EXPEDITION YARO

EXPEDITION YARO
Peru 1989
Teil 7

Im Rupa Rupa Land

In meiner geographischen Landkarte konnte ich keinen Weg finden, der mich an der kleinen Siedlung Choras vorbeiführt. So ging ich erstmal in Richtung Norden, habe ein paar felsige Abgründe umgangen und bin dann über die „Mesa Pampa“ auf den Hauptweg, weit hinter Choras, gestoßen. Im Schutze einer Ziegenherde eines Campesino, kam ich wieder nach Chavinillo. Freundlich lächelnde Indigenen begegneten mir, für sie war ich die Sensation der Zeit. Ein Gringo in ihrem kleinen Ort, das gab es kaum.
Den Abend verbrachte ich bei der alten Creolin in der kleinen Bar. Im Schein ihrer Petroleumlampe saß ich am Tisch bei einer Flasche Cerveza und einem Teller voll Eier und Bohnen. Ich habe nochmal über den Tag nachgedacht und schrieb in mein Tagebuch:
„Heute bin ich wieder dem Tod begegnet, aber ich habe mich ja daran gewöhnt, es war ja nicht das erste Mal, dass mir sowas widerfahren ist“.
(Jetzt, wo ich das alles niederschreibe, in einer anderen, relativ sicheren Zeit und Ort, aus einer Entfernung, die sich ein Indigener aus diesen entlegenen Regionen kaum vorstellen kann, muss ich an das Lied von Nancy Sinatra denken: „You only live twice“, (du lebst nur zweimal).)
Ich habe an das Jahr 1972 denken müssen, wo ich mit meinem ersten VW-Käfer gegen einen Baum gefahren bin und danach beide Beine gebrochen hatte.
Ich habe an das Jahr 1985 gedacht, wo ich in Mexiko an der Karibik Küste beinahe ertrunken wäre, weil mich die Wellen immer wieder nach draußen getragen haben. Fast eine Stunde lang hatte ich mich durch die Fluten gekämpft und lag dann erschöpft am menschenleeren Strand. Oder als ich plötzlich in Guatemala in einem Partisanenlager gestanden habe, in 3000 Meter Höhe, im Nebelwald eines Vulkankraters. Wie oft habe ich schon vor einer Privatpatroullie im guatemaltekischen Guerrillagebiet gestanden, die mit Schnellfeuer- gewehren auf mich zielten, weil sie mich mit einer Todesschwadron verwechselt haben. Oder 1987 im argentinischen Gran Chaco, als mich, morgens um halb vier, beinahe ein Güterzug überrollt hätte, den ich nicht kommen hörte. (Ich bin heute noch den zwei Argentinos dankbar, die mir zuriefen: „Pass auf Gringo, da kommt ein Zug“!)
Die Sucht, die jämmerliche Sucht nach Abenteuer, trieb mich immer wieder in solche Situationen.
Am späten Abend hatte ich dann meine Rechnung bei der alten Creolin bezahlt. Ich nahm noch eine Flasche Cerveza mit und ging zwei Türen weiter zu meinem Zimmer. Weil es kein Wasser und auch kein Waschbecken gab, putzte ich meine Zähne mit Bier vor der Tür und ging dann zufrieden in mein Bett. Am nächsten Morgen wollte ich auf ein Lkw warten, der mich weiter, tiefer in das Rupa Rupa Land, das Land der Yarowilka bringt. Mein Ziel war „Tantamayo“, das vergessene Dorf in einem toten Winkel der peruanischen Ost-Anden.

Aber das ist wieder die nächste Geschichte.

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