EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 12

„WEGE DES TERRORS“

Ich saß im Regen, zwischen Kisten oben auf einem Lkw. Schräg unter mir lagen Einheimische Männer und Frauen auf Säcken und lächelten mich an. Ich war wie in Trance, hörte immer wieder Rosas rassige  Stimme rufen: „Bleib doch Gringo, du passt zu uns“!         
Eine alte Frau reichte mir eine Plastikplane, mit der ich mich abdeckte, um ein wenig trocken zu bleiben. Ich hatte Chuquibamba, die goldene Ebene verlassen. Ich hatte es geschafft, mich aus den Fängen der zwei Nymphen „Rosa und Liza“ zu befreien. Meine erotische Seele blieb bei ihnen zurück.
Drei Stunden waren es noch bis ins Herz der Yarowilka. Drei Stunden auf der schlammigen Piste bis nach Tantamayo, das einsame Dorf in den Ost-Anden. Ein paar Dutzend Häuser aus Lehm stehen an einem Südost Hang in 3500 Meter Höhe, weit ab jeglicher, touristischer Zivilisation. Hier war Talschluss. Von hier aus ging es nur noch zu Fuss, mit Pferd und Packesel auf Trampelpfaden Richtung Norden zu den einsamen Siedlungen Urpish, Jircan, Rapayan und Arancay, sowie über die Berge nach Osten, in die Urwaldregionen nach Monzon und weiter nach Tingo María. Heimliche Wege der Drogenkuriere und des Terrorregimes „Sendero Luminoso“, der die gesammte Gegend um Tantamayo zu dieser Zeit beherrschte. Ich benutzte diese „Wege des Terrors“ zu den noch unbekannten Geisterstätten der Yarowilka-Kultur in fast 4000 Meter Höhe.
Wegen einer Reifenpanne kam ich erst am späten Abend an und fand ein Platz zum schlafen in der einzigen Unterkunft des Dorfes. Es war ein einfaches Zimmer mit drei Betten aus Eisen und drei Stühlen, umfunktioniert zu Nachttischen und einem alten Tisch. Wie immer gab es kein Strom und das Wasser kam aus der Zisterne im Hof. Der Besitzer war sehr freundlich und brachte mir noch was zu essen, eine Quinoa-Suppe mit viel Gemüse, sehr köstlich im Schein meiner Kerzenlampe. Auf einem der Stühle entdeckte ich ein altes, abgegriffenes Gästebuch. Der letzte Eintrag war eineinhalb Jahre alt, er war von zwei französischen Archäologen geschrieben, die hier Forschungsarbeiten  an den Ruinen der Yarowilka durchführten. Sie schrieben, dass hier in der Gegend um Tantamayo über 80 archäologische Ausgrabungen geben würde. Somit ist hier am oberen Rio Marañón die archäologisch reichste Region nicht nur Perus, sondern ganz Südamerikas.  Es wurde immer interessanter für mich. Mit diesen Gedanken ging ich schlafen, denn ich wollte am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück auf einem Weg des Terrors aufsteigen nach Piruro, zum heiligsten Ort der Yarowilka.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

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