ein Liebeslied und wir schaukelten uns in eine Ekstase der  Leidenschaft . Oh mein Gott, dachte ich, die Reise durch ihre erotische Seele von Höhepunkt zu Höhepunkt ist so aufregend, geil und wird nie enden.
Die Begierde ließ uns die Kühe und die Zeit vergessen. Ab und zu stockte ihr Atem und entkrampfte sich in ein stilles stöhnen. Wir verfielen in ein Taumel der Lust. Wenn das Feuer drohte auszugehen, löste sie sich von mir, legte das trockene Zeug nach, streute ein paar Kokablätter darüber und kam wieder zu mir. Die Stimmung hatte sie angeheizt und das erotische Spiel fing von vorne an. Sie hatte das unglaubliche Talent mich immer wieder hochzubringen und standhaft zu bleiben. Oder war es vielleicht die Wirkung des Tees? Durch die Süsse habe ich die Stärke nicht wahrgenommen. Oder hatte sie uns noch was anderes untergemischt. Die Blätter im Feuer taten das übrige. Wir flogen durch die traumhafte Glückseligkeit der Zeit.
Erst am späten Nachmittag gingen wir zu den Kühen.
Wegen dem Regen hatten sie sich in ein Unterstand aus Wellblech gestellt.
Gute Gelegenheit, meinte Luana, so müssen wir die Rinder nicht  zusammen treiben. Sie gab mir den zweiten Hocker und sagte:
Komm setz dich da hin und fang an, du weißt ja wie das geht, ich habe es dir paar mal gezeigt heute Mittag.
Luana war die beste Lehrerin in dieser Sache.
Ich saß neben der Kuh, griff zum Euter und die Milch spritzte in den Eimer.
Plötzlich sprang Luana auf, rannte in die Hütte, kam mit einer Wolldecke zurück und legte sie um mich wie ein Poncho. Sei still und mach weiter, flüsterte sie. Da kommen drei Männer, ich werde mal vorgehen und versuche sie aufzuhalten. Luana ging den dreien entgegen. Zwischen Hut und Decke blickte ich rüber und beobachtete die Szene. Es waren die Männer, vor denen ich mich in Piruro versteckt hatte. Sie hatten ihre Gewehre im Anschlag, aber nach unten gerichtet.
Angespannt melkte ich die Kuh weiter. Ich hörte eine heftige Diskussion. Sie sprachen Quechúa und nach Luanas Gestik, ging es wohl um mich. In gebückter Haltung unter der Wolldecke, versteckte ich mein Aussehen, aber die Tiere spürten meine innere Anspannung und bewegten sich etwas. Jetzt bloß nicht ausbrechen, dachte ich, streichelte den Bauch meiner Kuh und rief leise „hoooo hoooo“. Die Gruppe beruhigte sich wieder und Luana kam zurück.
Und was war? Fragte ich ängstlich.
Es waren Senderos auf einem Kontrollgang, ich habe gesagt, dass du mein Knecht bist und mir hilfst die Kühe zu melken.
Ja, ich war Luanas Knecht, ich tat was sie verlangte.
Und sie erzählte weiter:
Die Terroristen haben unser Dorf untergraben, viele wurden Anhänger der Senderos und hofften auf ein besseres Leben. Stattdessen gab es, Entführungen, Vergewaltigungen und es wird getötet, sowie der Bürgermeister letzte Nacht.
Ihr Blick war traurig und machte mich sprachlos.
Komm lass uns weitermachen, dass wir fertig werden, sagte sie, es wird bald dunkel und in der Nacht sollte man nicht mehr auf der Straße sein.
Schnell hatten wir die Rinder durchgemolken und gingen mit den zwei Eimer voll Milch zurück nach Tantamayo. Es dämmerte schon, als wir durch das Hoftor gingen. Rudi der Hahn hatte gerade ein Huhn vergewaltigt, das danach flatternd durch den Hof rannte. Rudi hetzte hinter ihm her, blieb dann vor mir erschrocken stehen, sah mich an und äh äh ähh äähhhtsch.
Oh Rudi, du geiler Gockel, was du für Sachen machst, sagte ich. Luana lachte, ich glaube er versteht dich. Du hast Talent mit den Tieren zu reden. Ich habe gesehen, wie du die Rinder beruhigt hast. Du bist ein Brujo, ein Zauberer. Du verzauberst die Tiere und du hast mich verzaubert. Nein nein, sagte ich, ich habe dich nicht verzaubert, unsere Leidenschaft hat uns zusammen geführt, sagen wir mal, es war göttliche Vorsehung. Mit ihren tiefbraunen, erotischen Augen sah sie mich an, küsste mich und meinte:
Mach dich frisch, ich komme später zu dir und bringe dir was zu essen.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte

EXPEDITION YARO

Peru 1989
Teil 15

„EIN VOLK DER BERGE“

Die Nacht war kurz. Ich hatte mir einen leichten Schlaf angewöhnt und durch Geräusche, irgendwelche Bewegungen von draußen, wurde ich wach. Es war kein schöner Albtraum, es war auch nicht Rudi, der geile Gockel, ich hatte dem Hahn am Abend einen Namen gegeben, er weckte mich nicht mit seinem fürchterlichen gekrähe. Es war zwei Uhr. Rudi schlief noch. Es waren Geräusche, die nur von Menschen sein konnten. Leises, fremdes Gemurmel. Dumpfe
Schritte.
Ich zog mich an und öffnete leise die Tür. Im Hof war alles ruhig, meine Gastgeberfamilie schlief noch. Ich trat langsam ins Freie. Es war Vollmond und die Sterne funkelten durch ein Loch in den Wolken. Das Kreuz des Südens war deutlich zu sehen, ein Sternbild, das hier oben besonders stark leuchtet. Die Geräusche kamen von der Strasse. Langsam und verhalten ging ich weiter zum Hoftor und schaute durch eine Ritze. Dunkle Gestalten bewegten sich zwei Meter entfernt an mir vorbei. Sie bemerkten mich nicht hinter dem Tor. Schemenhaft konnte ich ihre Waffen erkennen. Es waren Terroristen, ein bewaffneter Trupp des Sendero Luminoso. In den Nächten waren sie immer sehr aktiv. Wie Tiere schlichen sie durch das Dorf. Meine Gedanken ratterten durch mein Kopf.
Was geht hier ab?
Wohin gehen sie?
Was haben sie vor?
Fragen, die mich neugierig machten.
Als die letzten an mir vorbei waren, kletterte ich über das Tor und folgte ihnen vorsichtig. Das Mondlicht zeichnete meinen dunklen Schatten auf den Lehmboden.
Es war „Jack“ mein Schutzengel. Geduckt an der Seite des Weges schaute ich mich immer wieder um. Es könnte ja sein, dass noch ein paar Terroristen nachkommen und mich entdeckten.
Es waren etwa sechs oder sieben Mann, die in ein großes Haus eindrangen. Lichtstrahlen von Taschenlampen flackerten umher. Es war ein großer Tumult zuhören.
Stimmen. Schreie. Dann ein Schuss. Stille.
Schnell lief ich zurück und   kletterte wieder über das Tor. Es war noch alles ruhig, bis auf ein wenig geflatter aus dem Hühnerstall. Rudi regte sich und ich legte mich zurück in mein Schlafsack.
Heute morgen sah ich sie das erste Mal, die Frau des Hausherrn. Sie brachte mir das Frühstück an den Tisch.
Buenos Días Señor, como estuvo su noche, dormienta  bien? Fragte sie mich.
(Wie war ihre Nacht, schliefen sie gut?)
Die Frau war hübsch, eine reinrassige Quechúa Indigena und sie war jung.
Sie hatte ihre langen schwarzen Haare zu zwei Zöpfen geflochten. Ihre schwarzbraunen Augen leuchteten wie zwei Diademe. Ihre Stupsnase, die schmalen Lippen, die hochliegenden Backenknochen, gezeichnet auf tiefbrauner Haut.
Die Quechúa sind, wie damals die Inka und die Yarowilka, ein Volk der Berge. Ich fing an zu schmelzen.
Ein Löffel viel runter. Schnell stand ich vom Stuhl auf, bückte mich zu dem Löffel und hob ihn vom Lehmboden auf.
Disculpe Señor! Sagte sie und ging ein Schritt zurück.
Todos esta bien! Sagte ich lächelnd, wischte mit meinen Fingern über den Löffel und blickte zu ihr.
Sie trug ein formloses, rotes Kleid mit langen Ärmel und zugeknöpft bis zum Hals. Unter dem Stoff verbargen sich Reize, erotische Rundungen, die ich nur erahnen konnte. Sie bemerkte mein Blick, dass ich sie musterte, ja förmlich mit meinen Augen ihr Kleid aufknöpfte.
Und es gefiel ihr. Sie drehte sich etwas zur Seite, so dass sich der zoom meiner Augen auf ihren Busen richtete. Ihre geilen Rundungen mit den scharfen Spitzen brauchten keine Unterstützung.
Con permiso Señor! Sagte sie lächelnd verlegen und ging zurück in die Küche.
Rudi, der Hahn, stand vor mir und sah mir beim frühstücken zu.
Halt du dein Schnabel, ich weiß, die Morgengeilheit ist eine schöne Sache! Sagte ich. Die Hühner hinter ihm gackerten und pickten Grünzeug auf. Rudi drehte sich um und, äh äh ähh äähhhtsch.
Blöder Hahn! Rief ich.
Die schöne Señora kam aus der Küche.
Con quién estás hablando, Señor?
(Mit wem reden sie?)
Ich deutete mit meinem Finger auf den Hahn.
Ihr herzhaftes, liebliches Lachen höre ich heute noch in meinen Träumen.
Dónde está el Señor Ocaña?
Fragte ich sie.
(wo ist ihr Mann?)
Oh, mein Mann ist heute morgen ganz früh nach Huánuco gefahren, er muss was erledigen, er wird erst morgen wieder zurück sein, erzählte sie mir.
Mir war aufgefallen, dass sie drei Knöpfe ihres Kleides geöffnet hatte und gab jetzt den Blick frei auf ihre erotische Seele. Ein geiler Blick.
Ima su tiki? Fragte ich sie direkt.
(wie ist ihr Name?)
Oh, sie sprechen unsere Sprache? Fragte sie und setzte sich zu mir.
Naja, ein paar Wörter, sagte ich verlegen.
Und sie antwortete:
Ima su tikuni „Luana“!
(ich heiße „Luana“!)
Was machen sie hier eigentlich?
Wohin wollen sie?
Woher kommen sie?
Ich hatte es geschafft. Ich hatte ihre Neugier geweckt.
Ich bin hier, weil ich die Kultur der Yarowilka kennen lernen will und die Menschen, die hier leben. Ich war gestern in Piruro. Und heute will ich zu dem seltsamen Gebilde oben auf dem Berghang. Ich habe es von Piruro aus deutlich gesehen. Es sieht aus wie eine Eisenbahn. Ich erzählte ihr von dem gestrigen Tag, von der Galerie des Todes, von den bewaffneten Terroristen und von den Hunden im Nebel. Sie sah mich an.
Und von wo sind sie?
Und wie ist ihr Name?
Fragte sie mich noch mal.
Ich heiße Walter und komme aus Deutschland!
Sagte ich und bot ihr gleichzeitig das „Du“ an.
Ach ja, schau an! Meinte sie, ich habe ein Schwager der in der Schweiz lebt!
Ja, ich weiß, ihr Mann hat es mir erzählt, erwiderte ich.
Walter, sagte sie Sorgenvoll und nahm zärtlich meine Hand, du mußt sehr vorsichtig sein, als Fremder in unserer Region. Vor allem im dunkeln ist es hier sehr gefährlich. Heute Nacht ist der Bürgermeister von Terroristen erschossen worden.
Sie wusste nichts von meinem nächtlichen Ausflug. Ich hätte ihr erzählen können, dass ich fast daneben stand als er erschossen wurde. Stattdessen genoss ich ihre Sorge um mich und ihre zarten Hände. Sie ließ meine Hand nicht los und erzählte weiter:
Mein Mann und ein Bekannter nahmen den Jeep und bringen die Leiche des Bürgermeisters nach Huánuco zur Polizei.
Sie schaute mir tief in die Augen und sagte:
Wenn du willst kannst du mich ein Stück begleiten, ich gehe heute Morgen zu den Kühen Milch holen, es liegt auf dem Weg zum „Cerro Celmin“, das ist da wo du hin willst.
In ihren schwarzbraunen Augen sah ich das indianische Feuer brennen, ein gefährliches, heißes Verlangen nach Sex.
Und sie spürte wohl meine Erregung, meine leidenschaftliche Sucht nach Abenteuer und Erotik.
Oh ja Luana, sehr gerne!
Sagte ich und lächelte sie an.
Sie ließ meine Hand wieder los und meinte:
Dann wollen wir uns mal fertig machen, nahm das Geschirr und stellte es in den Waschtrog.
In 20 Minuten gehen wir los, rief sie mir zu und verschwand in der Küche.
Mein kleiner Rucksack war noch gepackt von gestern. Er ist meine kleine Lebensversicherung. Ich zog meine Stiefel an und war eigentlich schon fertig. Ich wartete im Hof auf Luana. Rudi, der geile Hahn, stolzierte um mich herum. Seine Hühner folgten ihm auf Schritt und Tritt und pickten Grünzeug vom Lehmboden. Rudi blieb vor mir stehen und sah mich an.
Sei du nur ruhig! Raunte ich ihm zu. Du und ich, wir haben etwas gemeinsam und wir wissen was wir wollen. Er drehte sich um und, äh äh ähh äähhhtsch.
Naaa, redest du wieder mit den Hühnern! Luana stand hinter mir und lachte. Ich drehte mich um und traute meinen Augen nicht. Ich war sogar etwas erschrocken. Ich sah ihre rote Bluse mit den offenen Knöpfen. Der Ansatz ihrer geilen Rundungen zogen meine Blicke magisch an. Sie hatte Jeans an, die ihre Figur betonte. Und  Wanderschuhe.
Ich sah ihr in die Augen.
Sie spürte meine angeregte Verwunderung.
Die Sachen hatte ich mir mal aus der Schweiz mitgebracht! Sagte sie verlegen.
Que bonita, que guapa eres tu! Sagte ich leise zu ihr.
(wie schön du bist)
Vámonos Gringo? Sagte sie.
Und ich:
Si vámonos guapa!
Die Sonne hatte schon sehr früh das Tal erwärmt und es sah aus, als gäbe es ein schöner, regenfreier Tag. Aber das Wetter in der Regenzeit ist unberechenbar.
Wir gingen durch das Dorf. Tantamayo hatte damals keine 300 Einwohner.
Es sah geisterhaft aus, wie verlassen. Vielleicht war es so, wegen den nächtlichen Aktivitäten der Terroristen, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzten.
Das Haus des Bürgermeisters, ein trauriger Anblick.
Ich ging Luana hinterher. Sie trug einen blauen Rucksack mit einer kleinen Schweizer Flagge hinten drauf. Ein heimisches Gefühl kam in mir auf. Luana sah aus wie eine „Gringita“, eine Fremde.
Die zwei Plastikeimer, die sie dabei hatte, ihre schwarzen Haare, die sie jetzt offen trug, die tiefbraune Haut und ihr Gesicht verrieten ihre Herkunft.
Wir stiegen zum Rio Tantamayo hinunter und
mitten auf der Hängebrücke blieb sie stehen. Schau mal da, rief sie mir zu, die kleine Sandbank am Fluss. Ich brauche eine Abkühlung, hast du Lust?
Wir sahen uns in die Augen. Ich sah wieder dieses indianische Feuer, dieses verlangen nach tabulosem Fremdem. Dieser Morgengeilheit konnte ich nicht widerstehen.
Ja klar habe ich Lust! Rief ich ihr zu. Unsere Stimmen übertönte das Rauschen des Flusses.
Gut, vámonos! Rief sie.
Und so kletterte ich mit Luana die Felsen hinunter zur kleinen Sandbank.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte