Ich bin Tourist Guatemala 1985

Mit dem Nachtbus kam ich in die Stadt „San Christobal Alta Verapaz“.
Ich wollte mich nicht lange aufhalten, aber es gab nur den Nachtbus am Abend um weiter zukommen. Deshalb ging ich die ersten zwanzig Kilometer zu Fuß weiter. Ich war auf dem Weg nach Uspantán und Cunén, zwei Dörfer am Fuß der Sierra Cuchumatán.
Nach 4 Stunden Fußmarsch konnte ich ein Pickup anhalten, freundlicherweise nahm er mich mit bis Uspantán. Hier blieb ich zwei Tage. In einer Schreinerei bekam ich ein Zimmer angeboten, sie zimmerten Särge (eine lukrative Tätigkeit hier in dieser Gegend) und immer wenn ich in mein Zimmer wollte, mußte ich an diesen Särgen vorbei, alles sehr makaber.
Hier in Uspantán gab es ein kleiner Markt und Indios in farbenfrohen Gewändern.
Zwei Tage später fuhr ich per Anhalter nach Cunén. Von hier aus sind es noch 25km bis Nebaj und 47km bis Chajul, beides sind Centren der Guerilleros, sogenannte Hochburgen der Guerilla Kämpfer inmitten der Sierra Cuchumatán.
Hector, ein freundlicher Indio, hat mich eingeladen in seinem Haus ein paar Tage zu verweilen. Dankend nahm ich die Einladung an. Am Abend suchte ich mir was zu essen, und wieder bei Hector lauschte ich den nächtlichen mysteriösen Geräuschen.
Am nächsten Morgen frühstückte ich bei Hector, wie immer gab es Eier und Bohnen. Dann packte ich mein kleiner Rucksack und erkundete das Ort und die Gegend.
Als ich aus dem Ort heraus lief in Richtung Nebaj, bemerkte ich drei Männer mit Schnellfeuer Gewehre die mich im Abstand von 100 Meter verfolgten. Ich hatte Angst, wenn ich jetzt weiter gehe bin ich in der Wildnis der Sierra Cuchumatán, dann knallen die mich ab und verbuddeln mich und ich bin einer von den Toten des Guerilla Krieges. Ich tat das einzig richtige, ich drehte mich um und lief ihnen entgegen. Ich war ca. zehn Meter vor ihnen, dann positionierten sie sich vor mir, der eine auf der linken Seite, der andere auf der rechten Seite und der in der Mitte rief „Alto“. Alle drei hatten ihre Gewehre im Anschlag und ich dachte, „jetzt gehts los“. Ich blieb stehen.
Es war eine Privat Patrouille. Der Wortführer rief, „wer bist du, woher kommst du und wohin willst du“? Ich bin Tourist, bin auf der Durchreise nach Guate City, rief ich ihm zu! Hier gibt es keine Touristen, rief er zurück. Doch, sagte ich in einem kräftigen, energischen Ton, ich bin Tourist, ich bin hier! Langsam ging ich ein paar Schritte vor und unauffällig zückte ich mein Reisepass, den ich immer in diesen Gebieten griffbereit halte. Der Wortführer nahm ihn an sich und dann führten sie mich ab und gingen mit mir zur Militär Station.
Zwei Stunden hielten sie mich fest und verhörten mich. Sie fragten immer wieder welche Mission ich hätte und was ich hier mache?
Ich blieb hart und sagte immer wieder, „ich bin Tourist und bin hier auf der Durchreise nach Guate City“. Nach etlichen Telefonaten gaben sie mir mein Reisepass zurück und ließen mich frei.
Ich blieb noch einige Tage, schließlich war ich jetzt bekannt in Cunén als der „verrückte Gringo“.
Und später fuhr ich per Anhalter weiter Richtung San Pedro de Atitlán, und einem neuen Abenteuer entgegen.
Uspantán und Cunén habe ich gut in Erinnerung behalten….

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