EXPEDITION YARO

Peru 1989
Teil 11

„LIEBE UND TOD IN DEN ANDEN“

Es wurde dunkel und
unsere nackten Körper leuchteten im flackernden Licht der Kerzen wie das Gold des Rio Marañón.
Liza befreite sich aus meinen engumschlungenen Armen, zog sich ihren Rock an und ging nach draußen.
Rosas nackten Körper spürte ich an meinem Rücken, sie legte ihr Bein über meine Hüfte und streichelte meine Brust, mein Bauch. Sie zog mich auf den Rücken, setzte sich auf mein Becken und atmete tief durch. Sie stützte sich mit ihren Armen ab, bewegte sich immer heftiger, intensiver und schaute mir in die Augen. Ihre Atmung stockte. Leise flüsterte sie mit zitternder Stimme:
Deine Erregung macht mich wahnsinnig, oh mein Gott, tu eres un brujo, brujo mió ( du bist ein Hexer, mein Hexer).Ihr Liebesgeflüster wurde unterbrochen. Liza rief von draußen:
Das Essen ist fertig!
Kommt ihr?
Rosa rief nach draußen:
Ja ja, wir kommen,…gleich!
Ihre Stimme stockte und ihr Becken bebte. Ich hielt sie fest und sie schaute mich mit verdrehten Augen an und seufzte:
Brujo mió, vamos afuera (mein Hexer, lass uns nach draußen gehen).
Rosa befreite sich aus meinen Armen, zog ihren Rock und ihr rotes Shirt über ihren schwitzenden Körper und ging lächelnd nach draußen. Ich zog schnell meine Hose an und ging mit offenem Hemd in den Hof.
Liza hatte eine gemütliche Ecke hergerichtet mit einem Tisch, drei Stühlen und einer Petroleumlampe und hatte schon das Erdloch mit dem Pachamanca geöffnet.
Wo ist Ramon? Fragte ich.
Ramon schläft schon, er braucht noch viel Schlaf im Gegensatz zu uns! Sagte Liza lächelnd und belegte unsere Teller mit Fleisch, Kartoffeln und Gemüse.
Rosa schenkte uns „Chicha Morada“ in die Gläser, ein Alkoholfreies Maisgetränk.
Die Hühner schliefen auch schon, nur die Meerschweinchen krabbelten noch um unsere Füße herum.
Rosa lächelte mich an, streichelte meine Schulter und säuselte mir ein liebes „buen provecho“ ins Ohr.
Und Liza zog die Blicke auf sich, meine Blicke. Sie saß mit nacktem Oberkörper am Tisch und spürte, wie ich sie mit den Augen berührte. Meine Blicke wanderten über ihre tiefbraune Haut, ihre wilden Rundungen mit den geilen Spitzen. Sie grinste, legte ihre Hand auf mein Oberschenkel und sagte:
Buen provecho mein Lieber!
Buen provecho! Rief ich über den Tisch. Ich hatte Hunger, nicht nur auf das Pachamanca, nein, ich hatte auch Hunger auf diese kreolische, tabulose Erotik.
Ein Lkw fuhr draußen vorbei, das Geräusch verhallte. Dann fiel in der Nähe ein Schuss und gleichdrauf noch ein Schuss. Palaver drang von draußen herein. Einer rief:
Alto, alto!
Ein anderer rief:
Donde esta?
Es fiel noch ein Schuss.
Lichtkegel flackerten durch die Luft, dann war es totenstill.
Liza drehte die Petroleumlampe aus.
Jetzt ganz leise sein! Sagte sie ängstlich.
Ich sah Rosa an. Sie drückte ihren Zeigefinger auf ihre geilen, vollen Lippen und meinte:
Psst!
Ohne ein Wort aßen wir im dunkeln zu Ende und Rosa stellte danach das Geschirr in den Waschtrog. Der Mond stand über den östlichen Bergen und tauchte die Meerschweinchen in ein gleißendes Licht. Liza nahm meine Hand, zog mich ins Schlafzimmer und Rosa kam schleichend hinterher.
Liza kniete sich vor mir, zog mir die Hose runter und küsste meine Erregung. Rosa grinste im Licht der Kerzen, als ich Lizas Lippen, ihre kreisende Zunge spürte. Liza drückte mich zärtlich auf die Schlaf-Insel.
Oh man, sagte ich leise vor mich hin, wo bin ich da nur hin……geraten? Meine Stimme stockte, weil ich Lizas Lippen, ihre Zunge intensiver spürte und……..
Ich war in die Fängen zweier kreolischen Nymphen geraten, in einem Sog der Lust und Leidenschaft, mitten im „Rupa Rupa Land“ und fühlte mich wie Gott in Afrika. In dieser Nacht kam ich nicht zum schlafen. Chuquibamba, die goldene Ebene, wurde in dieser Nacht zur tabulosen, erotischen Ebene, mit Ausgangssperre und allen Annehmlichkeiten.
Am Morgen lag ich auf dem Rücken und starrte das Ichú-Gras an der Decke an. Rosa lag an meiner rechten und Liza an meiner linken Seite. Unsere nackten Körper waren mit einer roten Decke aus Lamawolle bedeckt und die Hähne krähten schon eine ganze Weile um die Wette
Liza drehte sich zu mir, streichelte über meine Brust und flüsterte leise in mein Ohr:
Gringo, tu eres un brujo!
Ja, ich weiß! Rosas brujo!
Sagte ich.
Und auch meiner! Grinste sie, zog die Decke weg und ging nach draußen.
Rosa stand auch auf, nahm meine Hand und zog mich von der Schlaf-Insel.
Komm mit, wir gehen runter zum Fluß und machen uns frisch! Sagte sie.
Die Februarsonne blinzelte über den östlichen Bergen, tauchte das Marañóntal in ein warmes Licht. Liza kümmerte sich um Ramon und das Frühstück und Rosa lockte mich mit ihrem tiefbraunen, unersättlichen, geilen Körper runter zum Fluß.
Kommst du? Rief sie und streckte ihren Arm nach mir aus. Ich nahm ihre Hand und zusammen liefen wir nackt durch Lizas Kräutergarten und weiter über die Natursteinstufen hinunter auf die kleine Sandbank des Rio Marañón.
Rosa legte sich in das Flachwasser und zog mich zärtlich zu sich. Meine Lippen, meine Zunge wanderten über ihre zarte, tiefbraune Haut und unsere tabulose Liebe erzeugten orgiastische Wellen der Leidenschaft. Ihre Lustschreie schluckte der rauschende Marañón.
Liza kam etwas später dazu und genoss auch diese zügellose Leidenschaft.
Schließlich befreite sie uns aus den erotischen, wilden Wellen der Lust.
Nach dem Frühstück, gegen Mittag, verabschiedete ich mich von Liza und Rosa und hatte Chuquibamba, diese goldene, erotische Ebene verlassen. Ich fuhr mit dem ersten Lkw weiter, tiefer in das Herz der Yarowilka Kultur.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 10

„ROSAS TANTE“

Die Sonne war hinter den über 4000 Meter hohen Bergen verschwunden. Ab und zu blinzelte sie noch zwischen Bergspalten hindurch und ließ das Marañóntal gelborange leuchten. Rosas gelbe Bluse leuchtete mit der
Landschaft um die Wette und ihre dunkelschwarzen, halblangen Locken und ihrer tiefbraunen Haut ergaben einen wunderschönen, erotischen Kontrast, der mich dahinschmelzen ließ. Rosa nahm ihr Bündel in die Hand und ging Voraus. Ich zog mein Rucksack über die Schulter, meine Fototasche hatte ich um die Hüfte geschnallt und ging ihr hinterher.
Ich erinnerte mich. Es gab schon mal jemand, dem ich hinterher gegangen bin.
Wie war das damals, 1976, jene Zeit, wo ich angefangen habe Bergerfahrungen zu sammeln.
Ich saß in einem Wirtshaus in Tirol und hatte einen alten Mann kennengelernt. Er arbeitete für die örtliche Gemeinde. Es war schon spät am Abend gewesen, als er mir sagte, dass er am nächsten Tag auf die Berge geht, um die Wege zu markieren. Ich hatte ihn gleich gefragt, ob er mich mitnehmen könnte?
Gibscht mir a wenig Geld, dann nehm i di mit! Hatte er gesagt. Ich gab ihm ein paar Schilling und am nächsten Morgen waren wir ganz früh aufgebrochen, es war fast noch dunkel.
Ich hatte meinen ersten privaten Bergführer. Wir gingen auf steilen Pfaden durch die Berge. Er ging voraus, markierte mit einem Pinsel und Farbe an gut sichtbaren Stellen den Weg und ich ging ihm hinterher, wie ein Hund seinem Herrchen. Wir überquerten Schneefelder und kletterten über steile Felsen. An gefährlichen Abgründen gab er mir die Hand, so dass ich nicht abstürzte. Es war wie im Traum. Und am Abend saßen wir wieder im Wirtshaus und er erzählte mir Bergerlebnisse aus Neuseeland, aus dem Himalaya, aus Mexiko und aus den Anden. Ich hörte ihm gespannt zu und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Diese Geschichten umschrieben nur ein Wort, „Abenteuer“. Mein Respekt und meine Sehnsucht wuchsen ins unerträgliche.
In den nächsten, kommenden Jahren war ich dieser Sehnsucht, dem „Ruf der Berge und der Wildnis“ gefolgt.
Durch meinen Beruf, den ich gelernt und damals ausgeübt habe, hatte ich sehr viel Freizeit.
So war ich fast drei bis viermal im Monat, für ein paar Tage in den Alpen unterwegs.
Bei der „Hochgebirgsschule Tyrol“ erlernte ich das Bergsteigen in Felsen und Eis. Bergführer lehrten mich die Knotentechnik und den Umgang mit dem Seil am Berg. Ich lernte die Eistechnik, das Gehen und Klettern mit Steigeisen und Eispickel. Und ich erlernte die Navigation mit Karte und Kompass. Alles in allem lernte ich, wie ich selbständig Touren und Expeditionen planen und durchführen konnte und wie ich in der Natur überleben kann.
Und mit all dem Wissen und dieser Sehnsucht, lief ich „Rosa“, dieser schönen Kreolin, hinterher zu ihrer Tante.
Chuquibamba heißt auf Deutsch „Goldene Ebene“. Nicht nur weil die Sonne die Landschaft Golden erschienen ließ, nein, es ist der goldhaltige Marañón, der ihr den Namen verlieh.
Seitdem die Terroristen diese Region kontrollierten, ließ sich kein Goldwäscher mehr hier blicken.
Ein Lkw mit schwer bewaffneten Soldaten fuhr an uns vorbei, als Rosa an die Tür klopfte, wo ihre Tante wohnte. Die Tür ging ein Spalt breit auf. Rosa drückte die Tür etwas weiter auf und eine junge Kreolin mit blauschwarzen langen Haaren stand in der Tür. Ihre weiße Bluse war ein Knopf zu wenig zu geknöpft. Das goldene Kreuz an der Kette zierte das erotische Tal mit den sanften Hügeln und ihren geilen Spitzen. Oh Gott, wie bin ich süchtig nach den altamerikanischen Kulturen und nach dieser wilden, erotischen Berglandschaft. Ihre zarte, tiefbraune Haut schrie förmlich nach küssenden Berührungen. Ihr markantes Gesicht mit der Stupsnase und dieses niedliche Lächeln war überwältigend. Sie war nicht viel älter als Rosa.
Hola tía Liza, como estas!
Rosa begrüßte ihre Tante mit einer innigen Umarmung und Küsschen links, rechts, links und rechts. Die Umarmung löste sich und Liza schaute mir in die Augen und sah Rosa fragend an.
Oh! Sagte Rosa.
Das ist Walter, ein Freund aus Deutschland, er will nach Tantamayo!
Er bleibt über Nacht bei uns, wenn du nichts dagegen hast? Rosa grinste mich an und Liza grinste mit und meinte:
Ja gerne!
Sie umarmte mich innig. Küsschen links, Küsschen rechts. Ich fühlte diese wilde Erotik, diese sanften Hügeln mit ihren geilen Spitzen. Und gerne hätte ich sie weiter geküsst durch das erotische Tal, aber wir gingen durch den Hof ins Haus. Blasgelbe Küken, sie sahen aus wie kleine Wollknäuel, rannten über den Lehmboden und durch unsere Beine hindurch.
Meerschweinchen lagen auf einem Haufen in der Ecke und Hühner stolzierten über den Lehmboden und pickten Grünzeug auf. Eine typische
Lebenswelt eines ländlichen Anwesens in dieser entlegenen Region.
Aber irgendetwas war anders, es war diese prickelnde Erotik die Rosa und Liza ausstrahlten.
Das Haus wurde aus Lehm gebaut und das Dach war aus dem harten Ichú-Gras gedeckt, das hier überall wächst. Drei kleine Zimmer hatte es, ohne Fenster. Im Nebengebäude, gleich neben der Zisterne, war die Küche, Waschraum und Toilette. Wir saßen am Tisch als gerade ein kleiner Junge zu mir kam und mich an der Hose zog.
Na hallo, wer bist du denn? Fragte ich.
Das ist Ramon, mein Sohn! Sagte Liza und lächelte. Nächsten Monat wird er fünf Jahre alt, erzählte sie.
Und wo ist Ramons Vater? Fragte ich in den Raum.
Liza schaute Rosa an, drehte langsam ihren Kopf zu mir, sah mir tief in die Augen und sagte mit trauriger Stimme:
Vor drei Jahren kamen Terroristen in der Nacht und haben ihn mitgenommen, er ist nicht mehr zurückgekommen! Sie senkte für einen Augenblick ihren Kopf. Ich nahm ihre Hand, beruhigte sie und sagte:
Das tut mir leid Liza! Ich streichelte ihren Arm. Liza schaute mir wieder in die Augen, drehte ihren Kopf zu Rosa und sagte lächelnd:
Schön, dass ihr hier seid, ich bereite für uns ein „Pachamanca“ vor! Sie stand auf, nahm Ramon an die Hand und ging durch den Hof in die Küche.
Eine „Pachamanca“ ist ein Festessen. Es besteht aus Rind oder Schaffleisch, mit Kartoffeln und Gemüse, das in einem Erdofen gegart wird. Eine peruanische Spezialität.
Rosa nahm ihr Bündel in die Hand und sagte:
Komm, wir bringen unsere Sachen ins Schlafzimmer!
Ich nahm mein Rucksack und ging Rosa hinterher ins Schlafzimmer.
Es war nicht das Bett, nein, es war diese Schlaf-Insel und die Gedanken an Liza und Rosa, die mich erregten. Es war eine Art Matratze aus getrocknetem Gras, viel weicher als das Ichú-Gras. Darüber lag eine rote Decke aus der weichen Lama-Wolle. Am Fuß der Schlaf-Insel lagen noch ein paar Decken der gleichen Wolle. Die Nächte in den Anden können sehr kalt werden. Nicht selten fällt das Thermometer in der Nacht weit unter den Gefrierpunkt, obwohl es tagsüber über 30 Grad warm werden kann.
Ich stellte mein Rucksack und die Fototasche in eine Ecke auf den Lehmboden und drehte mich um. Rosa hatte ihre gelbe Bluse ausgezogen und war gerade dabei ihre kleinen, festen Brüste mit einem roten T-Shirt zu bedecken. Sie zog es über ihre tiefbraune Haut, umarmte mich und sagte leise:
Schön, dass du mitgekommen bist, du wirst es nicht bereuen!
Sie löste die Umarmung und drückte mich rückwärts, so dass ich auf die Schlaf-Insel fiel. Sie zog ihr T-Shirt wieder aus und kniete sich über mich. Sie knöpfte gerade mein Hemd auf, als Liza plötzlich grinsend in der Tür stand. Ein kleines Küken drückte sie zärtlich an ihre Brust, das versuchte in ihren Ausschnitt zu krabbeln. *oh wie gerne wäre ich jetzt das Küken, würde versuchen weiter zu krabbeln und diese geilen, erotischen Rundungen zu erkunden *
Liza setzte das Küken zurück auf den Boden, das schnell nach draußen huschte. Sie legte sich neben uns, stützte sich mit einem Arm ab und streichelte Rosa zärtlich über den Rücken. Rosa rutschte langsam auf die andere Seite, stützte sich, genauso wie Liza, mit einem Arm ab. Rosa knöpfte mein Hemd weiter auf und Liza streichelte die Innenseiten meiner Oberschenkel, meine Erregung. Sie öffnete meine Hose und sagte leise mit erotischer Stimme:
In etwa zwei Stunden ist das Essen fertig und…….

Aber das ist wieder die nächste Geschichte

EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 9

„ROSA“

Den ganzen Vormittag blieb ich noch in der kleinen Bar, half der jungen Rosa beim Wäsche waschen. Wir erzählten uns viel. Wie ist das Leben bei euch in Deutschland? Fragte sie mich.
Ich erzählte ihr von mir und von dem Leben in Deutschland, von der Ordnung in unserem Land, von unserem Steuersystem und dass alles teurer ist als hier. Und ich erzählte ihr von unserem relativ gut funktionierendem Gesundheitssystem.
Rosa setzte sich auf den Rand des Waschtroges, hatte ein Bein angewinkelt, sodass ihr Rock zurückfiel.
Hier funktioniert Garnichts! Sagte sie energisch. Zum nächsten Arzt in Huánuco brauchst du sechs Stunden, jetzt in der Regenzeit sogar acht Stunden. Ein Telefon und Elektrizität gibt es nicht, noch nicht, und Wasser gibt es nur aus der Zisterne, nahm eine Handvoll und spritzte mich nass. Sie legte ihr Kinn auf ihr rechtes Knie und streichelte mit ihrer nassen Hand die Innenseite ihres Oberschenkels und erzählte weiter:
Mein Vater kenne ich nicht. Meine Mutter war verheiratet, ihr Mann haben die Terroristen des „Sendero Luminoso“ (Leuchtender Pfad) erschossen. Sie kommen immer noch hier durch, überwiegend wenn es dunkel ist. Erst vor fünf Tagen gab es ein Schusswechsel zwischen der Polizei und den Terroristen. Sie kontrollieren die ganze Region hier, wegen dem Goldhaltigen Rio Marañón. Ihre Stimme klang traurig. Lächelnd warf sie mir ein Slip zu und rief: Hier, häng auf! Ich fing das geile Teil auf, nahm eine Wäscheklammer und streckte mich zur Leine. Plötzlich spürte ich eine Umarmung von hinten. Rosa drückte ihren festen Körper gegen meinen Rücken. Sie schob mein Hemd hoch und streichelte mein Bauch mit ihren zarten, nassen Händen. Sie legte ihr Kinn auf meine linke Schulter und ich umfasste ihre Hüften, ihren festen Po und beugte mein Kopf nach hinten in ihren seitlichen Nacken. Wir drückten unserer Köpfe zusammen und sie hauchte erotisch in mein Ohr:
Ich geh mit dir, Gringo! Sie schob ihre Hände hoch zu meiner Brust und ich spürte ihren kleinen festen Busen, den sie stärker gegen mein Rücken presste. Ich fühlte ihren Herzschlag. Ich flüsterte in ihr Ohr: Oh Rosa, bitte……. Sie unterbrach mich mitten im Satz und sagte: Ich nehme den gleichen LKW wie du, ich fahre nach Chuquibamba und besuche meine Tante. Letzte Woche war sie bei uns und hat gesagt, dass die Küken schlüpfen, wir können ein paar haben. Morgen fahre ich wieder zurück. Wir können noch ein paar schöne Stunden zusammen verbringen.
Oh Rosa, ich bleibe nicht in Chuquibamba, ich fahre nach Tantamayo! Sagte ich.
Ich löste mich nur ungern aus ihrer Umklammerung. Ihre Mutter kam gerade aus der Küche in den Hof und sagte mit trauriger Stimme: Ihr müsst jetzt los, der erste Lkw nach Chuquibamba kommt gleich hier durch. Es ist besser wenn ihr gleich den ersten nehmt, sonst kommt ihr noch in die Dunkelheit und das ist zu gefährlich. Sie ging wieder zurück in die Küche. Rosa drückte mir ein Kuss auf die Wange und sagte: Komm Gringo, wir müssen los! Wir gingen in die Küche. Ich umarmte ihre Mutter und drückte sie an mich.
Danke für alles Rosa! Sagte ich. Und sie meinte: Pass gut auf meine Tochter auf „Gringo“ und komm doch mal wieder. Rosa befreite mich aus den Armen ihrer Mutter. Ich zog mein Rucksack über die Schulter, nahm meine Fototasche in die Hand und zusammen gingen wir durch die kleine Bar. In der Ecke saßen zwei zwielichtige Typen mit Strohhüten. Sie sahen sehr betrunken aus. Die Sonne schien, es war sehr warm und die Straße war noch sehr schlammig. Wir gingen an der Seite des Weges entlang bis zu einem trockenen Platz und mussten nicht lange warten bis der erste Lkw kam. Wie üblich war er voll beladen mit Kisten und Säcke und fröhliche Indigene. Mein Rucksack verschwand zwischen ein paar Kisten und Rosa und ich kletterten nach oben. Ich setzte mich auf ein Kaffeesack und Rosa klemmte ich zwischen meine Beine. Zärtlich hielt sie sich an meinen Oberschenkeln fest. Rechts und links saßen ein paar Lächelnde Indigene. Und die Fahrt ging auch gleich los. Unterwegs fing es an zu regnen. Da ich seit Huánuco mein Regenponcho am Gürtel hängen habe, konnte ich ihn schnell greifen und stülpte ihn über uns. Geschützt vor dem Regen und vor den Blicken der anderen, drehte sich Rosa um, knöpfte mein Hemd auf und………ohhh Rosa, was machst du mit mir?
Nach über drei Stunden kamen wir über Tingo Chico nach Chuquibamba. Hier war eine kleine Pause. Wir kletterten vom Lkw herunter und gingen an das Ufer des Rio Marañón. Wir setzten uns auf einen Felsen und unterhielten uns und merkten nicht wie die Zeit vergangen ist. Vaya con Dios Gringo! Sagte sie zu mir. Wir gingen zurück zum Lkw, aber da war kein Lkw mehr. Zu meiner Verwunderung stand da mein Rucksack und Rosas Bündel. Den muss einer abgeladen haben, dachte ich. Rosa drehte sich zu mir und sagte grinsend: Komm mit zu meiner Tante, es ist nur ein paar Minuten von hier. Du kannst doch morgen weiter fahren. Wenn du auf den nächsten Lkw wartest, kommst du in die Nacht hinein und das ist viel zu gefährlich.
Und so ging ich mit Rosa zu ihrer Tante….

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 6

FLUCHT NACH GARO 

Langsam ging ich den zwei Männern hinterher. Sie waren etwa so groß wie ich, hatten dunkelschwarze, glänzende Haare und tiefbraune Gesichter. Das Alter konnte ich schlecht schätzen, vielleicht so um die 40. Wir liefen ein paar Meter die Straße hoch. Links ging ein Weg ab, das musste der Weg nach „Garo“ sein. Wir gingen ein stückchen weiter, dann links durch einen Hof in eine Hütte. Tisch, Bank und ein paar Stühle standen da auf dem Lehmboden rum. 
Es gab noch eine offene Tür, das war wohl die Tür zur Küche, in der der eine Mann verschwand. 
Setz dich doch „Gringo“! Sagte der andere Mann. Mir gefiel es nicht, wie er sagte: „Gringo“, aber er lächelte dabei und da war das erstmal in Ordnung. Ich setzte mich außen auf die Bank und er nahm ein Stuhl und setzte sich genau mir gegenüber. 
Como su nombre? fragte er mich. (Wie ist ihr Name?) Ich antwortete ihm in Quechúa, damit er merkt, dass ich aufgeschlossen gegenüber dem Land bin, dass ich die Kultur und die Menschen mag. 
Ima su tikuni Walter! sagte ich. Und wieder war da das Lächeln in seinem Gesicht. Du sprichst Quechúa? fragte er mich. Ja, ein paar Wörter! sagte ich. Inzwischen kam der andere Mann mit einem Teller Reis, Bohnen und Eier zurück und stellte ihn vor mir auf den Tisch. Da ich noch nicht gefrühstückt hatte, kam es mir gerade recht. 
Comé señor, comé! 
(Iss Herr, iss!)
Ich hatte mit den Fingern gegessen, denn eine Gabel gab es nicht. Plötzlich sah ich Leute in den Hof laufen. Männer, Frauen, Indigenes. Manche hatten Musikinstrumente mitgebracht. Einer hatte eine Harfe und trug schwer. Die anderen hatten Gitarren, Trompeten, Querflöten und Schlag-Instrumente dabei. Als ich fertig gegessen hatte, gingen wir in den Hof und die Leute fingen an zu musizieren. Was sie spielten, kannte ich nicht. Es war keine typische Andenfolklore, nein, es war etwas Fremdartiges. Ich konnte es keiner Musikrichtung zuordnen. Aber es hatte Rhythmus. Die Indigenen fingen an sich zu bewegen, sie tanzten. Eine junge Frau tanzte mich an und streckte ihren Arm aus. Sie forderte mich auf mit zu tanzen. Ich konnte dieser indigenen Schönheit keinen Korb geben, schließlich ist man freundlich gegenüber Fremden, auch vor allem einer fremden Kultur. Also bewegte ich mich auch zu diesen fremdartigen Klängen. Ich sah den Stolz in Ihren tiefbraunen Augen und sie tanzte immer wieder um mich herum. Ihre langen, blauschwarzen Haare flogen durch mein Gesicht und sie brachte ihre ausgeprägten, erotischen Rundungen mit in die tanzenden Bewegungen. Ihre festen Brüste streiften immer wieder über mein Rücken. Während ich mich tanzend bewegte, hatte ich ein ungutes Gefühl, aber nur in meinem Kopf. Ich fragte mich: 
Was ist das für ein Fest? Ist das ein rituelles Fest? 
Es gibt viele regionale Feste und Rituale in entlegenen Regionen, die kaum ein Fremder kennt. Plötzlich hörte die Musik auf zu spielen und die Leute versammelten sich um einen Mann herum, der gerade gekommen war. Meine tanzende Schönheit verschwand in der Hütte. 
Es gab ein riesen Palaver um den Mann drumherum, sie sprachen Quechúa, ein Dialekt aus der Region, den ich nicht kannte. Ich konnte immer nur das Wort „Gringo“ verstehen, offenbar ging es um mich. Die Versammlung öffnete sich und ein Mann kam mir entgegen und hatte eine Machete in der Hand, er sah sehr verärgert aus. Ich dachte, jetzt wird es Zeit zu verschwinden. Schnell packte ich mein Rucksack und meine Fototasche, rannte durch die Leute aus dem Hof heraus und der Mann mit der Machete mir hinterher. Ich bog rechts ab in die Richtung, wo die Ruinen der Yarowilka stehen. Vierhundert Höhenmeter waren es noch von Choras aus bis zu den Ruinen. Ich lief schnell bergauf, drehte mich immer wieder um. Den Mann konnte ich durch die Felsen nicht mehr sehen. Aber ich fühlte mich immer noch verfolgt, deswegen lief ich schneller. 
Nach knapp einer Stunde hatte ich „Garo“, die Hauptstadt der Yarowilka erreicht und hatte mich ganz oben hinter einer Mauer versteckt. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick über die Ruinen und ob mir jemand gefolgt war. Endlich konnte ich mich ausruhen und konnte über alles nachdenken, was mir da widerfahren ist. 
   Mir viel ein Buch ein, das ich mir noch vor dieser Expedition gekauft hatte. Es hieß „Zu Ehren der Götter“ (Menschenopfer in den Anden). Es handelt von der Tradition des rituellen Menschenopfers und dass diese Tradition auch heute noch existiert. Meine Gedanken pulsierten, machten Bocksprünge. Sollte der Teller Reis mit Bohnen und Eier eine Henkersmahlzeit gewesen sein? Und war dieser Tanz mein letzter Tango? Mir schauderte es, als ich an die alte Indigene in Huánuco dachte, die mir zu rief: Hola Gringo, a donde viajes? vas a morir! (Hallo Fremder, wohin reist du? Du wirst sterben!) . Ich wollte nicht mehr darüber nachdenken.
Es fing an zu regnen. Ich zog mein Regenponcho aus meinem Rucksack, der auch ein Notzelt war, stülpte ihn über mich und kauerte neben dieser Mauer einer Ruine. Immer wieder mal schaute ich um die Ecke, ob ich verfolgt wurde. Es war niemand zusehen. Kein Mensch. Nichts. Ich war alleine in der Hauptstadt der Yarowilka in 4000 Meter Höhe. 
Als der Regen nachließ, ging ich durch die Ruinenstadt. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es waren Häuser aus Bruchsteinen, die mit Mörtel verbunden wurden. Manche Gebäude waren mehrstöckig hochgezogen. Eine enorme Leistung lange vor der Inka-Zeit. (Die Römer waren die ersten in Europa, die mehrstöckige Häuser bauten.) Die Mauernreste weiter unten hatten runde und ovale Formen, die aneinander verbunden waren. Es war wohl das Handwerkerviertel. Aber ein Gebäude hat mich besonders beeindruckt. Es war das Haus mit den drei Kreuzen. War es ein Symbol für das „Kreuz des Südens“, ein Sternbild das hier im Süden besonders stark leuchtet? Das Kreuz des Christentums kam lange Zeit später. Viele Fragen bleiben hier offen. Über zwei Stunden hatte ich mich in der Ruinenstadt aufgehalten. Durch den schnellen Aufstieg hatte ich Kopfschmerzen und etwas Nasenbluten. Erste Anzeichen für die Höhenkrankheit „Soroche“?
Oder war das noch von meiner Erkältung her?
Ich wollte schnellst möglich wieder in tiefer gelegene Regionen absteigen und plante meinen Rückweg nach Chavinillo, aber weit an der kleinen Siedlung Choras vorbei.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte.
 

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 8

Die Hauptstraße in Chavinillo

 „DIE ALTE KREOLIN“ 

 Die Hühner wurden sehr früh wach an diesem Morgen. Ich bewegte mich in meinem Schlafsack hin und her, hatte leichte Kopfschmerzen und dachte, ich hätte eine Schlange gefühlt, während ich mich umdrehte. Ich zog langsam mein Arm heraus und strich von außen über meinen Schlafsack. Das was ich fühlte, waren wohl die Reste eines erotischen Traumes in der Nacht und das gekrähe der Hähne draußen, kam mir vor wie ein Gelächter. 
Aber jetzt im Ernst, hier in den Ost-Anden gibt es der Sage nach eine Schlange Namens „Chuchúpe“, sie würde Menschen verfolgen und bellen wie ein Hund. 
Manchmal können „Sagen“ Wirklichkeit sein. 
Aber ich glaube, dass sich in dieses schäbig staubige Zimmer ohne Fenster, ohne Licht und Wasser, keine Schlange verirren würde. 
Schnell krabbelte ich aus meinem Schlafsack, packte alles zusammen in meinen Rucksack. Ich schüttelte meine Klamotten und meine Stiefel aus, falls sich doch irgendein Getier wohlfühlen würde, schlupfte hinein und zog mein Rucksack über die Schulter. Meine Fototasche nahm ich in die Hand und ging hinaus ins Freie. Ohje, in der Nacht hatte es geregnet. Die Straße war schlammig. Ich blieb auf der Seite und sah gerade ein Indigene in die kleine Bar gehen. Oh, die alte Kreolin hat schon geöffnet, gute Gelegenheit für ein Frühstück, dachte ich und ging an der Seite des Weges entlang. Als ich in der Tür der kleinen Bar stand, wurde es drinnen dunkel. Im Schein der Petroleumlampe sah ich ein Mann sitzen, der gerade eine Flasche ansetzte zum Trinken. Es war etwas undefinierbares Alkoholisches. Als er mich in der Tür stehen sah, stoppte er kurz seine Handbewegung und dann nahm er einen kräftigen Schluck. Mit „Hola Gringo“ begrüßte er mich. Mit einem „Hola Hombre“ und einer kurzen Handbewegung an meinen Hut, grüßte ich zurück, nahm mein Rucksack von der Schulter und setzte mich an den Nebentisch. 
In entlegenen Regionen ist der Alkoholkonsum unter der indigenen Bevölkerung sehr groß. Nicht selten sieht man schon am frühen Morgen betrunkene Indigene umherlaufen. 
Er war auf dem besten Weg dahin, aber solange er mich in Ruhe lässt, war es mir egal. Die alte Kreolin kam gerade aus der Küche heraus. 
Buenos días Señora! 
Ich begrüßte sie und sie rief:
„Hola, como estas, du schon wieder?
(Ich war am Abend zuvor der letzte Gast und an diesem Morgen fast der erste) 
Können sie mir ein Koka- Tee machen und haben sie ein Frühstück? fragte ich sie. 
Oh natürlich! sagte sie. Ihr Lächeln war sehr herzlich im Schein der Petroleumlampe und im Lichteinfall der offenen Tür. Ein Fenster gab es nicht in der kleinen Bar. Und sie meinte weiter, „ich habe Reis, Bohnen, Eier und Hühnchen! 
Oh gut, dann bringen sie mir ein Teller Reis mit Bohnen, Eier und Hühnchen! rief ich ihr zu. 
Sie kam zu mir an den Tisch, legte ihre Hand auf meine Schulter und meinte:
Ich glaube du hast Hunger?
Ja habe ich! Sagte ich. Ihre langen, dunkelschwarzen Haare streiften über mein Gesicht, als sie sich umdrehte und in der Küche verschwand. Ich ging ihr hinterher und als ich in der Tür zur Küche stand, fragte ich sie:
Señora, könnte ich mich bei ihnen etwas frisch machen? 
Ja natürlich, komm durch, hier hinten im Hof ist der Waschplatz! Sagte sie lächelnd. Ich ging durch die rauchige Küche, vorbei an hängenden, verkohlten Töpfen und Pfannen und einer offenen Feuerstelle, in den kleinen Hinterhof und sah ein Trog aus Beton mit einem Wasserhahn darüber. Da wurden die Wäsche, das Geschirr und die Töpfe und Pfannen gewaschen. Die Leitung des Wasserhahns führte zu einer Zisterne, ebenfalls aus Beton, in der das Regenwasser aufgefangen wurde. Die beste Lösung an sauberes Wasser zu kommen in dieser entlegenen Region. 
Schnell zog ich mein Hemd aus, legte mein Hut und meine Brille zur Seite und hielt mein Kopf bis fast meiner Schulter unter den laufenden Wasserhahn. Es war sehr erfrischend. Mit meinen Händen rieb ich das Wasser von meiner Haut und meinen Haaren und strich nochmal über meinen Kopf. Ich drehte mich um, wollte gerade mein Hemd anziehen und da hörte ich ein leises, verlegenes „Buenos Dias Señor“. Noch im offenen Hemd setzte ich mein Hut auf meinen nassen Kopf. Vor mir stand eine junge Frau mit halblangen, lockigen und tiefschwarzen Haaren. Sie trug Wäsche in einem Korb. Schüchtern blickte sie auf den Boden. Schnell setzte ich meine Brille auf und sagte:
Hola, buenos días, wer bist du denn? 
Ich bin „Rosa“! Sagte sie leise und schaute mir in die Augen. Die Verlegenheit in ihrer Stimme konnte ich deutlich hören. aber ihre tiefbraune Haut ließ keine Röte zu. Barfuß stand sie vor mir. Ihr schwarzer Rock war knielang und der Ausschnitt ihrer roten Bluse zeigte den Ansatz ihrer wohlgeformten, kleinen und festen Brüste. 
Sie legte die Wäsche bei Seite und setzte sich lasziv
auf den Rand des Waschtroges, immer noch zu mir schauend. 
Was für eine erotische Situation am frühen Morgen, dachte ich mir. Träumte ich noch? 
Ich knöpfte mein Hemd zu und mit einer kurzen Handbewegung an meinen Hut ging ich lächelnd durch die Küche zurück an meinen Tisch. Der Koka-Tee stand schon da und gleich drauf kam die alte Kreolin, brachte mir das Essen und setzte sich zu mir. 
Was machst du hier? 
Wohin willst du denn?
Wie heißt du eigentlich?
Und wie alt bist du denn? 
Fragen prasselten auf mich ein wie ein Lauffeuer. 
Während ich im Reis rumstocherte sagte ich:
Ich heiße Walter, bin 34, ich will nach Tantamayo und will die Ruinen der Yarowilka besuchen! 
Und wie heißt du und wie alt bist du? Fragte ich gleich nach. 
Ich bin 38 und heiße „Rosa Campo González“!
Ehm Rosa? Fragte ich nach und deutete auf den Hof. 
Oh „Rosa“, du hast meine Tochter schon gesehen! Sagte sie. 
Ehrlich gesagt, aus meinen jungen Augen hatte ich sie weit älter geschätzt. Sie war gerade mal 4 Jahre älter als ich. Aber das harte Leben in dieser entlegenen Region läßt einem ganz schön alt aussehen. 
Und sie erzählte weiter, hatte mir quasi ihr Herz ausgeschüttet. 
Rosa, meine Tochter, ist jetzt 22. Ein Mann hatte mich damals vergewaltigt.
Ich ließ meine Gabel los und legte meine Hand auf ihre Hand und sagte:
Oh, das tut mir leid!  
Sie schaute mir in die Augen und legte ihre Hand auf meine Hand. Aus ihren schwarzen Augen kullerten Tränen über ihre tiefbraunen Wangen. 
Rosa, ihre Tochter, kam zu uns an den Tisch und rief:
Mama, alles in Ordnung? 
Jaja Liebes, alles in Ordnung! Sagte sie traurig und immer noch meine Hand haltend. 
Der Mann am Nebentisch war eingeschlafen, die Flasche, die vor ihm stand, war leer. 
Eine traurige, erotische Stimmung lag in der kleinen Bar. Ich fragte die junge Rosa, wann die LKWs hier durchkommen nach Tantamayo. Sie setzte sich auf die Tischkante, stellte ein Fuß auf ein Stuhl und zog ihren Rock etwas hoch, sodass der Blick zu ihrem roten Slip frei wurde und sagte:
Die Camionettas, die heute Morgen hier durchkommen fahren alle nach „La Union“, heute Nachmittag kommen die LKWs, die nach „Tantamayo“ fahren! 
Sie sprach nicht mehr leise, auch nicht mehr verlegen. 
Sie lächelte mich an. In ihrem Blick war was Bestimmendes, sehnsüchtiges. 
Die alte Rosa meinte weinerlich:
Bleib doch Gringo, du passt zu uns! 
Eine Traurigkeit kam über mich. Ich war verwundert und sprachlos. Sie muss mich wohl durch die Küche beobachtet haben, wie gelassen ich mich bewegte und wie wohl ich mich bei ihnen fühlte. 
Aber die Sucht, die unheilbare Sucht nach Abenteuer trieb mich weiter in den toten Winkel der peruanischen Ost-Anden. 

Aber das ist wieder die nächste Geschichte. 

EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 7

Im Rupa Rupa Land

In meiner geographischen Landkarte konnte ich keinen Weg finden, der mich an der kleinen Siedlung Choras vorbeiführt. So ging ich erstmal in Richtung Norden, habe ein paar felsige Abgründe umgangen und bin dann über die „Mesa Pampa“ auf den Hauptweg, weit hinter Choras, gestoßen. Im Schutze einer Ziegenherde eines Campesino, kam ich wieder nach Chavinillo. Freundlich lächelnde Indigenen begegneten mir, für sie war ich die Sensation der Zeit. Ein Gringo in ihrem kleinen Ort, das gab es kaum.
Den Abend verbrachte ich bei der alten Creolin in der kleinen Bar. Im Schein ihrer Petroleumlampe saß ich am Tisch bei einer Flasche Cerveza und einem Teller voll Eier und Bohnen. Ich habe nochmal über den Tag nachgedacht und schrieb in mein Tagebuch:
„Heute bin ich wieder dem Tod begegnet, aber ich habe mich ja daran gewöhnt, es war ja nicht das erste Mal, dass mir sowas widerfahren ist“.
(Jetzt, wo ich das alles niederschreibe, in einer anderen, relativ sicheren Zeit und Ort, aus einer Entfernung, die sich ein Indigener aus diesen entlegenen Regionen kaum vorstellen kann, muss ich an das Lied von Nancy Sinatra denken: „You only live twice“, (du lebst nur zweimal).)
Ich habe an das Jahr 1972 denken müssen, wo ich mit meinem ersten VW-Käfer gegen einen Baum gefahren bin und danach beide Beine gebrochen hatte.
Ich habe an das Jahr 1985 gedacht, wo ich in Mexiko an der Karibik Küste beinahe ertrunken wäre, weil mich die Wellen immer wieder nach draußen getragen haben. Fast eine Stunde lang hatte ich mich durch die Fluten gekämpft und lag dann erschöpft am menschenleeren Strand. Oder als ich plötzlich in Guatemala in einem Partisanenlager gestanden habe, in 3000 Meter Höhe, im Nebelwald eines Vulkankraters. Wie oft habe ich schon vor einer Privatpatroullie im guatemaltekischen Guerrillagebiet gestanden, die mit Schnellfeuer- gewehren auf mich zielten, weil sie mich mit einer Todesschwadron verwechselt haben. Oder 1987 im argentinischen Gran Chaco, als mich, morgens um halb vier, beinahe ein Güterzug überrollt hätte, den ich nicht kommen hörte. (Ich bin heute noch den zwei Argentinos dankbar, die mir zuriefen: „Pass auf Gringo, da kommt ein Zug“!)
Die Sucht, die jämmerliche Sucht nach Abenteuer, trieb mich immer wieder in solche Situationen.
Am späten Abend hatte ich dann meine Rechnung bei der alten Creolin bezahlt. Ich nahm noch eine Flasche Cerveza mit und ging zwei Türen weiter zu meinem Zimmer. Weil es kein Wasser und auch kein Waschbecken gab, putzte ich meine Zähne mit Bier vor der Tür und ging dann zufrieden in mein Bett. Am nächsten Morgen wollte ich auf ein Lkw warten, der mich weiter, tiefer in das Rupa Rupa Land, das Land der Yarowilka bringt. Mein Ziel war „Tantamayo“, das vergessene Dorf in einem toten Winkel der peruanischen Ost-Anden.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

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Peru 1989
Teil 5
DIE SIEDLUNG „CHORAS“

Die Nacht war ruhig und Ratten und Mosquitos waren keine da. Wie immer wurde ich mit den Hühnern wach. Das Gekrähe erinnerte mich an Guatemala 1985, an Cunén, mitten im Guerrilla Krieg. Mir kommt es wie damals vor, als wenn sich die Hähne gegenseitig zurufen, ja unterhalten. (Habt ihr schon gehört *da ist ein Gringo gekommen *er kam alleine* sonst sind keine Fremden zusehen *was der wohl da will*) eine sehr interessante Unterhaltung in hohem und tiefem Gekrähe.
Ich habe die Hähne krähen lassen und habe meinen kleinen Rucksack gepackt. Wasserfilter, Regenponcho, Kompass, Höhenmesser, Machete, Survival Kit, Taschenlampe, Notration und meine Fototasche und bald drauf bin ich in südliche Richtung aus dem Ort gelaufen. Ich wanderte am jungen Rio Marañón entlang in 3500 Meter Höhe, vorbei an kleinen, mit Ichú-Gras bedeckten Lehmhäuser der Campesinos. Die Bauern vom Stamm der Quechúa leben in ärmlichen Verhältnissen, betreiben Ackerbau (Mais und Kartoffeln) und ein wenig Viehzucht (Hühner,Schweine und Rinder).
Noch am Vormittag kam ich in die kleine Siedlung „Choras“. Die Lehmhütten mit den Wellblechdächern, die in der Sonne glänzten, waren mir schon von weitem aufgefallen und ich habe zwei Männer gesehen, die auf dem Weg vor einer Hütte standen.
Als sie mich bemerkten, winkten sie und riefen:
Hola Gringo, venga, venga!
Ja ja, ich komm ja schon!
habe ich leise vor mich hin gesagt und ging langsam ihnen entgegen.
Wie so oft, hatte ich bei solchen Begegnungen ein ungutes Gefühl.
Buenos días señores, imaynalla-taq!
Ich habe sie begrüßt in Spanisch und in Quechúa
und zog mein Hut. (auf meinen Reisen zuvor habe ich ein paar Wörter in Quechúa gelernt und zu Hause durch ein Sprachführer vertieft)
Nach einem kurzen Handschlag haben sie mich gefragt woher ich komme und wo ich hin will?
De donde viene?
A donde vas?
*Die Fragen kamen mir bekannt vor. Schon 1985 in Guatemala, stellte man mir die gleichen Fragen, als ich in Cunén, mitten im Guerrilla-Gebiet, von einer Privatpatroullie festgenommen wurde. Nur damals waren sie zu dritt und hatten Schnellfeuergewehre im Anschlag.*
Diese zwei Männer sind Campesinos (Bauern) und haben Macheten am Gürtel hängen.
Soy de Alemaña!
Alemáña mandang! erwiederte ich in Spanisch und Quechúa.
Und:
Quiero ver tu país y visitar los edificios del Yarowilka!
(Ich komme aus Deutschland, will euer Land sehen und die Ruinen der Yarowilka besuchen.)
Sie lächelten und nickten mir zu.
Komm doch mit Fremder, du mußt essen und trinken, du bist bestimmt müde und hungrig. Wir machen ein Fest!
Auf meinen Reisen habe ich immer meine gute Kinderstube gezeigt, war freundlich und habe mich dem Land angepasst. Habe das gegessen und getrunken, was die Einheimischen auch essen und trinken.
Ich war neugierig und habe die Einladung angenommen……

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

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Peru 1989

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Peru 1989
Teil 4

DIE FAHRT NACH CHAVINILLO:

In einer kleinen Seitenstraße fand ich einen LKW, mit dem ich in das Land der Yarowilca, ins „Rupa Rupa-Land“ fuhr. Da standen viele LKWs rum, kleine und größere die in alle Himmelsrichtungen fuhren. Meiner war ein 6 Tonner und war schon mit den üblichen Sachen beladen, die man in entlegenen Regionen dringend benötigt. Da waren Kisten und Säcke mit Mais, Reis, Kaffee, Hühner und Schweine und ein paar fröhliche Indios waren auch schon hier. Heute sagt man ja nicht mehr „Indios“, (es ist ein Schimpfwort) es sind „Indígenas“
(Eingeborene)
Peru ist neben Bolivien und Guatemala eines der drei Länder Lateinamerikas mit einem großen Anteil indigener Bevölkerungsgruppen. 37 Prozent der Einwohner sind Mestizen, etwa 47 Prozent Ureinwohner. Letztere gehören überwiegend zu den Quechua und Aymara sprechenden Völkern.
(Quelle:Wikipedia)
Ich suchte mir einen guten Platz. Am besten sind die Plätze ganz oben wo man gut fotografieren kann. Da kann man auch zur Not runterspringen, falls der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert.
Nach zwei Stunden ging die Fahrt dann endlich los. Wir fuhren durch das Tal des Rio Higueras, der über die Ufer getreten war und alles überschwemmte. Auch „Kotosh“ der 4000 Jahre alte „Tempel der gekreuzten Hände“ aus der Vor-Inca-Zeit stand im Wasser. Die Straße glich einem Feldweg mit tiefen Furchen und war, wie üblich in der Regenzeit, sehr verschlammt. Wir fuhren stetig bergauf bis zur markanten Felsformation „Llagshahuarina – la Corona del Inca“ (Die Krone des Inka). Sie kennzeichnet auch die höchste Stelle der Straße zwischen Huànuco und Chavinillo. Von diesem Pass ging es bergab in das Tal des „Rio Marañón“, einer der Quellflüsse des gewaltigen Amazonas. Unser Fahrer leistete sich ein Rennen mit dem vorher fahrenden LKW. In rasanter Fahrt fuhren wir über die schlammige Piste bergab, wo ein normaler PKW keine Chance hätte hier durchzukommen. Die Fahrer haben Gottvertrauen und sind Zauberer der Anden-Pisten. Am späten Nachmittag kam ich endlich in der damals kleinen Ortschaft Chavinillo an. Es ist die Hauptortschaft des gleichnamigen Distrikts, liegt ca.3500 Meter hoch, an der Westflanke der Zentralkordillere und ist meine Basis und Ausgangspunkt zur Hauptstadt der Yarowilka-Kultur.
Ich kletterte vom Lkw runter, zog mein Rucksack über die Schulter und bahnte mir ein relativ trockenen Weg durch die tief zerfurchte und schlammige Hauptstraße. Ein paar Jungs, die mir begegnet sind, fragte ich nach einer Unterkunft. Sie zeigten auf ein Haus. Der Besitzer kam gerade zur Tür heraus.
Hola Señor, busco un cuarto? fragte ich.
Si hombre, tengo! sagte er und zeigte auf eine Tür.
Für umgerechnet ca. Zwei Mark habe ich das Zimmer bekommen. Ich machte die Tür auf und……
Es war die einzige Unterkunft in diesem Ort.
Hier in Chavinillo gab es, auch in diesem modernen Zeitalter wie 1989, keine touristische Infrastruktur.
……ich stand in einem staubigen Zimmer vor einem verrosteten Bettgestell und einer Matratze, die eigentlich garnicht aussah wie eine Matratze. Es war etwas, wo man sich drauf legen konnte. Draußen versammelten sich Kinder, manche kamen sogar bis in mein Zimmer, weil die Tür noch offen stand. Für die Indigenas war ich eine kleine Attraktion, denn hier, auf dem Weg in ein toten Winkel der peruanischen Ost-Anden, verirrte sich kaum ein Tourist. Ich habe sie höflich hinaus befördert, hab dann die Tür zugezogen und hab’s mir erst mal gemütlich gemacht. Etwas Ruhe konnte ich brauchen.
Am Abend, als es ruhig war draußen, ging ich in die kleine Bar, die einzige im Ort, trank ein Coca-Tee und bestellte mir bei der alten Creolin was zu essen. Wie überall in entlegenen Regionen in Lateinamerica, gab es Eier, Bohnen, Reis und Hühnchen. Ich war zufrieden mit mir und meiner abenteuerlichen, kleinen Welt. Aber meine Gedanken waren schon ein paar Stunden weiter, denn am nächsten Morgen wollte ich zur Hauptstadt der Yarowilca-Kultur aufbrechen. Es sind Ruinen in 4000 Meter Höhe, weit abgelegen, die kein normaler Tourist, außer Archäologen, bisher besucht hatte.
Und was mir da widerfahren ist, das ist schon wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 3

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Peru 1989
Teil 3

AUFBRUCH IN DIE OST-ANDEN:

Die nächsten zwei Tage hatte ich mich in der Universitäts-Buchhandlung aufgehalten und habe recherchiert über die Yaro-Bilca-Kultur und mein Zielgebiet, das kleine Dorf „Tantamayo“. Eine junge Buchhändlerin hatte mir dabei sehr geholfen. Ich habe erfahren, dass die Yaro-Bilca ihr Land „Rupa Rupa“ nannten, das bedeutet „sehr heisse Zone“ und dass der zweithöchste Berg Peru’s, der „Yerupája“ über 6600 Meter hoch, ihr „Heiliger Berg“ ist.
Am dritten Tag hatte ich eine ausgewachsene Erkältung (Schnupfen, Husten und was man noch so hat). Und mit all dem, nahm ich den Nachtbus über den 4848 Meter hohen „Anticona-Pass“ und fuhr nach „Huánuco“. Nach damaligen Erkenntnissen ein letzter „Aussen-Posten der Inca-Kultur“ und der Ausgangspunkt meiner Expedition in die Ost-Anden.

AUSSEN-POSTEN „HUÁNUCO“

Die Fahrt mit dem Nachtbus verlief ruhig. Tags zuvor hatte ich mein Sitzplatz reservieren lassen. So konnte ich auf der 13 stündigen Fahrt etwas schlafen. Ab und zu sah ich den Beifahrer durch den Bus laufen. Er hatte ein Sauerstoff-Gerät dabei und gab den Leuten etwas Sauerstoff ab, die es benötigten. In fast 5000 Meter Höhe ist die Luft sehr dünn. Während wir durch die Serpentinen fuhren, döste ich vor mich hin. Zu meiner Erkältung hatte sich noch Fieber eingeschlichen und so fühlte ich mich auch sehr schwach. Auf der Hoch-Fläche am „Lago Júnin“ sah ich ein Lichtstreifen am Horizont. Der Morgen graute und als der Bus in Huánuco ankam, war es bereits taghell. Es war 6.30 Uhr am Morgen, zu früh, um ein Hotelzimmer zu beziehen, dachte ich. Ich lief zum Plaza de Armas und wollte mich ein wenig auf einer Bank ausruhen. Taschendiebe hatten das erfolgreich verhindert, sie hatten es auf meine Foto-Ausrüstung abgesehen. Sie kamen wie üblich von hinten. Ich konnte sie gerade noch abwehren. So hatte ich doch ein Hotel aufgesucht, um mich etwas hinzulegen. Huánuco ist das Tor zur grünen Hölle und das Klima ist feucht, gerade jetzt zur Regen-Zeit. Ich bevorzuge das Reisen in der Regen-Zeit. In den Hoch-Anden ist es nicht so kalt und die Natur ist nicht so ausgetrocknet. Alles ist grün und blüht und der Himmel ist nicht so Stahl-Blau. In der Regel ziehen am Vormittag die Wolken herein und am Nachmittag regnet es für zwei drei Stunden. Aber manchmal regnet es auch den ganzen Tag, da muss man sich drauf einstellen. Der Schlaf tat mir
gut und am Nachmittag ging ich ins Museum des Senior Wenzel. Senior Wenzel ist deutsche Abstammung und als ich so durch das Museum lief, entdeckte ich in seiner Ausstellung einen Zwanzig-Mark-Schein. Ich habe ihm noch einen gegeben, so hat er jetzt zwei in seiner Ausstellung und er freute sich sehr.
Huánuco liegt 1900 Meter hoch, da kann man sich für große Höhen nicht akklimatisieren. Das geht erst ab einer Höhe von 2200 Meter. So hatte ich mich entschlossen am nächsten Morgen auf zu brechen.
Auf der Suche nach einem LKW, der nach „Chavinillo“ fährt, lief ich am frühen Morgen durch die Strassen von Huánuco. Einer alten Indigener war ich aufgefallen, sie rief mir nach: „Hola Gringo, a donde viajes, vas a morir“! (Hallo Gringo, wohin reist du, du wirst sterben) Das sind ja schöne Aussichten, dachte ich und ging schnell weiter. Sterben wollte ich auf meiner Expedition nicht. Ich hatte vor meiner Reise nach Peru die Tarot-Karten gelegt und während dieser Sitzung kam auch der Tod vor, aber in einem ganz anderen Zusammenhang. Meine Reise würde sehr schwierig werden und sterben würde ich nicht. Mein Aberglaube und die Begegnung mit der alten Indigener machten mir ganz schön zu schaffen, was ich später noch erfahren sollte.

Aber das ist eine andere Geschichte.

EXPEDITION YARO

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Peru 1989
Das Abenteuer geht weiter.
Teil 2
UNTER BANDITEN In der Nähe des „Plaza San Martin“ fand ich eine Wechselstube mit einem sehr günstigen Umtauschkurs. Ich wechselte ein 50 Dollar Scheck (American Express), das Geld steckte ich weg und lief weiter durch die Straßen.
Ein junger Mann sprach mich an. Nach peruanischen Verhältnissen war er mittelständig gekleidet. Wir unterhielten uns über touristische Attraktionen in Peru. Wir redeten über „Cuzco und Machu Picchu“ den „Titicacasee“ und die „Linien von Nazca“ Und da ich mich ganz gut auskannte, konnten wir uns sehr gut unterhalten. Zusammen liefen wir zum „Plaza San Martin“. Von der Gefährlichkeit dieses wunderschönen, lebhaften Platzes hatte ich gewusst! Hier trifft man „Drogendealer, Taschendiebe, Strassen-Räuber und andere Banditen“. Auf einmal wurden wir von hinten angesprochen. „Buenos Dias Seniores, es un Control de Personas“! Ich drehte mich um und sah einen gut gekleideten jungen Mann, der seinen Ausweis in der Hand hielt und er trug eine Sonnenbrille. Ich sah mir den Ausweis etwas genauer an. „Polizia Civil“ habe ich gelesen, mit Stempel und Unterschrift und ein Bild des jungen Mannes.
„Papelles porfavor“! Sagte er in einem energischen Befehl. Ich gab ihm meinen Reisepass. Der andere Mann konnte sich nicht ausweisen. Und so meinte der angebliche „Polizist in Civil“, kein Ausweis? da müsst ihr mitkommen auf die Polizeistation.
„Seit ihr Freunde“? hat er mich noch gefragt.
Nein, nein sagte ich, wir haben uns nur kurz unterhalten. Für mich war die Sachlage klar: „Polizei, auch noch in Zivil, kein Ausweis und der Verdacht auf ein illegales Geschäft“, da muss man auch in Deutschland auf die Polizeistation. Der angebliche „Polizist in Civil“ winkte nach einem Taxi und sofort hielt ein Auto an. Ich kenne mich in Automarken etwas aus, aber was da vor uns angehalten hatte, konnte ich keinem Typ zuordnen. Es war irgendetwas fahrendes Amerikanisches und es war rot. Der Polizist öffnete die Hintertür und wir wurden gebeten einzusteigen. Wir stiegen ein und ich sah sofort, dass die Hintertüren von innen keine Griffe zum Öffnen hatten. Und da wurde mir klar, hier stimmt was nicht, und ich war machtlos. Der angebliche Polizist stieg vorne ein und dann fuhren wir los. Der Fahrer sah von hinten sehr ungepflegt aus und er konnte gerade noch so über das Lenkrad schauen. Nach ein paar hundert Metern Fahrt drehte sich der Polizist um und durchsuchte den anderen Mann. Er bekam heftige Faustschläge ins Gesicht und er herrschte ihn fragend an: „Drogas, Drogas, tienes Drogas“ ? (Drogen, Drogen, hast du Drogen)? No, winselte er und seine Nase blutete stark. Dann
durchsuchte er mich, ich bekam aber keine Schläge. Er fragte mich kurz nach Drogen? No tengo Drogas, no me gusta, antwortete ich. Dann fragte er, immer noch energisch höflich, tienes Dinero? Und er durchsuchte mich immer weiter. Er nahm alles zu sich, was ich dabei hatte, auch meine Tränengas Spraydose. Und mein Geheimfach hatte er auch entdeckt, eine kleine Samt Tasche hinten in der Unterhose mit einer Sicherheitsnadel festgemacht. Hier drin hatte ich die Kaufbestätigungen meiner Reiseschecks und wichtige Adressen von Deutschland und Peru und 25 Dollar in kleine Scheine. Dann wurde mir alles Klarer. Die drei, der Mann neben mir, der angebliche Polizist und der Fahrer arbeiten zusammen, mit grosser Schauspielkunst. (Not macht eben erfinderisch, und die Drei waren echt gut). Mittlerweile waren wir schon mehr als eine halbe Stunde unterwegs. In meinem Kopf machten die Gedanken Bocksprünge. „Ich sitze in einem fahrenden, amerikanischen ”Etwas“ unter Banditen, schon ausserhalb von Lima und bin denen machtlos ausgesetzt“. Ich dachte, was haben die vor und wo bringen die mich hin. Wir fuhren irgendwo draussen an der Küste entlang. Plötzlich ging alles ganz schnell. Der Wagen hielt an einer Ecke einer Vor-Stadt an. Ich glaubte, es war „Callao“. Hier wimmelte es von Polizisten, alle in Uniform und schwer bewaffnet.
Hier ist die Polizeistation! sagte der angebliche „Polizist in Civil“. Er stieg aus, machte meine Tür auf, drückte mir eine Plastik-Tüte in die Hand und lies mich aussteigen. (Das war die Plastik-Tüte meiner Samt-Tasche, hier drin hatte ich alles wasserdicht verpackt). Mein Hemd hing noch aus der Hose. Er schmiss die Tür wieder zu und stieg ein. Und das fahrende amerikanische Etwas fuhr mit den drei Banditen um die Ecke und war verschwunden. Sofort schaute ich in die Plastiktüte, es war alles da. Es fehlten nur mein Geld, die Kaufbestätigungen der Reiseschecks und meine Tränengas Spraydose aber das Wichtigste war dabei, mein Reisepass.
Verloren stand ich jetzt an dieser Ecke, ohne Geld,
außerhalb von Lima. Ich war verärgert, wütend, nicht über diese drei Banditen, nein, ich war wütend über mich selbst, weil mir das passiert ist, mir, einem erfahrenen Globetrotter und Abenteurer. Aber alles kann, nichts ist wirklich sicher.
Gelassen schaute ich dem regen Treiben der schwer bewaffneten Polizisten zu. Ich hätte ja zu einem Polizisten gehen können und hätte sagen können: “Hey, ich wurde gerade verschleppt und ausgeraubt“! Aber ich stand da und machte nichts, ich hatte das Vertrauen in die Polizei verloren. Etwa zehn Minuten stand ich da herum. Es tat sich überhaupt nichts. Ich ging zu einem Taxi-Fahrer, an seinem Auto stand die Aufschrift „Taxi“, das war schon mal ein guter Sicherheitsaspekt, dass es auch wirklich ein Taxi ist. Ich erklärte ihm meine brenzlige Situation. Mit ihm fuhr ich zurück in die „Avenida Tacna 329“. Ich ging dann hoch in mein Zimmer, holte ein Paar Inti und bezahlte den Taxi-Fahrer der sehr freundlich war. Er gab mir noch einen Tipp, wie ein Ausweis eines
Polizisten auszusehen hat. Man klappt ihn auf und innen muss die Flagge von Peru zusehen sein. Ich hatte mich bei ihm ganz herzlich bedankt und bin dann wieder los und habe ein Scheck gewechselt. Wieder in der gleichen Wechselstube. Aber diesmal „Cuidado“ (Aufpassen).
Lima ist immer für eine Überraschung gut.

Und wie es weiter geht, das ist die nächste Geschichte.