Expedition Yaro Peru 1989

Kapitel 38

„Bananen, Begierde und Blutiger Sand“

Der Wahnsinn unter dem Wasserfall hatte einen Namen: „Pilar!“, tief drang ich in ihre erotische Seele ein, bis sich die Nacht über die heiligen Hügel der Yarowilka legte. Die Dunkelheit brach schnell herein.

   »Eine Dämmerung, wie wir sie in den nördlichen oder südlichen Breitengraden kennen, gibt es in dieser Region nicht. In der Nähe des Äquators wird es innerhalb fünfzehn Minuten stockdunkel und im Urwald ist die Nacht dunkelschwarz, du siehst die Hand vor den Augen nicht. Unterschätzt du diese Gefahr und du hast keine Taschenlampe oder, wie in unserem Glücksfall, das Mondlicht zu Verfügung, bist du praktisch blind.«

   Der Vollmond, der durch die Baumwipfel schien, die Sterne, die durch die saubere Atmosphäre besonders stark strahlten und die Leuchtkäfer, die durch die Luft tanzten, begleiteten uns auf dem kurzen Weg in unser Notlager. Einen Schwarm Papageien wurden am Ufer des Rio Monzón aufgeschreckt und flogen kreischend davon.

„Wurden sie von Rebellen gestört?“, meine Sinne schlugen Alarm. Pilar pflückte ein paar Bananen und legte sich entspannt in die Hängematte. Einen vorausschauenden Sinn für Gefahren in der Natur hatte sich in ihrem Kopf nicht entwickelt, dafür hatte sie andere, vorzügliche Leidenschaften, die mir sehr angenehm waren.

   Ich spannte ein dünnes Seil über unsere Hängematte und warf mein Moskito Netz darüber, damit wir in der Nacht ruhig und geschützt schlafen konnten. Für unsere Sicherheit baute ich mit einer Angelschnur rund um unseren Lagerplatz eine Alarmanlage mit vier kleinen Glöckchen, ein Bestandteil meiner Survival Ausrüstung, die uns warnen sollte vor ungebetenen, größeren Lebewesen.

   Pilar räkelte sich nackt in der Hängematte, steckte sich eine Banane in den Mund und lutschte an ihr herum. Sie lächelte mich an. „Komm zu mir, ich brauche deine Nähe!“, sie liebte es, mich zu provozieren, in jeder Lebenslage. Sie wusste, dass ich ihrer Provokation nicht widerstehen konnte.

„Ich komme gleich!“, rief ich ihr zu und baute noch schnell eine Tarnung mit niederem Geäst und Bananen Blätter rund um unser Lager.

   Ich legte mich zu Pilar in die Hängematte und schälte mir eine Banane. Unser Abendessen bestand nur aus wilden, schmackhaften Bananen und ein paar Kekse aus unserer Notration.

   „Erzähl mal, warum bist du nicht in Lima geblieben?“, ich schälte mir gerade die zweite Banane, sie schmeckten vorzüglich, und Pilar erzählte:

   „Es war vor zwei Jahren, da bekam ich einen Brief von Amelie. Sie hatte geschrieben, dass meine Eltern auf dem Fluss tödlich verunglückt waren, bei Hochwasser war ihr Boot gekentert und die Flussgeister hatten sie verschlungen!“, ihre Stimme zitterte.

„Oh Liebes, davon hatte mir Amelie erzählt, das tut mir leid!“, ich streichelte über ihre Haare, ihre Wange und sie erzählte weiter:

   „Noch in der gleichen Woche war ich mit dem Bus nach Monzón gefahren. Die Fahrt hatte drei Tage gedauert, weil die Rebellen die Straßen blockiert hatten. In Monzón hatte ich in den ersten Wochen in der Hütte meiner Eltern gewohnt, bis ich sie verkauft hatte. Ihre Stimme stockte. Danach war ich bei Amelie geblieben. Mit dem Geld der Hütte hatten wir uns diesen Taco Stand gekauft, da, wo du Amelie kennen gelernt hast. Mit dieser Arbeit werden wir zwar nicht reich, aber wir können davon gut leben!“, ihre Tonart wurde beschwingter, doch ihr Lächeln sah ich nicht, dafür war es zu dunkel. Ihr schwarzbrauner Körper zerschmolz mit der Nacht. Ab und zu blitzten ihre strahlenden Zähne und das weiße in ihren Augen, die das Mondlicht widerspiegelte.

   Ein summendes Etwas setzte sich von außen auf das Moskitonetz. Ich konnte die Konturen erkennen, es war drei bis vier Zentimeter groß und flatterte mit den Flügeln. Der süß salzige Duft unserer Körper war wohl sehr verlockend. Mit meinem Zeigefinger kickte ich es weg. Leuchtkäfer umflogen unser Lager und die unzähligen Insekten sangen für uns ein Liebeslied. Es war eine fast romantische Nacht, wenn ich mal die Gefahren außer acht lasse, die um uns herum lauerten.

   Wir lagen eng nebeneinander. Durch die Beschaffenheit der Hängematte waren unsere Körper auf die erotischste Art verbunden. Mit meiner Hand streichelte ich ihren Busen. Ihre ausgeprägten Nippel und mein nasser Oberschenkel waren Zeugnisse ihrer Lust, die zu mir rüber schwappte. Sie hatte es erreicht. Mit ihrer Unersättlichkeit, ihrer jungen Unbekümmertheit, steckte sie mich an. Ihre Nähe war so berauschend, dass ich um uns herum die Gefahren vergaß und warum ich hier bin. Die Geister der Yarowilka bat ich um Verzeihung.

   Mit meinem Zeigefinger umkreiste ich den Nippel ihrer linken Brust, der fast zu platzen schien. Ich streichelte am unteren Vorhof entlang, gleichzeitig ließ ich den Muskel meines harten Schwanzes spielen, der tief zwischen ihren engen, inneren Schamlippen ruhte. Ihre Schnappatmung verriet das Verlangen nach mehr.

   „Ohhh Pilarsita, hauchte ich in ihr Ohr, darf ich dir eine indiskrete Frage stellen?“, ich hielt inne und war gespannt auf ihr junges, intimes Leben.

„Nur zu! Don Waltero, aber nicht jetzt. Fick mich weiter bitte, ich will dich genießen!“, sie drückte ihr Becken gegen mein Phallus. Ihr Scheidenmuskel erfüllte mich mit leidenschaftlicher Begierde. Ich drückte  dagegen, so taumelten wir in die Wahnsinnigkeit dieser Nacht, bis wir tief entspannt einschliefen.

   Ich weiß nicht, durch was ich aufwachte. War es das Licht einer Taschenlampe oder waren es die fürchterlichen Schreie in der Nacht? Träumte ich oder war es wirklich? Ich war hellwach. Zwischen den Blättern sah ich einen flackernden Lichtschein eines Feuers, das vom Fluss herkam. Pilar schlief tief und fest. Im Unterbewusstsein raunte sie etwas, als ich mich aus ihrem nackten Körper entknüppelte und aus dem Moskito Netz schlüpfte. Der Vollmond stand tief im Westen und erhellte die Nacht. Die Zikaden und anderes Getier sangen im Chor, dazwischen fremdartige Geräusche. Natürliches Nachtleben. »Der Urwald schläft nicht.«

   Die Neugier war nicht zum Aushalten. Schnell zog ich mich an. Hose, Hemd, Hut und meine Stiefel schüttelte ich aus, bevor ich sie anzog. Es hätte sein können, dass ein Skorpion oder eine Spinne darin lauerte. Meinen Revolver steckte ich in den Gürtel und mein Survival Messer in den Stiefel, sie gaben mir ein wenig Sicherheit. Ein Notlicht nahm ich mit in der Tasche. Es war ein Leuchtstab. Wenn man ihn zerbricht, gibt er für ein paar Stunden blaues Licht ab.

   Pilar schlief tief und fest, hörte nichts von meiner Unruhe, als ich unser Lager durch die Tarnung verließ. Fast lief ich in die Alarmanlage, die ich vor lauter Neugier vergaß. Es hätte unüberhörbar geklingelt.

   An dem kleinen See mit dem Wasserfall entfernte ich ein paar erotische Spuren aus meinem Gesicht, die ich immer noch schmeckte. Pilar war allgegenwärtig.

   Ich kletterte über die Bruchsteinterrassen und stand gleich auf der Anhöhe über dem Rio Monzón. Ich folgte ein paar Meter dem Lichtschein des Feuers in nördliche Richtung, dann hatte ich einen guten Überblick auf den Fluss. Wie geschmolzenes Silber floss er mäanderförmig durch die heiligen Hügel der Yarowilka dahin. Ein Boot mit einem großen Außenborder, das am Ufer lag, beunruhigte mich. Keine zehn Meter davon entfernt, sah ich das Lagerfeuer. „Was war hier los?“, meine Neugier war nicht zum Aushalten. Um mehr zu sehen, musste ich näher ran an das Geschehen. Zwischen Bananen Stauden, tropischem Schilf und niederem Geäst, ging ich geduckt ein Stückchen weiter nach unten. Am Ufer wurde es unruhig. Drei Männer im Kampfanzug gingen auf das Feuer zu, sie bewegten sich wie Nachtschattengeister. Noch am Abend vorher sah ich die Boote der Rebellen mit vier Mann besetzt. »Wahrscheinlich die Regel einer Bootbesatzung. Drei Mann die Ausschau halten und der vierte Mann an der Maschine.« „Wo ist der vierte Mann?“, sage ich leise vor mich hin und ziehe meinen Revolver. Meine Gedanken rotieren und ich sehe mich um. Vielleicht hat er mich bemerkt und kommt gleich aus dem Hinterhalt. Ich höre mein Herzschlag rasen, mein Adrenalin ist auf dem höchsten Level.

   Er kam rückwärts aus dem Hinterhalt, keine dreißig Meter entfernt und schleifte einen nackten, männlichen Körper mit, den er vor dem Feuer liegen ließ. Um besser sehen zu können, ging ich geduckt weiter vor. Das tropische Schilf gab mir eine gute Deckung.

   Keine Frage, der Mann war tot. Aus mehreren Wunden war er blutverschmiert. „Wurde er gefoltert?“, das erklären die gellenden Schreie, durch die ich wach wurde. Zwei Mann hievten die Leiche in das Boot und die anderen zwei löschten das Feuer. Ich duckte mich, mein Herz schlug bis in den Hals. Pulsschlag 120 ohne Bewegung. Ich hörte Quechua Gelaber. Wenig später heulte der Außenborder auf und das Boot fuhr davon.

   Vorsichtig kam ich aus meiner Deckung heraus und ging zu der gelöschten Feuerstelle. Es roch nach verbranntem Fleisch. Ich folgte der Blutspur. Hinter Farnhecken fand ich eine Bruchsteinmauer.

„War es ein Teil einer Ruine der Yarowilka?“ Eine größere Menge Blut floss an den Bruchsteinen herunter, das im Sand versickerte. Ein verkohltes Holzstück lag daneben. Der Mann wurde mit glühendem Holz zu Tode gefoltert.

   „Hört denn das Foltern und Morden nie auf in diesem Land?“, fragte ich mich leise und steckte meinen Revolver in den Gürtel. Ich blickte zum Himmel am westlichen Horizont. Der Mond wollte sich verabschieden. Ich hörte wieder die Zikaden singen, die ich vor lauter Adrenalin verdrängt hatte.

   Ich erinnerte mich an einen Spruch aus der Bibel, der da heißt:

1 Mose 16:9
„Und der Engel des HERRN sprach zu mir: Kehre wieder um zu deiner Frau und demütige dich unter ihre Hand!“

   So ging ich voller Demut die paar Schritte zurück in mein Notlager, das ich so gut getarnt hatte, dass ich fast in die Alarmanlage lief. Ich zog meine Klamotten aus und legte mich zu Pilar, die noch tief und fest in der Hängematte schlief, und wartete auf das Morgengrauen oder das Grauen am Morgen.


Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s