EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 18

„Ruf der Geister“

Die Dunkelheit brach schnell herein. Es wurde kühl. Ich stand im Hof und lauschte den Geräuschen der sternenklaren Nacht. Im Hühnerstall flatterte es.
Rudi, der Hahn, hatte sich zum schlafen auf die Stange gesetzt. In einer Ecke lagen die Meerschweinchen eng aneinander gekuschelt auf Stroh und Luana sang leise ein Lied in der Küche. Es klang geheimnisvoll, exotisch in ihrer Sprache.
Ich beobachtete sie eine weile durch die offene Tür.
Die schwarzen Haare hatte sie mit einem roten Tuch zusammen gebunden. Ihre erotische Rundungen versteckte sie unter einem langen, braunen Wollkleid, dazu Wollstrümpfe und braune Mokassins.
Ich Iiebte diese Umwandlung, dieses indigene Keusche nach aussen und ihre erotische Seele, das Geile darunter. Ein indianisches Paradoxon, das mich immer mehr faszinierte.
Sie bewegte sich gelassen, kontrolliert und ruhig am Feuer, schamanisch, wie in bestimmten Ritualen. Als sie mich bemerkte, rief sie mich rein. Komm setz dich her ans Feuer, du brauchst keine Angst haben, wir sind alleine. Ich bin gleich soweit, du kannst auch hier essen, meinte sie.
Ich setzte mich auf einen Stein neben das Feuer. Ein Topf stand in der Glut, ein anderer hing an einer Kette über der Flamme. Eine Kanne stand weiter hinten. Es kochte, es zischte und es rauchte. Sie sah mich an und lächelte. Ohh! Rief ich. Habe ich dich gestört?
Ihr Gesicht war seltsam angemalt. Auf ihrer Stirn waren fünf senkrechte, blaue Striche aufgemalt. Ihre Wangen zeigten zwei schwarze Spiralmotive, das gleiche Motiv wie in Piruro, und an ihrem Kinn war ein breiter, grüner Querstrich.
Nein nein, sagte sie, ich habe gern deine Nähe.
Weißt du, beim kochen, meditiere ich oft. Das habe ich von meinem Vater geerbt, er war ein Schamane und kam aus dem Tiefland.
Mit der einen Hand rührte sie mit einem Löffel im Topf  und mit der anderen Hand streichelte sie mein Oberschenkel.
Das Essen ist fertig, ich hole dir ein Teller, sagte sie und stand auf.
Es gab Nudeln mit Fleisch und Soße. Es war so köstlich.
Sie reichte mir eine Tasse Tee.
Was für ein Tee ist das? Fragte ich sie.
Das ist ein Koka Tee mit einer Kräutermischung, sagte sie. Trink, es wird dir gut tun.
Sie stand auf, trug das Geschirr in den Waschtrog, kam zurück und setzte sich, mit einer Tasse Tee, zu mir ans Feuer.
Welche Bedeutung hat die Malerei in deinem Gesicht?
Fragte ich.
Sie sah mich an und meinte:
Die blauen Streifen an meiner Stirn, steht für den Himmel (el Cielo), der grüne Strich an meinem Kinn, steht für die Muttererde (Pachamama) und das schwarze Spiralmotiv an meinen Wangen, das sind die immer wiederkehrenden, schwarzen Seelen der Terroristen, die ich in meinen Ritualen bekämpfe. Es sind furchtbare Bestien, die meine Eltern getötet haben, sagte sie mit erhobener Stimme.
Sie stand wieder auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach.
Komm doch mit in mein Zimmer, da ist es gemütlicher, sagte sie.
Ich betrat das erste mal ein Raum einer Schamanin.
Im Kerzenlicht sah ich den Federschmuck, der von der Decke herunterhing. Selbst- gebastelte Traumfänger, Trommeln und Rasseln zierten die Wände. In der Mitte des Zimmers, eine runde Erhöhung mit grünen und blauen Decken aus Lama Wolle, es war die Schlaf-Insel. Was mich zum Staunen brachte, stand in der Ecke auf einem Holzregal, ein echter Schrumpfkopf.
Luana kam zu mir und legte ihren Arm um meine Hüfte. Das, sagte sie, ist mein Großvater, er war auch Schamane, den habe ich von meinem Vater geerbt.
Das Licht der acht Kerzen warf geheimnisvolle Schatten, die sich drehten, an die Wände und den hellen Lehmboden.
Wir stellten unsere Tassen auf einen kleinen, niederen Tisch und Luana legte etwas Holz nach in dem kleinen Kaminfeuer. Der Tee hatte eine berauschende Wirkung auf uns. Wir setzten uns auf die Schlaf-Insel und Luana fing an zu erzählen:
>>Ich war 15 Jahre alt, als meine Eltern von den Terroristen verschleppt und ermordet wurden, es war eine grauenhafte Nacht. Ein Jahr später habe ich geheiratet, meine Tanten hatten das in die Wege geleitet, damit das kleine Mädchen versorgt war. Einen fast 30 Jahre älteren Mann.
Das Wissen und die Praktiken des Schamanismus, hat mir mein Vater beigebracht. Ich war immer bei rituellen Zeremonien dabei. Er hat mich auch zu den Ritualen im Tiefland mitgenommen.
Und einmal waren wir bei dem Sonnenfest der Inkas, dem „Inti Raymi“, in Cuzco dabei, es war traumhaft.
Vor vier Jahren hatte uns mein Schwager aus der Schweiz besucht und hat uns zwei Flugtickets mitgebracht. Wir sollten ihn mal besuchen kommen.
Ein Jahr später sind wir nach Zürich geflogen. Ich war das erste Mal den Himmelsgeistern so nah.
In Zürich, das war ein Schock. So viel Beton, so viele Lichter, so eine Hektik und der Verkehr, demasiado para mi, es war zuviel für mich.
Wir wohnten bei meinem Schwager und seiner Frau, sie haben ein großes, altes Haus an einem Fluss, ich glaube „Limmat“ heißt er. Die Frau meines Schwagers war in dieser Zeit gar nicht da. Sie ist Archäologin und war mit einer französischen Expedition in Südamerika unterwegs.
Jeden Abend gingen mein Mann und sein Bruder aus dem Haus, mich ließen sie in der Wohnung zurück.
Mein Schwager sagte zu mir:
Wir ziehen mal um die Häuser und sind bald wieder da!
Als sie dann spät in der Nacht zurück kamen, waren sie immer stockbesoffen.<<
Luana stand auf, nahm die Kanne und schenkte uns Tee nach. Sie ging in die Hocke vor mir, gab mir eine Tasse und sagte:
Schön dass du hier bist, Walter, komm, trinken wir unseren Tee, so lange er heiß ist.
Wir lächelten uns an und tranken den Tee.
Es war eine besondere Mischung mit den Blättern der Koka Pflanze und der Engelstrompete, die hier an jeder Ecke wächst. Die berauschende Wirkung macht unruhig, redselig, der Pulsschlag erhöht sich und die sexuelle Lust wird verstärkt.
Wir tranken die Tassen leer. Luana stellte sie auf den kleinen Tisch, kam zu mir, kuschelte sich an mich und erzählte weiter:
>>Eines Abends kamen sie früher zurück, waren aber nicht alleine. Sie hatten zwei junge Frauen dabei.
Ich war im oberen Stockwerk, hatte sie kommen hören und mich schlafend gestellt. Nach einer Weile schleichte ich die Treppe hinunter. Aus einem Zimmer hörte ich leise Musik. Ich schaute durchs Schlüsselloch. In rotem Licht sah ich die vier nackt auf dem Bett liegen.
Sie küssten sich an ihren intimsten Stellen. Das Luststöhnen der Frauen war nicht zu überhören. Ich klopfte an die Tür. Es dauerte eine Zeit, dann ging die Tür einen Spalt breit auf und mein Mann lallte mich leise an:
Was willst du? Geh nach oben, ich komme bald zu dir. Er schloss wieder die Tür. Das Schlüsselloch hatte er mit irgendwas zu gehängt.
Heulend, traurig und wütend ging ich nach oben und legte mich ins Bett. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich war in einem fremden Land und kannte mich nicht aus.
Mein Mann war so verändert in der Schweiz, er kam mir so fremd vor. Ich hatte ihn geheiratet, damit ich versorgt war. Für mich war er eine Respektsperson. Wir hatten nie Sex miteinander.
Ich hatte mich nach Sex gesehnt, aber nicht mit diesem Mann.
Spät in der Nacht muß er gekommen sein, ich war eingeschlafen und habe ihn nicht kommen hören.
Morgens beim Frühstück hatte ich sie gefragt:
Was habt ihr gemacht? Ich habe euch gesehen mit diesen jungen Frauen!
Mein Mann saß da, starrte in die Ecke und sagte nichts. Mein Schwager herrschte mich an:
Wenn du was erzählst, töte ich dich!
Ja, so ist mein Schwager, immer Gewaltbereit.
Mein Mann sagte nur:
Lass gut sein Carlos, sie erzählt nichts.
Er sah mich mit ernster Miene an und meinte: Sei ruhig jetzt, Luana, es reicht!
Ich war wütend, still und hatte nichts erzählt.
Meinem Mann hatte ich verziehen, er war nur Mitläufer mit seinem besoffenen Kopf, aber den Respekt ihm gegenüber, den habe ich verloren.
Ich habe verziehen und Rache geschworen.<<
Luana stand auf, nahm die Teekanne und schenkte uns wieder nach. Sie gab mir eine Tasse und sagte:
Trink mein lieber Fremder, die Zeit der Rache ist gekommen. Sie kniete sich vor mir, streichelte mein Bart, stand wieder auf und legte Holz im Feuer nach. Sie erzählte weiter:
  >> Auf dem Rückflug nach Lima hatte ich, in einem kleinen Ritual, kontakt mit den Geistern aufgenommen und mit ihnen kommuniziert. Sie hatten mir dazu geraten Rache zunehmen, ich würde mich danach besser fühlen. Vor 14 Tagen habe ich, in einer heiligen Zeremonie, die Geister erneut gerufen. Sie sollten mir endlich jemand schicken, die meinen Rachegelüsten gerecht werden. Dann bist du gekommen, die Geister haben dich zu mir gebracht. <<
Ich war berauscht und verwundert. Luana zog ihr Kleid aus. Nackt kam sie zu mir, knöpfte mein Hemd auf und meinte:
Heute Nacht gehen wir auf eine Seelenreise, unsere erotischen Seelen werden sich vereinen.

Wie es weiter geht, das ist wieder die nächste Geschichte.

EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 17

„Erotische Eskapaden“

Die getrockneten Kuhfladen knisterten im Feuer und die Hütte wurde schnell warm. Luana legte unsere Klamotten zum trocknen auf die Steine neben das Feuer. Wir waren nackt.
Draußen prasselte der nächste Regenschauer auf das Ichú-Gras Dach und der Wind peitschte über die Steinmauern. Ich hatte nie gedacht, dass ein Naturdach aus Gras, so dicht sein kann.
Luana reichte mir ein Fladenbrot mit Käse und  gesüßten Koka Tee.
Komm, setz dich auf die Decke! Sagte sie.
Das Feuer spiegelte sich in ihren Augen und auf ihrer Haut. Die Alpaka-Wolle ist viel rauer als Lama-Wolle und massierte mein Hinterteil mit kleinen Nadelstichen. Luana setzte sich neben mich und meinte:
Später müssen wir noch die Kühe melken!
Kühe melken, ich habe noch nie eine Kuh gemolken! Sagte ich und grinste sie an.
Keine Sorge, meinte sie, ich zeige dir wie das geht und griff in mein Schritt. Ohhh! Rief sie und lachte, die Euter der Kühe sind aber viel kleiner und weicher, du wirst sehen, es ist ganz einfach. Ihre weißen Zähne leuchteten im Schein der Flamme. Sie stand auf, legte ein paar trockene Kuhfladen ins Feuer und setzte sich rückwärts auf mein Schoß.
Ich umklammerte sie, küsste zärtlich ihren Rücken und massierte ihre erogenen Zonen. Sie griff nach unten, stimulierte gleichzeitig ihre Lustzentrale und passte auf, damit nichts rausrutschen konnte. Der Wind säuselte die Geilheit durch die Hütte, der Regen spielte uns ein Liebeslied und wir schaukelten uns in eine Ekstase der  Leidenschaft . Oh mein Gott, dachte ich, die Reise durch ihre erotische Seele von Höhepunkt zu Höhepunkt ist so aufregend, geil und wird nie enden.
Die Begierde ließ uns die Kühe und die Zeit vergessen. Ab und zu stockte ihr Atem und entkrampfte sich in ein stilles stöhnen. Wir verfielen in ein Taumel der Lust. Wenn das Feuer drohte auszugehen, löste sie sich von mir, legte das trockene Zeug nach, streute ein paar Kokablätter darüber und kam wieder zu mir. Die Stimmung hatte sie angeheizt und das erotische Spiel fing von vorne an. Sie hatte das unglaubliche Talent mich immer wieder hochzubringen und standhaft zu bleiben. Oder war es vielleicht die Wirkung des Tees? Durch die Süsse habe ich die Stärke nicht wahrgenommen. Oder hatte sie uns noch was anderes untergemischt. Die Blätter im Feuer taten das übrige. Wir flogen durch die traumhafte Glückseligkeit der Zeit.
Erst am späten Nachmittag gingen wir zu den Kühen.
Wegen dem Regen hatten sie sich in ein Unterstand aus Wellblech gestellt.
Gute Gelegenheit, meinte Luana, so müssen wir die Rinder nicht  zusammen treiben. Sie gab mir den zweiten Hocker und sagte:
Komm setz dich da hin und fang an, du weißt ja wie das geht, ich habe es dir paar mal gezeigt heute Mittag.
Luana war die beste Lehrerin in dieser Sache.
Ich saß neben der Kuh, griff zum Euter und die Milch spritzte in den Eimer.
Plötzlich sprang Luana auf, rannte in die Hütte, kam mit einer Wolldecke zurück und legte sie um mich wie ein Poncho. Sei still und mach weiter, flüsterte sie. Da kommen drei Männer, ich werde mal vorgehen und versuche sie aufzuhalten. Luana ging den dreien entgegen. Zwischen Hut und Decke blickte ich rüber und beobachtete die Szene. Es waren die Männer, vor denen ich mich in Piruro versteckt hatte. Sie hatten ihre Gewehre im Anschlag, aber nach unten gerichtet.
Angespannt melkte ich die Kuh weiter. Ich hörte eine heftige Diskussion. Sie sprachen Quechúa und nach Luanas Gestik, ging es wohl um mich. In gebückter Haltung unter der Wolldecke, versteckte ich mein Aussehen, aber die Tiere spürten meine innere Anspannung und bewegten sich etwas. Jetzt bloß nicht ausbrechen, dachte ich, streichelte den Bauch meiner Kuh und rief leise „hoooo hoooo“. Die Gruppe beruhigte sich wieder und Luana kam zurück.
Und was war? Fragte ich ängstlich.
Es waren Senderos auf einem Kontrollgang, ich habe gesagt, dass du mein Knecht bist und mir hilfst die Kühe zu melken.
Ja, ich war Luanas Knecht, ich tat was sie verlangte.
Und sie erzählte weiter:
Die Terroristen haben unser Dorf untergraben, viele wurden Anhänger der Senderos und hofften auf ein besseres Leben. Stattdessen gab es, Entführungen, Vergewaltigungen und es wird getötet, sowie der Bürgermeister letzte Nacht.
Ihr Blick war traurig und machte mich sprachlos.
Komm lass uns weitermachen, dass wir fertig werden, sagte sie, es wird bald dunkel und in der Nacht sollte man nicht mehr auf der Straße sein.
Schnell hatten wir die Rinder durchgemolken und gingen mit den zwei Eimer voll Milch zurück nach Tantamayo. Es dämmerte schon, als wir durch das Hoftor gingen. Rudi der Hahn hatte gerade ein Huhn vergewaltigt, das danach flatternd durch den Hof rannte. Rudi hetzte hinter ihm her, blieb dann vor mir erschrocken stehen, sah mich an und äh äh ähh äähhhtsch.
Oh Rudi, du geiler Gockel, was du für Sachen machst, sagte ich. Luana lachte, ich glaube er versteht dich. Du hast Talent mit den Tieren zu reden. Ich habe gesehen, wie du die Rinder beruhigt hast. Du bist ein Brujo, ein Zauberer. Du verzauberst die Tiere und du hast mich verzaubert. Nein nein, sagte ich, ich habe dich nicht verzaubert, unsere Leidenschaft hat uns zusammen geführt, sagen wir mal, es war göttliche Vorsehung. Mit ihren tiefbraunen, erotischen Augen sah sie mich an, küsste mich und meinte:
Mach dich frisch, ich komme später zu dir und bringe dir was zu essen.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte

EXPEDITION YARO

Peru 1989

Teil 16

„Luanas Befehl“

Das Wasser glitzerte grün und türkis. Es war die einzige Stelle in der Schlucht des Rio Tantamayo, die die Sonne erwärmte. Luana und ich saßen am Rande der kleinen Sandbank, streckten unsere Füße in das kalte, türkise Wasser und redeten über das indianische Leben in dieser Abgeschiedenheit, über den Terror, der das Land und ihr Volk zerriss. Ihre Stimme klang dunkel und traurig, aber auch sehr erotisch. Sie übertönte das helle plätschern des kleinen Wasserfalls hinter uns. Luana spielte mit ihren Händen im Wasser, ihre Handflächen waren deutlich heller als ihre Haut. Sie knöpfte ihre Bluse auf und ließ das kalte Wasser über ihren Busen tröpfeln. Ihre fast schwarzen Nippel wurden größer und zeichneten sich deutlich aus dem helleren Vorhof heraus. Sie lehnte sich zurück, stützte sich mit ihren Armen ab und ließ ihre schwarzen Haare in den Sand fallen.
Irgendwie kam mir ihr Stil bekannt vor.
Hast du Kinder? Fragte ich  sie.
Nein, noch nicht, aber es wird Zeit welche zu kriegen! Sagte sie und lächelte mich an.
Luanas indianische Geilheit, dieses Fremde, dieses erotische in ihrem Wesen, faszinierte mich.
Schon immer, auch in meinen früheren Jahren, hatte ich das Fremde, das Geheimnisvolle, das Gefährliche gesucht.
Wie war das noch, damals
im März 1979. Mit meinem schwarzen Golf GTI fuhr ich über eine Regennasse Landstraße in der West-Schweiz. Ich war unterwegs zu einem Berg Film Festival in Montreux und wollte erst einen Abstecher in das Wallis machen. Ein Arbeitskollege hatte eine Zweitwohnung in Anzère, in der Nähe von Crans Montana in den Walliser Alpen und war in Urlaub da.
An einer Ampelkreuzung mußte ich bei Rot anhalten. Auf der linken Spur, neben mir, stand ein weinroter Bentley. Drinnen saß eine schöne, junge Frau mit langen schwarzen Haaren auf dem Beifahrersitz. Hinter dem Steuer saß ein älterer Herr und schaute aufgeregt umher. War es ihr Mann oder ihr Chef? Fragte ich mich. Auf jeden Fall waren sie keine Erholungsreisende. Es war Mittwoch und Mittwochs fährt man nicht in Urlaub, schon garnicht mit einem weinroten Bentley.
Die Frau sah mich an. Es war ein trauriger, ein hilferufender Blick. Unsere Blicke trafen sich  draußen zwischen den Fensterscheiben. Ein Lächeln, ein zwinkern, ich gab Gas und weg war ich. 
In Martigny Centre Ville fuhr ich in die Tiefgarage des Hotel Central, wo ich mir ein Zimmer gebucht hatte. Ich holte gerade meinen Rucksack aus dem Kofferraum und da kam der weinrote Bentley herein gefahren. Nanu, dachte ich, verfolgen die mich?
Die Frau lächelte mir zu und der Mann streckte den Kopf und suchte einen Stellplatz für seinen großen Schlitten. Ich verschwand im Aufzug zur Rezeption und hatte eingecheckt.
Nach dem Abendessen saß ich noch am Tresen der Lounge und trank ein  „Châteauneuf-du-Pape“,  einen edlen Rotwein. Ich wollte zum trinken ansetzen, da ging die Tür auf und die junge Frau kam mit ihrem Anhängsel herein, setzten sich nicht weit von mir an einen Tisch. Unsere Blicke trafen sich wieder, wir flirteten eine ganze Weile mit den Augen. Die Lounge Box spielte „Blue Moon“ von Tony Bennett, eine sehr erotische Stimmung lag in der Luft, es knisterte gewaltig. In der Zwischenzeit hatte ich einen kleinen Zettel vorbereitet, hatte drauf geschrieben „Zimmer Nr. 7“.
Ich trank aus, bezahlte meine Rechnung und beim vorbeigehen ließ ich mein Autoschlüssel fallen. Sie bückte sich, ich bückte mich. Es war die beste Gelegenheit. Beim aufstehen hatte ich ihr den Zettel überreicht. Sie versteckte ihn gleich in ihrer Hand. Ich war ziemlich aufgeregt, sie hätte mich auffliegen lassen können. Ich hatte Glück, ich hatte ihren Flirt mit den Augen richtig gedeutet.
Oh, Entschuldigung! Sagte ich, zwinkerte mit ihr kurz, ging weiter aus der Hotel Lounge direkt in mein Zimmer.
Für unvorhersehbare Wartezeiten hatte ich immer etwas zum Lesen dabei. Ich laß das Buch „Reisen ohne anzukommen“ von Ernesto Grassi. Eine Konfrontation mit Südamerika.
Es dauerte eine ganze Weile. Erst gegen ein Uhr nachts klopfte es leise an meine Tür. Ich legte das Buch weg und machte langsam die Tür auf. Oh ja, da war sie. Ihre schwarzen Haare hingen über einem roten Bademantel. Ihr braunes Gesicht, die hohen Backenknochen, ihre Stupsnase und die schmalen Lippen. Sie war so schön.
Sie schaute etwas ängstlich zurück und kam dann gleich in mein Zimmer.   Bonjour monsieur, je suis Sandra ! Sagte sie leise. Die Freundlichkeit der Franzosen hatte mich schon immer fasziniert. Aber Sandra war ein Insel-Mädchen aus Mauritius, wohnte in Paris und war mit ihrem Chef unterwegs zu einer Tagung in Zermatt.
Wir küssten uns  leidenschaftlich. Vorsichtig zog ich ihren roten Bademantel über ihre Schulter. Sie war nackt. Unsere Lippen lösten sich und ich ging langsam in die Knie. Ich küsste ihren Hals, ihre geilen Brüste an der Unterseite und ihre fast schwarzen, festen Nippel, die sich deutlich absetzten vom hellen Vorhof. Sie redete kaum. Ihr Parfüm roch nach süßem Holz. Sie zog mich wieder hoch, führte mich zum Bett und……….
Ihr Luststöhnen in der Nacht höre ich heute noch in manchen Träumen.
Gegen fünf Uhr morgens schlich sie aus meinem Zimmer und verschwand aus meinem Leben.
Genau derselbe Typ Frau saß jetzt, zehn Jahre später, neben mir auf einer kleinen Sandbank im Rio Tantamayo, in den peruanischen Ost-Anden
und lächelte mich an.
Zieh dich aus Gringo, ich will dich haben!
Luanas Befehl war erotisch
und direkt. Manchmal muss man Befehle befolgen und dieser erotischen Anweisung konnte ich nicht widerstehen.
Engumschlungen, nackt und geil, lagen wir auf der kleinen Sandbank. Wir bemerkten nicht die dicken Wolken, die vom Marañóntal herüber zogen.
Wir küssten uns leidenschaftlich und spielten miteinander. Ich ließ etwas Sand auf ihren Busen rieseln, ein geiler Kontrast, der helle Sand auf der braunen Haut. Sie setzte sich auf mein Becken und spielte sich auf ein Rhythmus ein, der mich wahnsinnig machte. Plötzlich gab es ein Blitz, ein Knall und es fing fürchterlich an zu regnen. Wasser ohne Ende. Schnell griffen wir unsere Sachen zusammen und schlupften in die kleine Felsenhöhle hinter dem Wasserfall.
Viel Platz war nicht in der  Höhle. Zärtlich ineinander verschlungen im „Coitus Reservatus“ warteten wir über eine Stunde, bis das
Naturschauspiel zu Ende war. Die kleine Sandbank war verschwunden. Der Fluß hatte gewaltig an Wasser zugenommen. Wir zogen unsere feuchten Klamotten an, kletterten am Fluß entlang und hoch zur Hängebrücke.
Komm doch mit zu den Kühen, sagte Luana, ich mache ein Feuer, wir können unsere Klamotten trocknen. Für den „Cerro Celmin“, da wo du hin willst, ist es jetzt viel zu spät.
Es war 12.00 Uhr Mittags. Es war wirklich zu spät.
>Ich geh mit Luana zu den Kühen, dachte ich, so bekomme ich auch ein besseren Einblick in ihre erotische Seele und in ihr Leben.<
Si, vámonos! Sagte ich, gehen wir zu den Kühen.
Die Wolken hatten sich verzogen, die Sonne schien, aber es war merklich kühler, vor allem im Schatten und mit den nassen Klamotten sowieso.
Meine Stiefel trieften vor Nässe wie Luanas schwarzen Haare, die sie zu einem Zopf zusammen gebunden hatte. Sie lächelte mich an und sagte:
Morgen begleite ich dich zum „Cerro Celmin“! Es ist besser wenn du jemand aus dem Dorf, einen Einheimischen, dabei hast, meinte sie, es ist zu deinem Schutz, ich will nicht, dass dir hier etwas passiert! 
>Ich konnte mir keinen besseren Schutz vorstellen.<
Und dein Mann? Fragte ich neugierig.
Oh, der kommt erst spät am Abend zurück, bis alle Fragen um die Leiche des Bürgermeisters geklärt sind, das dauert! Sagte sie  lächelnd.
Warum tut sie das?
Warum betrügt sie ihren Mann mit einer Selbstverständlichkeit, der nicht der Mentalität der Indigenas, der Quechúa entspricht. Die Quechúa sind zwar ein fröhliches Volk, aber doch zurückhaltend und etwas misstrauisch gegenüber Fremden.
Diesen Fragen wollte ich nachgehen. So war ich doch, wenn auch ungewollt, auf einer Forschungsreise in die indianische Erotik innerhalb meiner Expedition zur Yarowilka Kultur.
Luana war mein Forschungsprojekt, phantasievoll, tabulos, und sehr leidenschaftlich.
Eine Viertelstunde später waren wir bei den Kühen. Die Sonne hatte sich hinter ein paar Wolken versteckt.
Acht Kühe standen in einem Corral, ein etwa 500 Quadratmeter große Grünfläche, mit einer Steinmauer umgrenzt, verbunden mit einer kleinen Hütte aus Steinen. Es waren die gleichen Bruchsteine, mit den die Yarowilka ihre Häuser gebaut hatten. Neben der Hütte lag noch ein großer Steinhaufen. War das vielleicht eine zusammengefallene Ruine der Yarowilka? Haben die Quechúa ein Corral für ihre Kühe gebaut, aus den Resten einer Ruine?
Hier in dieser abgeschiedenen Region, reihten sich die Siedlungen der Yarowilka wie Perlen an eine Schnur. Viele Ruinen liegen noch im verborgenen und warten auf ihre Entdeckung.
Luana und ich gingen in die Hütte. Getrocknete Kuhfladen lagen in einer Ecke neben einer Feuerstelle. Ein Tisch und ein Stuhl in der anderen Ecke, neben einem kleinen Schlafplatz mit Alpaka-Decken.
Luana zog aus ihrem kleinen Rucksack ein Lunchpaket hervor und machte Feuer aus den getrockneten Kuhfladen. Sie lächelte mich an und sagte:
Zieh dich aus!
Meine Reise in Luanas geheimnisvolle, erotische Seele begann.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte

Die Sandbank im Rio Tantamayo

EXPEDITION YARO

Peru 1989
Teil 15

„EIN VOLK DER BERGE“

Die Nacht war kurz. Ich hatte mir einen leichten Schlaf angewöhnt und durch Geräusche, irgendwelche Bewegungen von draußen, wurde ich wach. Es war kein schöner Albtraum, es war auch nicht Rudi, der geile Gockel, ich hatte dem Hahn am Abend einen Namen gegeben, er weckte mich nicht mit seinem fürchterlichen gekrähe. Es war zwei Uhr. Rudi schlief noch. Es waren Geräusche, die nur von Menschen sein konnten. Leises, fremdes Gemurmel. Dumpfe
Schritte.
Ich zog mich an und öffnete leise die Tür. Im Hof war alles ruhig, meine Gastgeberfamilie schlief noch. Ich trat langsam ins Freie. Es war Vollmond und die Sterne funkelten durch ein Loch in den Wolken. Das Kreuz des Südens war deutlich zu sehen, ein Sternbild, das hier oben besonders stark leuchtet. Die Geräusche kamen von der Strasse. Langsam und verhalten ging ich weiter zum Hoftor und schaute durch eine Ritze. Dunkle Gestalten bewegten sich zwei Meter entfernt an mir vorbei. Sie bemerkten mich nicht hinter dem Tor. Schemenhaft konnte ich ihre Waffen erkennen. Es waren Terroristen, ein bewaffneter Trupp des Sendero Luminoso. In den Nächten waren sie immer sehr aktiv. Wie Tiere schlichen sie durch das Dorf. Meine Gedanken ratterten durch mein Kopf.
Was geht hier ab?
Wohin gehen sie?
Was haben sie vor?
Fragen, die mich neugierig machten.
Als die letzten an mir vorbei waren, kletterte ich über das Tor und folgte ihnen vorsichtig. Das Mondlicht zeichnete meinen dunklen Schatten auf den Lehmboden.
Es war „Jack“ mein Schutzengel. Geduckt an der Seite des Weges schaute ich mich immer wieder um. Es könnte ja sein, dass noch ein paar Terroristen nachkommen und mich entdeckten.
Es waren etwa sechs oder sieben Mann, die in ein großes Haus eindrangen. Lichtstrahlen von Taschenlampen flackerten umher. Es war ein großer Tumult zuhören.
Stimmen. Schreie. Dann ein Schuss. Stille.
Schnell lief ich zurück und   kletterte wieder über das Tor. Es war noch alles ruhig, bis auf ein wenig geflatter aus dem Hühnerstall. Rudi regte sich und ich legte mich zurück in mein Schlafsack.
Heute morgen sah ich sie das erste Mal, die Frau des Hausherrn. Sie brachte mir das Frühstück an den Tisch.
Buenos Días Señor, como estuvo su noche, dormienta  bien? Fragte sie mich.
(Wie war ihre Nacht, schliefen sie gut?)
Die Frau war hübsch, eine reinrassige Quechúa Indigena und sie war jung.
Sie hatte ihre langen schwarzen Haare zu zwei Zöpfen geflochten. Ihre schwarzbraunen Augen leuchteten wie zwei Diademe. Ihre Stupsnase, die schmalen Lippen, die hochliegenden Backenknochen, gezeichnet auf tiefbrauner Haut.
Die Quechúa sind, wie damals die Inka und die Yarowilka, ein Volk der Berge. Ich fing an zu schmelzen.
Ein Löffel viel runter. Schnell stand ich vom Stuhl auf, bückte mich zu dem Löffel und hob ihn vom Lehmboden auf.
Disculpe Señor! Sagte sie und ging ein Schritt zurück.
Todos esta bien! Sagte ich lächelnd, wischte mit meinen Fingern über den Löffel und blickte zu ihr.
Sie trug ein formloses, rotes Kleid mit langen Ärmel und zugeknöpft bis zum Hals. Unter dem Stoff verbargen sich Reize, erotische Rundungen, die ich nur erahnen konnte. Sie bemerkte mein Blick, dass ich sie musterte, ja förmlich mit meinen Augen ihr Kleid aufknöpfte.
Und es gefiel ihr. Sie drehte sich etwas zur Seite, so dass sich der zoom meiner Augen auf ihren Busen richtete. Ihre geilen Rundungen mit den scharfen Spitzen brauchten keine Unterstützung.
Con permiso Señor! Sagte sie lächelnd verlegen und ging zurück in die Küche.
Rudi, der Hahn, stand vor mir und sah mir beim frühstücken zu.
Halt du dein Schnabel, ich weiß, die Morgengeilheit ist eine schöne Sache! Sagte ich. Die Hühner hinter ihm gackerten und pickten Grünzeug auf. Rudi drehte sich um und, äh äh ähh äähhhtsch.
Blöder Hahn! Rief ich.
Die schöne Señora kam aus der Küche.
Con quién estás hablando, Señor?
(Mit wem reden sie?)
Ich deutete mit meinem Finger auf den Hahn.
Ihr herzhaftes, liebliches Lachen höre ich heute noch in meinen Träumen.
Dónde está el Señor Ocaña?
Fragte ich sie.
(wo ist ihr Mann?)
Oh, mein Mann ist heute morgen ganz früh nach Huánuco gefahren, er muss was erledigen, er wird erst morgen wieder zurück sein, erzählte sie mir.
Mir war aufgefallen, dass sie drei Knöpfe ihres Kleides geöffnet hatte und gab jetzt den Blick frei auf ihre erotische Seele. Ein geiler Blick.
Ima su tiki? Fragte ich sie direkt.
(wie ist ihr Name?)
Oh, sie sprechen unsere Sprache? Fragte sie und setzte sich zu mir.
Naja, ein paar Wörter, sagte ich verlegen.
Und sie antwortete:
Ima su tikuni „Luana“!
(ich heiße „Luana“!)
Was machen sie hier eigentlich?
Wohin wollen sie?
Woher kommen sie?
Ich hatte es geschafft. Ich hatte ihre Neugier geweckt.
Ich bin hier, weil ich die Kultur der Yarowilka kennen lernen will und die Menschen, die hier leben. Ich war gestern in Piruro. Und heute will ich zu dem seltsamen Gebilde oben auf dem Berghang. Ich habe es von Piruro aus deutlich gesehen. Es sieht aus wie eine Eisenbahn. Ich erzählte ihr von dem gestrigen Tag, von der Galerie des Todes, von den bewaffneten Terroristen und von den Hunden im Nebel. Sie sah mich an.
Und von wo sind sie?
Und wie ist ihr Name?
Fragte sie mich noch mal.
Ich heiße Walter und komme aus Deutschland!
Sagte ich und bot ihr gleichzeitig das „Du“ an.
Ach ja, schau an! Meinte sie, ich habe ein Schwager der in der Schweiz lebt!
Ja, ich weiß, ihr Mann hat es mir erzählt, erwiderte ich.
Walter, sagte sie Sorgenvoll und nahm zärtlich meine Hand, du mußt sehr vorsichtig sein, als Fremder in unserer Region. Vor allem im dunkeln ist es hier sehr gefährlich. Heute Nacht ist der Bürgermeister von Terroristen erschossen worden.
Sie wusste nichts von meinem nächtlichen Ausflug. Ich hätte ihr erzählen können, dass ich fast daneben stand als er erschossen wurde. Stattdessen genoss ich ihre Sorge um mich und ihre zarten Hände. Sie ließ meine Hand nicht los und erzählte weiter:
Mein Mann und ein Bekannter nahmen den Jeep und bringen die Leiche des Bürgermeisters nach Huánuco zur Polizei.
Sie schaute mir tief in die Augen und sagte:
Wenn du willst kannst du mich ein Stück begleiten, ich gehe heute Morgen zu den Kühen Milch holen, es liegt auf dem Weg zum „Cerro Celmin“, das ist da wo du hin willst.
In ihren schwarzbraunen Augen sah ich das indianische Feuer brennen, ein gefährliches, heißes Verlangen nach Sex.
Und sie spürte wohl meine Erregung, meine leidenschaftliche Sucht nach Abenteuer und Erotik.
Oh ja Luana, sehr gerne!
Sagte ich und lächelte sie an.
Sie ließ meine Hand wieder los und meinte:
Dann wollen wir uns mal fertig machen, nahm das Geschirr und stellte es in den Waschtrog.
In 20 Minuten gehen wir los, rief sie mir zu und verschwand in der Küche.
Mein kleiner Rucksack war noch gepackt von gestern. Er ist meine kleine Lebensversicherung. Ich zog meine Stiefel an und war eigentlich schon fertig. Ich wartete im Hof auf Luana. Rudi, der geile Hahn, stolzierte um mich herum. Seine Hühner folgten ihm auf Schritt und Tritt und pickten Grünzeug vom Lehmboden. Rudi blieb vor mir stehen und sah mich an.
Sei du nur ruhig! Raunte ich ihm zu. Du und ich, wir haben etwas gemeinsam und wir wissen was wir wollen. Er drehte sich um und, äh äh ähh äähhhtsch.
Naaa, redest du wieder mit den Hühnern! Luana stand hinter mir und lachte. Ich drehte mich um und traute meinen Augen nicht. Ich war sogar etwas erschrocken. Ich sah ihre rote Bluse mit den offenen Knöpfen. Der Ansatz ihrer geilen Rundungen zogen meine Blicke magisch an. Sie hatte Jeans an, die ihre Figur betonte. Und  Wanderschuhe.
Ich sah ihr in die Augen.
Sie spürte meine angeregte Verwunderung.
Die Sachen hatte ich mir mal aus der Schweiz mitgebracht! Sagte sie verlegen.
Que bonita, que guapa eres tu! Sagte ich leise zu ihr.
(wie schön du bist)
Vámonos Gringo? Sagte sie.
Und ich:
Si vámonos guapa!
Die Sonne hatte schon sehr früh das Tal erwärmt und es sah aus, als gäbe es ein schöner, regenfreier Tag. Aber das Wetter in der Regenzeit ist unberechenbar.
Wir gingen durch das Dorf. Tantamayo hatte damals keine 300 Einwohner.
Es sah geisterhaft aus, wie verlassen. Vielleicht war es so, wegen den nächtlichen Aktivitäten der Terroristen, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzten.
Das Haus des Bürgermeisters, ein trauriger Anblick.
Ich ging Luana hinterher. Sie trug einen blauen Rucksack mit einer kleinen Schweizer Flagge hinten drauf. Ein heimisches Gefühl kam in mir auf. Luana sah aus wie eine „Gringita“, eine Fremde.
Die zwei Plastikeimer, die sie dabei hatte, ihre schwarzen Haare, die sie jetzt offen trug, die tiefbraune Haut und ihr Gesicht verrieten ihre Herkunft.
Wir stiegen zum Rio Tantamayo hinunter und
mitten auf der Hängebrücke blieb sie stehen. Schau mal da, rief sie mir zu, die kleine Sandbank am Fluss. Ich brauche eine Abkühlung, hast du Lust?
Wir sahen uns in die Augen. Ich sah wieder dieses indianische Feuer, dieses verlangen nach tabulosem Fremdem. Dieser Morgengeilheit konnte ich nicht widerstehen.
Ja klar habe ich Lust! Rief ich ihr zu. Unsere Stimmen übertönte das Rauschen des Flusses.
Gut, vámonos! Rief sie.
Und so kletterte ich mit Luana die Felsen hinunter zur kleinen Sandbank.

Aber das ist schon wieder die nächste Geschichte

EXPEDITION YARO

Peru 1989
Teil 14

„GEFAHR IM NEBEL“

Es gibt gefährliche Situationen, in denen man große Angst hat. Angst um sein Leben, oder Angst, um etwas zu verlieren, was man liebt. Es gibt krankhafte Angst, die einem lähmt und es gibt die gesunde Angst, die, in der man vorsichtig wird und sehr aufmerksam auf die Dinge um sich herum.
Die Gefahr war mein ständiger Begleiter.
Ich hatte mich noch ein wenig mit dem kleinen Jungen unterhalten, der auf dem Felsen saß und in Piruro Nr.I seine Schafe hütete, bevor ich nach Tantamayo abstieg.
Er erzählte mir, dass er in
Coyllarbamba, einer kleinen Siedlung im Tantamayotal, zu Hause ist und dass er oft auch hier oben in den Ruinen bei seinen Schafen übernachtet. Auf die Frage, wie alt er ist, hat er mir seine zehn Finger entgegen gestreckt.
Ich hatte an die Kinder bei uns zu Hause denken müssen:
Morgens haben sie ein gesundes Frühstück, dann werden sie von der Mama in die Schule gefahren. Sie haben ein Pausenbrot dabei, oder sie werden in der Schule verköstigt. Nach dem Unterricht werden sie von der Mama abgeholt, bekommen ein gesundes Mittagessen. Dann Hausaufgaben und danach Spielen oder Fernsehen. Später gibt es noch ein Abendessen und in der Nacht ein gemütliches, warmes Bett.
Welch ein Kontrast, dachte ich.
Ich hatte, aus Interesse, in die Ruine geschaut. In einer Nische sah ich ein paar Decken aus der robusten Alpaka-Wolle. In der Nacht kann es hier oben, in knapp 4000 Meter Höhe, fürchterlich kalt werden. Nicht selten fällt die Temperatur auf diesen wolkennahen Felskämmen weit unter den Gefrierpunkt. Ich sah noch ein Kanister mit Wasser, zwei Kerzen und Streichhölzer und einen kleinen Stoffbeutel. Ich hatte ihn aus Neugier geöffnet, es waren Koka-Blätter. Schon im Kindesalter kauen die Indigenas Koka-Blätter, ihre Substanz unterdrückt Hunger und Kälte.
Und da der Junge lächelte und eigentlich glücklich aussah, wollte ich nicht länger darüber nachdenken, sonst hätte mich Wut und Traurigkeit überfallen.
Und wie heißt du? Fragte ich den kleinen Jungen weiter.
Gustavo! Sagte er und hat sich mit seiner kleinen Hand über den dreckigen Mund gewischt.
Gustavo, hast du die vier Männer gesehen? Fragte ich.
Ja, die haben heute Nacht hier geschlafen und die kommen auch wieder, die sind schon die ganze Woche hier! Sagte er und lächelte wieder.
Sind das Militär Soldaten?
Wollte ich von ihm wissen.
Nein, das ist kein Militär, die passen nur auf wenn jemand vorbeikommt! Erwiderte er.
Aahh, das ist Polizei? Fragte ich neugierig weiter und lächelte ihn an.
No es policía! Seine Stimme klang traurig.
Ich hörte auf zu lächeln und ich hörte auch auf zu fragen.
Ich hatte Gewißheit. Ich war auf ein Lager der Sendero Luminoso gestoßen. Piruro Nr.I hatten die Terroristen als Kontrollpunkt eingerichtet. Ganz schön raffiniert, dachte ich. Schon die Yarowilka hatten von hier aus alles unter Kontrolle und konnten weit in das Land schauen. Sie hatten ihre Städte in Sichtweite errichtet und konnten, wenn Gefahr drohte, ein akustisches oder sichtbares Signal geben.
Mich schauderte es und meine Gedanken überschlugen sich.
Schon kurz vor meiner Abreise zu Hause war mir ja klar, auf welches Abenteuer ich mich einließ. Ich war nicht nur auf einer „Reise in die Vorinkazeit“, ich war auch, wenn auch nicht ganz unfreiwillig, „Auf den Spuren des Sendero Luminoso, des Leuchtenden Pfad“ unterwegs gewesen.
Dunkle Wolken zogen wieder aus dem Marañóntal herüber. Schnell verabschiedete ich mich von Gustavo, tätschelte seine Schulter.
Vaya con Dios Chico, machs gut kleiner. Er lächelte mir nach und ich stieg ab in Richtung Tantamayo.
Die Wolken zogen schnell herüber und verwandelten
Piruro Nr.II, die „Galerie des Todes“ in eine gespenstige Szenerie. In meiner Phantasie sah ich wieder die Mumien der verstorbenen Könige in den Nischen. Schnell ging ich vorbei. Die Sonne schaffte es immer wieder kurz durch eine Wolkenlücke zu blinzeln und malte mein Schatten in die helle Nebelwand. War es ein göttliches Zeichen? War es vielleicht „Jack“ mein Schutzengel?
Irgendwie hatte ich im Nebel einen anderen Weg
eingeschlagen, denn an Piruro Nr.III, dem verfallenen Wohnviertel der Yarowilka, kam ich nicht mehr vorbei. Plötzlich standen sie vor mir. Wie aus dem Nichts, kamen sie aus dem Nebel heraus und fletschten ihre Zähne. Es waren drei große Hunde. Ihr beigeweißes Fell zerschmolz mit der Farbe des Nebels. Ich konnte in ihnen keine wirkliche Rasse erkennen. Es waren keine Kampfhunde, es war irgendeine südamerikanische Plaza Mischung, sahen übel aus. Sie bellten lautstark und versuchten ihr Territorium zu behaupten. Ich war nicht ängstlich, aber ich war vorsichtig, meine Hundeliebe hatte ihre Grenze gefunden. Mein Glück war, sie griffen mich in der Gruppe immer von einer Seite an, sie hatten sich nicht verteilt. Ich nahm mein Rucksack in die Hand und bei jedem Angriff machte ich mich größer. Zum Glück hatte ich noch ein paar Steine gefunden und konnte mich so verteidigen.
Es dauerte eine ganze Weile bis ich an diesen Bestien vorbei war, dann ließen sie von mir ab und verschwanden im Nebel.
Wo war ich hingeraten? Auf welchem Weg war ich?
Fragte ich mich.
Ich stieg weiter bergab, das war immer die richtige Richtung.
Leichter Regen hatte den Nebel verdrängt und gab den Blick nach oben frei. Auf einer größeren Distanz konnte ich das verfallene Wohnviertel der Yarowilka erkennen. So war ich doch weit vom richtigen Weg abgekommen. Ich musste mich ein wenig rechts halten, um unten am Rio Tantamayo auf die Hängebrücke zu kommen.
Wie vom Blitz getroffen zuckte ich zusammen, mein Pulsschlag erhöhte sich abrupt, trotzdem ich bergab ging. Angst stieg in mir auf. Angst, dass ich gesehen werde. Es waren die vier bewaffneten Terroristen die, nicht weit weg von mir, auf dem richtigen Weg nach oben stiegen. Instinktiv duckte ich mich hinter einem nassen Strauch. Wasser tropfte von den Blättern auf meine Hand, aber es hörte auf zu regnen.
Plötzlich liebte ich den Nebel, der mich auf den falschen, aber dennoch richtigen Weg führte. Ich liebte diese wilde Bestien,
die mich eine Zeit lang beschäftigten. Wäre all das nicht gewesen, ich wäre den Terroristen direkt in die Arme gelaufen.
War es göttliche Vorsehung?
Ich dachte an meinen Konfirmationssppruch aus den 60er Jahren.
Psalm 23, Absatz 3 und 4 aus der Luther Bibel,
die Studienfassung:
3.) Meine Lebenskraft bringt er zurück, und er führt mich auf richtigen Pfaden, um seinem Namen gerecht zu werden.
4.) Auch wenn ich durch das Tal des Todesschattens gehe, fürchte ich keine Gefahr denn du, du bist bei mir. Deine Keule und dein Stab geben mir Zuversicht.
Aber noch mehr bewegte mich der Bibelspruch des „Buches Josua/Kapitel 1.9“,
das da heißt:
Sei mutig und entschlossen!
Lass dich nicht einschüchtern, und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.
So langsam wurde ich zum „Heiligen Cheo“, und meine heilige Schrift lautete aus dem Kapitel 1.1:
„Das schlimmste was mir passieren kann ist, dass ich nichts erlebe“.
Mit all diesen Gedanken stieg ich nach einer Weile hastig bergab, immer etwas rechts haltend und immer zurückschauend, ob mir jemand folgt.
Bergab geht es immer schneller, so ging ich nach gut einer Stunde über die Hängebrücke und nach weiteren 20 Minuten war ich wieder in Tantamayo. Als ich das Hoftor meiner Unterkunft öffnete, dämmerte es schon. Der Hahn stand vor mir und krähte, „äh äh ähh äähhhtsch“ und seine geilen Hühner stolzierten über den Lehmboden und pickten Grünzeug auf.
Oh Gott, wie liebte ich diesen bekannten, schrecklichen Klang, der mich am frühen Morgen aus meinem erotischen Albtraum holte. Es war ein Klang der Sicherheit, der Geborgenheit.
Nachdem ich mich am Waschplatz frisch gemacht hatte, brachte mir mein Gastgeber „Señor Ortéga“ das Abendessen, es gab Nudeln mit Fleisch bei Kerzenlicht. Señor Ocaña lächelte und fragte:
y como estuvo tu dia, que te parece?
(und wie war dein Tag, was denkst du?)
Ich erzählte ihm von der Galerie des Todes, von den vier bewaffneten Terroristen, von dem kleinen Gustavo und von dem Erlebnis mit den Hunden im Nebel. Und ich erzählte………
Das Abenteuer zog mich in seinen Bann. Ich wollte mehr wissen von dem geheimnisvollen, unbekannten Volk der Yarowilka und von dem kleinen Dorf in dem toten Winkel der peruanischen Ost-Anden.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte