Expedition Yaro

Peru 1989

Kapitel 30
„Monzón“

Seni stand schon in der Dusche und Luana ging nervös im Zimmer hin und her, das spartanisch eingerichtet war. Drei Eisenbetten, ein Holztisch mit drei Stühlen und ein alter Schrank, der sichtliche Spuren von Holzwürmer trug. Der dreiflügelige Deckenventilator drehte konstant seine Runden und brachte frischen Wind in den hitzigen Raum. Ich lehnte nackt am Tisch, als es plötzlich an die Tür klopfte und rief:
„Señora Sánchez, da steht ein Mann drüben in der Bar und fragte nach ihnen!“, es war eine männliche, sehr direkte Stimme.
„Ja, ich komme!“, erwiderte Luana, ihre Stimme klang gereizt und sie wurde zusehends nervöser. Sie steckte ihren Revolver in den Gürtel am Rücken und sagte:
„Ich geh dann mal rüber in die Bar, das ist bestimmt der Kurier!“, sie war sehr aufgeregt.
„Wozu brauchst du den Revolver!“, fragte ich und schaute sie skeptisch an.
„Der ist nur zur Sicherheit, mach dir keine Sorgen, ich mache das nicht zum ersten Mal!“, sagte sie und ging zur Tür hinaus. „Schließ ab!“, rief sie mir zu und lächelte.
Senis unbekümmerte Geilheit brachte mich schnell auf andere Gedanken.
„Kommst du!“, rief sie aus der Dusche.
Ich ging in den Duschraum und war sehr verwundert, über die Einfachheit eines Badezimmers. Ein blechernes, halb verrostetes Waschbecken mit antiquarischem Wasserhahn, aus dem es tropfte. Die Wände und der Boden aus lehmfarbenen Steinen, mit einem Loch für das Abwasser. Eine oben liegende Wasserleitung, mit noch einem Wasserhahn und fließend kaltem Wasser. Die Toilette, naja, aber sauber. Ein Plastikhocker und eine Schüssel, mit der Seni hinter der Tür stand und mich, mit ein paar Liter kaltem Wasser, überraschte. Es war erschreckend frisch, aber das kalte Wasser beflügelte meine Wallung. Provokant stand sie an der Wand. Ihre ausgeprägten Brustwarzen verrieten ihr verlangen nach mir. Ich küsste ihre Brüste an der Unterseite und meine Lippen spielten mit ihren Nippeln. Mit ihren Händen drückte sie mich sanft nach unten, legte ein Bein über meine Schulter und ich vergrub mein Gesicht zwischen ihren Schenkeln. Mit meinem Nasenrücken massierte ich ihre angeschwollene Klitoris. „Haaaa; haaa; haaaa!“, ihr Stöhnen stockte. Ich presste meine Zunge zwischen ihre Schamlippen und leckte ihre nasse Spalte in der ganzen Länge. Ihr seufzen wurde lauter, als ich an ihrem Lustknopf saugte und knabberte. Mit ihren Händen drückte sie mein Gesicht gegen ihre Vagina. Ich kämpfte um Luft, und plötzlich zuckte ihr Becken und ihr angestauter Liebessaft spritzte über mein Gesicht.
„Aaaaiihhhhaaammorrr!“, sie schrie ihren Orgasmus heraus.
»Oh mein Gott, ich liebte diese peruanische Geilheit, diese natürliche Ekstase einer jungen Indigena.«
Seni war entspannt, schüttete sich eine Schüssel Wasser über ihren Körper und sagte:
„Setz dich auf den Stuhl, Don Waltero!“, dieser erotischen Dominante, konnte ich nicht widerstehen.
Sie zeigte mir die Gier ihres Mundes, ihrer Lippen, ihrer Zunge und die Kunst der lateinamerikanischen Trompetenblaserei.
Sie quälte mich, ließ mich zweimal nicht kommen. Mit ihren Zähnen massierte sie meine geschwollene Eichel. Meine Beine, mein Becken zuckte. Mit ihren Händen drückte sie auf mein Schwanz und ich stammelte:
„Dios mio, dioos miiio porrrvaborrrr!“, dann diese Explosion meines Orgasmus, mein Lustsaft spritze in ihren Mund, in ihr Gesicht. Eine Zeit lang verlor ich meine Gedanken, denn es war einer meiner extremsten Orgasmen, die ich je hatte.
Mit ihren Lippen streichelte sie meine Eichel weiter, bis die Wallung nach ließ.
Sie setzte sich auf meine Oberschenkel, wir liebkosten und küssten uns, dann stand sie auf, nahm die Schüssel, füllte sie mit Wasser und kippte sie über mein Körper. Ein Schock und ich konnte wieder klar denken.
„Du Seni, sagte ich, ich mache mir Sorgen; Luana müsste schon längst wieder hier sein. Du warst schon im Bad, als sie mit ihrem Revolver in die Bar ging und diesen Kurier treffen wollte!“, ich stand vom Stuhl auf.
„Ich glaube, da stimmt was nicht, wir müssen mal nach ihr schauen, vielleicht braucht sie Hilfe!“, sagte Seni.
Schnell haben wir unsere intimen Nachlässe von unseren Körpern und vom Boden beseitigt, trockneten uns ab und zogen uns an. Wir steckten unsere Revolver in den Gürtel und wollten in die Bar gehen.
„Halt!“, rief Seni, wir trennen uns, du gehst auf die Straße und kommst von vorne in die Bar. Ich nehme die Hintertür.
„Gut so!“, sagte ich und ging auf die Straße.
Es roch nach tropischem, geräuchertem, und ein laues Lüftchen wehte von den östlichen, grünen Hügeln herüber, die schon im dunkeln lagen.
»Welch ein Kontrast, dachte ich, noch vor ein paar Stunden zuvor waren wir in der Kälte, im Schnee und Eis der Anden und jetzt, in Monzón, der „Ciudad verde“, die „grüne Stadt“, wie die Einheimischen sie nennen, >alle Ortschaften, die mehr als dreihundert Einwohner haben, gelten in Lateinamerika als Stadt<, diese feuchte Wärme, wo Papageien von Palmen zu Palmen fliegen, welch ein Grasser Gegensatz«
Im flackernden Laternenlicht, sah ich ein paar Straßenhunde an einer Ecke dösen. »Gleich musste ich an den Erstlings Roman von Mario Vargas Llosa denken, der zu Hause mein Bücherregal schmückt, nämlich „La ciudad y los perros, die Stadt und die Hunde“, der aber auf einer ganz anderen Handlung basiert.« Finstere Typen mit zerfransten Strohhüten, lungerten vor der Bar herum, ihre Gesichter waren unangenehm. Ich fing an mein Kinderlied zu summen.
»Wieder hatte ich mich dabei ertappt; Kam ich in gefährliche Situationen, begann ich ein Lied aus meiner Kindheit zu summen oder zu singen, mit diesem Ritual hatte ich mich immer ermutigt«
Ich ging an den Männern  langsam vorbei, klopfte an meine Hutkrempe, als ein Zeichen des Respekts und grüßte freundlich; „Buenas tardes hombres!“, sie grüßten zaghaft zurück, aber ihre Blicke folgten mir. Ich öffnete die Tür zum „Tropicana“ und stand sogleich im Gastraum. Schlagartig wurde es still. Indigenas beäugten mich; Männer und Frauen; leicht bekleidet saßen sie an den Tischen, auf denen Bier und härteres stand. Sie waren farbig angemalt; Haut und Haare, rot, grün und blau durcheinander. Die Frauen, jüngere und ältere, zoomten mich förmlich an, ich hatte das Gefühl, als wollten sie mich mit den Augen ausziehen. Seni war schon da, sie lehnte lässig hinten an der Theke. Ich ging um die Tische herum und stolperte fast über ein Wassereimer, kurzes Gelächter und Getuschel, dann erhöhte sich der Lärmpegel wieder. An jedem Tisch stand ein Eimer mit Wasser und farbigen Spraydosen, die Bodenfliesen trieften vor Nässe, auch die Leute. Die Musikbox spielte Salsa.
„Was ist denn hier los!“, fragte ich Seni.
„Oh, das weißt du nicht?, die Leute feiern Carnaval!“, sagte sie. Es ist Tradition in Peru, dass man sich in dieser Zeit gegenseitig mit Wasser begießt und mit Farbe bespritzt. 
„Ach jaaa!“, ich erinnerte mich wieder.
»1987 im Februar; Ich war über Land unterwegs von Lima nach Buenos Aires, hatte ein paar Wochen in Cuzco verbracht und wollte auf einem Schleichweg, über den Rio Madre de Dios  und den Rio Beni, nach Bolivien einreisen. Mehr als Tausend Kilometer, abseits der üblichen Touristenroute, mit motorisierten Einbaum-Booten auf den Flüssen durch den Amazonas Urwald, auf den Spuren von Heinz Rox Schulz**, dem „König der Globetrotter“.
Mit diesen Gedanken lief ich durch die Straßen von Puerto Maldonado, eine Goldgräberstadt am Rio Madre de Dios. Ich war auf der Suche nach einem Boot, das mich in Richtung Riberalta bringen sollte.
Eine Horte junger, leicht bekleidete Frauen kamen mir entgegen, einheimische Mestizen, nichts ungewöhnliches in einer Stadt unter tropischer Sonne und 35 Grad im Schatten. Die eine trug schwer an einem Plastikeimer. Auch nichts ungewöhnliches, dachte ich, und als sie in meiner Nähe waren, hatte ich das Malheur. Sie kippte den Eimer mit Wasser über mich und eine andere besprühte mich mit Farbe.
Mit großem Gelächter wurde ich umzingelt.
„Oh Gringo mio!“, rief die eine, du siehst gut aus.
„Komm doch mit, wir gehen auf eine Fiesta!“
Ich sah gut, sehr gut aus; Nass, farbig, und ich ging mit. Das Boot, das ich suchte, konnte warten, morgen war mir egal, ich hatte es nicht eilig.
Ich wurde eingehängt, wir gingen lachend die Straße runter und in ein privates Haus. Der Raum glich einer kleinen Halle; ein großer, runder Tisch; Männer und junge Frauen oben ohne, farbig und nass, nicht nur von außen und sehr willig. In ihren Gesichtern sah man die Gier nach Gold. Es gab Ceviche und Guy, Bier und peruanischer Whiskey und ein Hinterzimmer. Ich war der Gringo colorado, war integriert und hatte einen heißen Carnaval verbracht.«
Seni tat so, als hätten wir uns gerade kennen gelernt.
Während sie mit mir heftig flirtete, gab sie mir einen kurzen Wink mit ihren Augen und sagte leise:
„Dort hinten sitzt Luana!“
Sie saß mit einem dunklen Typ, ein Kreole, zusammen, abseits der großen Tischen, an denen fröhlich gefeiert wurde. Sie diskutierten heftig.
„Das ist ein Cocalero!“, sagte ich.
„Jeder Mensch hier ist ein Cocalero, wir sind im Coca Anbaugebiet, es ist ein lukratives Geschäft, der Handel mit Coca!“, sagte Seni.
Wir beide hatten unsere Hände am Revolver, denn der Kreole stand auf. Luana stand auch auf und die Diskussion ging im stehen weiter. Die fröhlich Feiernden merkten nichts von den Machenschaften, oder taten sie nur so?
Seni wurde  zusehends angespannter.
»Ich hatte ein ungutes Gefühl, weil ich immer von der schlechtesten Situation ausgehe. Senis unerschrockenes Temperament war furios und ihre Hand saß locker, das hatte ich auf Mati Paqui erlebt. Hier in der Bar ein Geplänkel anzufangen, wäre sehr unklug gewesen. Ich denke, dass jeder zweite eine Waffe bei sich trug.« Ich redete ruhig auf Seni ein.
Der Kreole ging weg.
Luana sah uns an der Theke stehen, kam tänzelnd zu uns rüber, stellte sich locker neben uns an den Tresen und sagte verhalten:
„Schön dass ihr hier seid, der Mann will das Paket holen, ich muss noch warten!“

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

**Heinz Rox-Schulz, eigentlich Heinz Schulz, kurz Rox genannt, (* 23. März 1921 in Königsberg, Ostpreußen; † 26. März 2004 in Saarbrücken) war ein deutscher Globetrotter und Abenteurer. Rox, der König der Globetrotter, wie er einst in „Der Spiegel“ genannt wurde, lebte in Saarbrücken und führte dort ein Abenteuermuseum im Alten Rathaus am Schlossplatz.
                 (Quelle: Wikipedia)
Rox war in den 1960er Jahren fünf Jahre lang in Südamerika unterwegs. 1987 reiste ich von Lima nach Buenos Aires, auf seinen Spuren.
Er und sein Abenteuer Museum war die beste Informationsquelle für meine Reisen in den 80er Jahren.

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